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Atomkonflikt mit Nordkorea : Kims bestes Stück

Ein südkoreanischer Fernsehsender berichtet am 29. August über den Start einer nordkoreanischen ballistischen Rakete. Bild: dpa

Sieht aus wie Propaganda, doch das Ding gibt’s wirklich: eine supermoderne Rakete. Es könnte sein, dass Nordkorea sie sogar selbst gebaut hat.

          Propagandaplakate sind aus der Mode gekommen, sie verschwanden mit den kommunistischen Regimen. In Russland war das so, in China auch, und sogar in Kuba sind neue Zeiten angebrochen. Nur Nordkorea stemmt sich wieder mal gegen die Zeitläufte – und wie! Auf dieser Seite haben wir das mutmaßlich jüngste Erzeugnis aus dem Land der Kims abgebildet. Es ist ein Meisterwerk in Perspektive, Farbgebung und Kommunikation. Und es hängt nicht nur in den Werkhallen des Landes. Die staatliche Nachrichtenagentur des Landes verbreitete das Plakat Mitte August als Bild. Denn es enthält auch eine wichtige Botschaft für ausländische Betrachter.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die erste und offensichtliche Botschaft richtet sich natürlich an die Nordkoreaner selbst. Der Volksgenosse wird, wie üblich, in deutlichen Worten angeschrien: „Niemand kann unseren Weg nach vorne aufhalten!“ So lautet die Überschrift. Dazu zermalmt das Kettenfahrzeug all jene Hürden, die von niederträchtigen Feinden errichtet wurden. Die Schriftzeichen bedeuten: Isolation – Mord – Sanktionen – Kriegsvorbereitung. Der Blick des Betrachters wird in die Mitte des Bildes gezogen, auf die orange leuchtende Panzerplatte. Dort steht in großen Zeichen: Byungjin, zu Deutsch: parallele Entwicklung. Eine Losung. Und zugleich die Lösung aller Probleme.

          Jedenfalls, seit Kim Jong-un an der Macht ist. Es ist seine Staatsdoktrin, ein Parteitag hat sie nach seiner Machtübernahme beschlossen. Der junge Führer versprach seinem Volk die parallele Entwicklung von Militär und Wirtschaft, natürlich zu Höchstleistungen. Und er beanspruchte den Status einer Atommacht, mit allem, was dazu gehört: Raketen und Atomkraftwerke. Jeder nordkoreanische Regent hat so eine Doktrin. Bei Kims Großvater, dem Staatsgünder Kim Il-sung, war es die „Juche“-Ideologie: vom Ausland abkoppeln, alles selbst machen und autark werden. Dann kam Kim Jong-il und rief „Songun“: das Militär zuerst. Die Partei verkümmerte. Wer nicht Dienst an den Waffen leistete, musste sich jahrelang von Gras ernähren. Mit Kim Jong-un sollten bessere Zeiten anbrechen.

          Die Pukguksong-2, Kim Jong-uns Nordstern

          Auf dem Plakat kann man sehen, was daraus geworden ist: Die nukleare Rüstung hat alles andere an den Rand gedrängt. Ein Hochgeschwindigkeitszug, ein Kraftwerk und moderne Produktionsanlagen sind nur als blasser Vorschein einer fernen Zukunft zu erkennen. In den Vordergrund drängt sich dagegen der Panzer. Auf seinen Ketten steht: Atomentwicklung und Wirtschaftsaufbau. Oben auf dem Dach trägt er eine mächtige Rakete, die dem Betrachter fast entgegenschießt. Das ist der Phallus der Kim-Dynastie.

          An dieser Stelle wird es für ausländische Augen interessant. Denn der Panzer trägt nicht irgendein Modell aus dem großen Arsenal Nordkoreas. Es handelt sich vielmehr um eine Pukguksong-2 im Startrohr. Der Name bedeutet „Nordstern“. In letzter Zeit haben andere Raketen Furore gemacht, weil sie bis nach Nordamerika fliegen könnten oder über Japan hinweg geschossen wurden. Die heißen alle Hwasong, Mars, haben ein Triebwerk sowjetischer Bauart und werden mit flüssigem Treibstoff befeuert – Technik der späten fünfziger Jahre.

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