Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea am Freitag den Start einer Langstreckenrakete unternommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums im benachbarten Südkorea explodierte die mehrstufige Rakete jedoch schon wenige Minuten nach dem Abheben in der Luft und zerbrach in mehrere Teile, die ins Gelbe Meer fielen.
Nordkorea bestätigte den gescheiteren Start der Rakete, mit dem es nach eigenen Angaben einen Satelliten ins All schießen wollte. Die Vereinigten Staaten und andere Länder sehen in dem Start den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.
Der Satellit in der Trägerrakete Unha-3 habe nicht wie geplant die Erdumlaufbahn erreicht, berichteten die staatlichen Medien des kommunistischen Landes, ohne Details zu nennen. Techniker untersuchten, warum das Ziel nicht erreicht worden sei. Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte stürzte die Rakete etwa 165 Kilometer westlich der südkoreanischen Küste ins Gelbe Meer.
Die Vereinigten Staaten, Südkorea und Japan verurteilten den Start als Provokation und Bedrohung für die regionale Sicherheit. Washington kündigte einen Stopp seiner Nahrungsmittelhilfen an. Russland verurteilte den Start als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich noch am Freitag mit dem Thema in einer Dringlichkeitssitzung beschäftigen, hieß es aus New York.
Debakel für Nordkorea
Der Fehlschlag gilt als ein Debakel für Nordkorea. Nach Angaben Pjöngjangs sollte damit der 100. Geburtstag des als Staatsgründer und „ewigen Präsidenten“ verehrten Kim Il-sung an diesem Sonntag gefeiert werden. Zugleich ist Nordkorea dabei, die Stellung des neuen Machthabers Kim Jong-un zu festigen. Dieser ist Enkel Kim Il-sungs und jüngster Sohn des im Dezember gestorbenen langjährigen Alleinherrschers Kim Jong-il. Am Mittwoch war der noch nicht 30 Jahre alte Kim Jong-un unter anderem zum ersten Sekretär der herrschenden Arbeiterpartei und damit praktisch zum Parteichef ernannt worden.
Die „provokativen Aktionen“ Nordkoreas verletzten internationales Recht, teilte die amerikanische Regierung in einer Erklärung mit. Auch wenn man aufgrund des aggressiven Verhaltensmusters der nordkoreanischen Regierung nicht überrascht sei, würde jede Raketen-Aktivität des Landes von der internationalen Gemeinschaft mit Sorge betrachtet. Die amerikanische Regierung warf Nordkorea vor, sich durch das Raketenprogramm nur weiter zu isolieren und Geld für Waffen und Propaganda-Inszenierungen auszugeben, während das Volk hungere.
„Verletzung internationaler Verpflichtungen“
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer „flagranten Verletzung internationaler Verpflichtungen“ durch die nordkoreanische Regierung. Der Raketenstart gefährde die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel, sagte er in New York. Der Sicherheitsrat müsse eine „deutliche Antwort“ auf diese Verletzung des Völkerrechts geben.
Wie die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums in Seoul meldete, explodierte die Rakete in einer Höhe von 151 Kilometern. Trümmerteile seien rund 100 bis 150 Kilometer südlich der südkoreanischen Westküste ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Marine suche das Gebiet ab. Die Rakete war nach südkoreanischen Angaben am Morgen um 7.39 Uhr (0 Uhr 39 Uhr MESZ) von der Abschussrampe an der Westküste Nordkoreas abgehoben.
Nordkorea hatte mitgeteilt, den Beobachtungssatelliten Kwangmyongsong-3 („Heller Stern“) auf eine Erdumlaufbahn bringen zu wollen. Dort sollte der Satellit zwei Jahre lang unter anderem zur Wälder- und Wetterbeobachtung genutzt werden.
Bei einer geplanten Sitzung des UN-Sicherheitsrats wird es aller Voraussicht nach zu einer formellen Verurteilung Nordkoreas kommen, hieß es in New York. Der Sicherheitsrat hatte Nordkorea mehrfach kritisiert und 2006 und 2009 mit Sanktionen belegt. In Resolutionen des Rats wird Nordkorea aufgerufen, jegliche Raketenstarts „unter Verwendung ballistischer Raketentechnologie“ zu unterlassen.
Nordkorea war 2009 nach internationaler Kritik an einem Raketenstart aus den internationalen Verhandlungen über sein Atomprogramm ausgestiegen. Wenige Monate später hatte das Land einen zweiten Kernwaffentest unternommen.
