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Kim Jong-un : Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

  • Aktualisiert am

Propagandafoto von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un Bild: Reuters

Der Nordkorea-Konflikt erreicht eine neue Eskalationsstufe. Das Regime in Pjöngjang schoss erstmals unangekündigt eine Rakete über Japan hinweg. Die japanische Regierung spricht von einer ernsthaften Bedrohung.

          Eine von Nordkorea abgefeuerte Rakete hat nach Angaben der Regierung in Tokio Japan überflogen. Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte am Dienstag an, Japan werde „alle Schritte“ unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen. Er sprach von einer beispiellosen und ernsthaften Bedrohung. Zusammen mit den Amerikanern will er den Druck auf das Regime in Pjöngjang weiter erhöhen. Darauf verständigte sich Abe nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Präsident Donald Trump. Diplomaten zufolge soll der UN-Sicherheitsrat am Dienstagnachmittag in New York auf Antrag Japans und der Vereinigten Staaten zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

          Es war nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt erfolgt sei, wie der Fernsehsender NHK meldete. Das japanische Militär versuchte nicht, die Rakete abzuschießen. Das Geschoss zerbrach nach Regierungsangaben in drei Teile und stürzte 1180 Kilometer östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik.

          Bereits Raketentests am Wochenende

          Das südkoreanische Militär und das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigten, dass die Rakete Japan überflogen hat. Nordkorea habe um 5.57 Uhr Ortszeit von Sunan nahe Pjöngjang aus ein „nicht identifiziertes“ Geschoss abgefeuert, das 2700 Kilometer weit geflogen sei. Man sei bereits zu der Einschätzung gekommen, dass die Rakete keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten dargestellt habe, teilte das Pentagon mit.

          In Südkorea wies Präsident Moon Jae-in die Streitkräfte an, ihre Kampfkraft zu demonstrieren. Vier F15K-Kampfjets ließen daraufhin nach Angaben eines Sprechers auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

          Nordkorea hatte erst am Samstag drei Kurzstreckenraketen abgefeuert – offenbar als Reaktion auf ein gemeinsames Militärmanöver der Vereinigten Staaten und Südkoreas. Der amerikanischen Armee zufolge stürzten die Raketen ins Meer und stellten keine Gefahr für das nordamerikanische Festland und die Pazifikinsel Guam dar, auf der die Vereinigten Staaten mehrere Militärstützpunkte unterhalten.

          Nordkorea hatte Anfang August damit gedroht, Raketen in Richtung Guam abzufeuern. Zuvor hatte der amerikanische Präsident Donald Trump Pjöngjang mit „Feuer und Wut“ indirekt einen Atomwaffeneinsatz angedroht. Die Regierung in Pjöngjang hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die nach Angaben der Regierung Ziele auf dem amerikanischen Festland erreichen können. Daraufhin verschärfte sich der Ton zwischen den Regierungen in Washington und Pjöngjang deutlich.

          Quelle: peer./AFP/dpa/Reuters

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