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F.A.S. Exklusiv : „Kim Jong-un muss Sanktionen loswerden“

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Bald vorbei: Test eine Mittelstreckenrakete in Nordkorea Bild: dpa

Nordkorea strebt nach Ansicht von Rüdiger Frank Wirtschaftshilfe an. Als Gegenleistung könne Pjöngjang Waffeninspekteure ins Land lassen, sagt der Nordkorea-Fachmann im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einer der wenigen Kenner Nordkoreas, Rüdiger Frank, wertet den Atom- und Raketenteststopp des Landes als „Zeichen der Entspannung“. „Nordkorea will eine erfolgreiche Exportwirtschaft aufbauen und muss deshalb die Sanktionen loswerden“, sagte Frank der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Frank lehrt an der Universität Wien und hält sich seit Jahrzehnten regelmäßig in Nordkorea auf, wo er zu DDR-Zeiten studiert hat. Pjöngjang strebe außerdem Wirtschaftshilfe an. Im Gegenzug könnte es internationale Waffeninspekteure ins Land lassen.

          Der Wissenschaftler glaubt jedoch nicht, dass Nordkorea seine Atomwaffen „so schnell aufgeben wird“. Das Land fordert zwar die „Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel, doch seien die Atomwaffen zugleich die Lebensversicherung des Regimes. Frank beschreibt dessen grundsätzliche Linie in den bevorstehenden Verhandlungen mit den Nachbarstaaten und den Vereinigten Staaten so: „Nordkorea will weder einseitig von China noch von Amerika abhängig sein.“ Der Wissenschaftler warnte vor zu großem Optimismus. Die derzeitige Annäherung könne rasch vorüber sein, wenn die wechselseitigen Erwartungen enttäuscht würden.

          Nordkorea-Fachmann Rüdiger Frank

          Das Land hatte am Samstag angekündigt, ab sofort seine Atomwaffen- und Raketentests auszusetzen. Die Atomtestanlage im nördlichen Landesteil werde geschlossen, meldeten staatliche Medien. Machthaber Kim Jong-un erklärte laut Nachrichtenagentur KCNA, weitere Erprobungen seien für die Atomwaffen und Interkontinentalraketen nicht mehr nötig. Das Land habe sein Ziel erreicht, Atomwaffen zu entwickeln. Zugleich kündigte das isolierte Land an, es wolle im Dialog mit der internationalen Gemeinschaft Frieden und wirtschaftliches Wachstum erreichen.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump, er sich im Mai oder Juni mit Kim treffen will, sprach auf Twitter von „sehr guten Nachrichten für Nordkorea und die Welt“. Es sei ein großer Fortschritt. Er freue sich auf das Gipfeltreffen mit Kim. Die Vereinigten Staaten verlangen von Nordkorea eine komplette Aufgabe des Atomprogramms. Die nordkoreanische Ankündigung fand in der ganzen Welt beifälligen Widerhall. Sowohl die Bundesregierung, als auch die EU, Russland, China und andere Staaten begrüßten das nordkoreanische Vorhaben.

          Dies sei ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte Außenminister Heiko Maas am Samstag. Allerdings sei es für eine komplette Denuklearisierung Nordkoreas wichtig, dass die Regierung konkrete Schritte folgen lasse und das komplette Atom- und Raketenprogramm offenlege. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprach von einem lange erhofften Schritt auf einem Weg, der nun zur völligen, nachweisbaren und unumkehrbaren Denuklearisierung des asiatischen Landes führen müsse. Die EU hoffe, dass die angekündigten Gipfel Süd- und Nordkoreas sowie Nordkoreas und der Vereinigten Staaten konkrete positive Ergebnisse bringen würden. Die EU selbst werde ihre eigene Politik des kritischen Engagements fortsetzen, eine Kombination von starkem Druck auf Nordkorea und Offenheit für Gespräche, fügte sie hinzu.

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