April 1984: Nordkorea testet eine ballistische Rakete mit einer Reichweite bis zu 300 km, die Huasong-5. Sie basiert auf der sowjetischen Scud-B.
1990: Die Huasong-6/Scud-C mit einer Reichweite von 500 km wird erfolgreich getestet. Sie wird ab 1992 nach Syrien und Iran exportiert.
29. Mai 1993: Nordkorea testet über dem Japanischen Meer eine Mittelstreckenrakete des Typs Nodong mit einer Reichweite von 1000 bis 1300 km.
31. August 1998: Der Test einer Mittelstreckenrakete des Typs Taepodong-1 mit einer Reichweite von 1500 bis 2000 km scheitert aufgrund einer Fehlfunktion der dritten Raketenstufe. Die Rakete überfliegt den Nordosten Japans und schlägt im Pazifik auf. Nordkorea spricht von einem Satellitenprojekt.
13. September 1999: Nordkorea sagt den Vereinigten Staaten zu, keine Tests von Langstreckenraketen durchzuführen. Laut Erkenntnissen des amerikanischen Geheimdienstes CIA entwickelt Nordkorea Raketen des Typs Taepodong-2 mit einer Reichweite von 5000 bis 6000 km.
17. September 2002: Kim Jong-il erklärt sich gegenüber dem japanischen Premierminister Koizumi in der „Pjöngjang Erklärung“ bereit, das Testmoratorium für Langstreckenraketen über das Jahr 2003 hinaus zu verlängern.
20. Juni 2006: Nordkorea erklärt, sich nicht länger an das Testmoratorium halten zu wollen, und begründet dies mit der Politik der Vereinigten Staaten.
5. Juli: Nordkorea testet sieben Raketen über dem Japanischen Meer, darunter auch eine Langstreckenrakete des Typs Taepodong-2. Der Test dieser Rakete scheitert bereits nach 40 Sekunden Flugdauer.
15. Juli: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt einstimmig die Resolution 1695, die von Nordkorea eine Aussetzung seines ballistischen Programms verlangt.
16. Februar 2009: Nordkorea beansprucht für sich das unabhängige Recht auf „Erschließung des Weltraums“.
5. April: Nordkorea startet die mit einem Testsatelliten bestückte Langstreckenrakete Unha-2 und vermeldet, der Satellit habe erfolgreich seine Erdumlaufbahn erreicht. Nach Erkenntnissen des amerikanischen Militärs erreichte jedoch kein Teil der Rakete die Erdumlaufbahn. Vielmehr sei die zweite Raketenstufe zusammen mit dem Satelliten nach 3200 km im Pazifik abgestürzt. Die Vereinigten Staaten und Südkorea glauben, es habe sich um einen Test der Langstreckenrakete Taeposong-2 gehandelt.
12. Juni: In der Resolution 1874 verlangt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen von Nordkorea, keine weiteren Atomwaffen- und ballistischen Raketentests durchzuführen und alle Aktivitäten einzustellen, die mit dem ballistischen Raketenprogramm zusammenhängen.
4. Juli: Nordkorea feuert sieben Raketen kurzer und mittlerer Reichweite in Richtung des Japanischen Meers ab.
9. März 2010: Nordkorea richtet eine neue militärische Abteilung ein, die sich mit der Aufstellung ballistischer Raketen mittlerer Reichweite befasst.
29. Februar 2011: Nordkorea erklärt sich gegenüber den Vereinigten Staaten bereit, auf den Test von Langstreckenwaffen zu verzichten. Im Gegenzug versprechen die Vereinigten Staaten, 240000 Tonnen Nahrungsmittel zu liefern.
13. April: Nordkorea startet die mit einem Satelliten bestückte Langstreckenrakete Unha-3. Die Rakete explodiert schon wenige Minuten nach dem Abheben in der Luft und zerbricht in mehrere Teile. Nordkorea bestätigt den gescheiterten Start. (F.A.Z.)
StuxNet --- The next Generation
Inzisor Molar (Rosemann)
- 13.04.2012, 17:24 Uhr
Diktatoren
Christian Schneider (Americano)
- 13.04.2012, 16:04 Uhr
Nur für Südkorea noch eine Bedrohnung, sonst Lachhaft
Christian Rumpf (ChrisWR)
- 13.04.2012, 15:30 Uhr
Herr Dr. Rossburg,
Michael Scheffler (Striesner)
- 13.04.2012, 15:06 Uhr
Pervers
Axel Schulte (a.schulte)
- 13.04.2012, 13:11 Uhr
