25.05.2009 · China, einst mit dem kommunistischen Brudervolk in Nordkorea eng verbunden, ist das Muskelspiel des Nachbarn äußerst unangenehm. Zeigt sich doch, dass seine Bemühungen, den Konflikt zu entschärfen, nicht gefruchtet haben.
Von Till Fähnders, PekingChina, einst mit dem kommunistischen Brudervolk in Nordkorea so eng wie „Lippen und Zähne“, ist das Muskelspiel des Nachbarn äußerst unangenehm. Es zeigt sich, dass die chinesischen Bemühungen, den Konflikt durch Gespräche zu entschärfen, bisher nicht gefruchtet haben. Als Teilnehmer und Gastgeber der Sechsparteiengespräche, an denen außerdem die beiden koreanischen Staaten, die Vereinigten Staaten, Russland und Japan beteiligt waren, wollte China sich als vorantwortungsbewusste Weltmacht präsentieren. Das internationale Lob für ihre Bemühungen nahm die Führung in Peking gern an. Die Gespräche blieben aber erfolglos und wurden schließlich von Nordkorea abgebrochen. Dies und der neue Atomwaffentest lassen die chinesischen Versuche zunehmend unglaubwürdig oder zumindest hilflos erscheinen. Für das empfindliche Peking kommt dies alles einem Gesichtsverlust sehr nahe.
Fehlt es dem chinesischen Engagement an Ernsthaftigkeit? Handelt es sich vielleicht nur um diplomatische Taktiererei? Und wird Peking in Zukunft auch härtere Maßnahmen, wie etwa weitergehende Sanktionen, unterstützen? Das sind die Fragen, die sich die Führung nun stellen lassen muss. Denn als wichtigster Handelspartner Nordkoreas kann, wenn überhaupt jemand, dann am ehesten China Druck auf das Regime in Pjöngjang ausüben. Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass Nordkorea auf China keine Rücksicht nimmt. Entweder ist der Einfluss Chinas also doch deutlich geringer als angenommen - oder Peking hat einfach kein Interesse daran, dem zu überraschenden Handlungen neigenden Nachbarn eine deutliche Abfuhr zu erteilen, was dieser ausnutzt.
China fürchtet eine Destabilisierung Nordkoreas
Die ersten offiziellen Reaktionen deuteten darauf hin, dass Peking nun wohl immerhin deutlichere Worte finden wird als noch nach dem nordkoreanischen Raketentest im April. China hatte damals stets vermieden, Nordkorea direkt zu kritisieren. Es stellte sich auch gegen eine starke Reaktion des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Peking wollte sich nicht einmal eindeutig dazu äußern, ob es sich bei dem Raketenstart aus seiner Sicht um den Test einer Langstreckenrakete handelte, wie Amerikaner, Japaner und Südkoreaner glaubten, oder einen harmlosen Satellitenstart, wie Nordkorea offiziell behauptete.
Am Montag teilte nun ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums recht deutlich mit, China lehne den Atomwaffentest „entschieden“ ab. Die Pekinger Regierung wird sich ihre Reaktion sorgfältig überlegt haben. Denn eine eklatante Schwächung Kim Jong-ils liegt eigentlich nicht in ihrem Interesse. Sie will vor allem eine Destabilisierung Nordkoreas verhindern. China fürchtet, dass sich nach einem möglichen Zusammenbruch des verarmten Nachbarlandes eine Flüchtlingswelle aus Nordkorea über Nordostchina ergießen könnte. Hunderttausende ausgehungerter Nordkoreaner würden wohl auch die Stabilität in den im Vergleich zu anderen Regionen Chinas teilweise noch unterentwickelten Nordostgebieten der Volksrepublik gefährden.
Schon jetzt gibt es ein Problem mit illegalen Einwanderern aus Nordkorea, die zu Tausenden heimlich über die Grenze nach China flüchten und dort ein prekäres Leben im Untergrund führen. Zudem würde ein Kollaps des nordkoreanischen Systems die Möglichkeit einer Wiedervereinigung Koreas erhöhen. Damit könnte die amerikanische Einflusssphäre näher an die chinesische Grenze rücken. Denn Südkorea ist ein traditioneller Verbündeter Amerikas und dürfte in einem - wenn auch heute wahrscheinlich noch fernen - wiedervereinigten Korea die dominante Rolle spielen.
Die neue Eskalation des Konflikts findet außerdem in einer Zeit statt, in der China eigentlich ein „Jahr der Freundschaft“ mit seinem kleinen Bruder Nordkorea feiern wollte. Noch im März zeigte sich Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao Hand in Hand mit seinem nordkoreanischen Amtskollegen Kim Yong-il bei einer Fernsehgala. Doch es ist fraglich, ob China weiter so viel Geduld für die nordkoreanischen Spielchen aufbringen wird wie in der Vergangenheit. Natürlich kann auch Peking nicht wohl dabei sein, einen unberechenbaren und gefährlichen Kauz wie Kim Jong-il als Nachbarn zu haben, der noch dazu über Atomwaffen verfügt.
Abschottung, Unterdrückung, Machtillusionen
Die Pekinger Wirtschaftsreformer sind auch unzufrieden mit dem langsamen Tempo der wirtschaftlichen Öffnung ihres abgeschotteten Partnerlandes. Das verarmte Nordkorea erscheint trotz zaghafter Reformen immer noch wie der erfolglose Gegenentwurf zum chinesischen Wirtschaftswunder. Die große Volksrepublik würde in der kleinen Volksrepublik wohl gern eine verkleinerte Version von sich selbst verwirklicht sehen. Doch das Regime in Pjöngjang hat sich einer solchen Politik zum Ärger Chinas bisher weitgehend widersetzt. Kim Jong-il setzt in der Sicherung seiner Herrschaft auf Abschottung, Unterdrückung und die Illusion der Macht, während Peking versucht, sein Volk durch langsame Öffnung, materielle Anreize und nicht zuletzt den Rückgriff auf chinesischen Patriotismus zu befrieden.
Die Führung in Peking steht nach dem Atomtest nun vor dem bekannten Dilemma, dass sie der westlichen Welt zwar ihren guten Willen beweisen will, gleichzeitig das Regime Kim Jong-ils aber nicht allzu stark angreifen kann. Denn sollte China - so wie immer wieder von den Amerikanern gefordert - sich an harten Sanktionen beteiligen, könnte es längerfristig auch seinen Einfluss auf Pjöngjang riskieren. Deshalb wird China wohl weiter versuchen, eine mäßigende Rolle in dem Konflikt zu spielen.
China
Rene Meyer (matrix1329)
- 25.05.2009, 21:48 Uhr
Muss ja ein Riesengesicht haben, dieses China!
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 25.05.2009, 23:46 Uhr
China kann ohne Nordkorea uberleben, die Welt auch
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 26.05.2009, 00:15 Uhr
Nicht nur ein Gesichtsverlust
B. Keim (bkeim)
- 26.05.2009, 11:51 Uhr
Was ist eigentlich aus Pekings Internet-Clacqueuren geworden?!
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 28.05.2009, 01:23 Uhr