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Trotz Sanktionen : Nordkorea exportiert Kohle über Russland

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Südkoreanische Lastwagen, beladen mit Kohlebriketts, passieren die Grenze nach Nordkorea. Bild: AP

Die Vereinten Nationen verbieten Nordkorea wegen seines Atomprogramms den Export von Kohle. Um die Sanktionen zu umgehen, nutzt das Land offenbar indirekte Kanäle – und Russland steckt wohl mittendrin.

          Nordkorea hat nach Angaben aus Geheimdienstkreisen im vergangenen Jahr mehrmals Kohle nach Russland exportiert, die dann nach Südkorea und Japan weitergeliefert wurde. Kohleexporte fallen unter die Sanktionen, die die Vereinten Nationen im August 2017 wegen des Atom- und Raketenprogramms gegen Nordkorea verhängt haben. Seither hätten mindestens drei Mal nordkoreanische Kohlefrachter die russischen Häfen Nachodka und Cholmsk angelaufen. Dort sei die Fracht gelöscht und später auf Schiffe geladen worden, die die Kohle nach Südkorea oder Japan gebracht hätten, hieß es in den Kreisen. Ähnliches verlautete aus westlichen Schifffahrtskreisen und amerikanischen Sicherheitskreisen.

          „Der russische Hafen Nachodka entwickelt sich zu einem Umschlagzentrum für nordkoreanische Kohle“, sagte ein europäischer Geheimdienstler, der anonym bleiben will. Nordkorea sei auf die Route über Russland ausgewichen, weil sein einziger großer Verbündeter, China, gegen Exporte aus dem Nachbarland vorgehe. Ein unabhängige Expertenkommission hat dem UN-Sicherheitsrat am 5. September berichtet, dass Nordkorea indirekte Kanäle nutze, um Sanktionen zu umgehen und Rohstoffe auszuführen. Reuters berichtete im Dezember, dass russische Tanker Nordkorea mit Öl versorgt haben. Der amerikanische Präsident Donald Trump warf Russland in einem Reuters-Interview vor, Nordkorea zu helfen, die internationalen Sanktionen zu unterlaufen.

          Russland nannte die von Reuters angeführten Informationen falsch. „Russland kauft weder Kohle von Nordkorea noch ist es ein Umschlagplatz für Kohlelieferungen an Drittstaaten“, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Vertreter der russischen Botschaft in Nordkorea. Das japanische Außenministerium antwortete auf Reuters-Anfragen zu dem Thema nicht. Im südkoreanischen Außenamt hieß es lediglich, man verfolge Nordkoreas Versuche um Umgehung der UN-Sanktionen genau und arbeite eng mit der internationalen Gemeinschaft zusammen, um die Einhaltung der Strafmaßnahmen durchzusetzen.

          Nach Angaben aus westlichen Sicherheitskreisen lief der unter der Flagge Palaus fahrende Frachter „Jian Fu“ im August aus dem nordkoreanischen Nampo kommend den russischen Hafen Nachodka an. Die Stadt liegt rund 85 Kilometer östlich von Wladiwostok. In Nachodka löschte das Schiff laut Dokumenten der Hafenbehörde 17.415 Tonnen Kohle. Auf seiner Fahrt nach Russland hatte das Schiff sein Funksignal ausgeschaltet, über das Routen verfolgt werden können. Wenige Tage nach Löschung der Fracht habe ein anderes Schiff am selben Kai 20.500 Tonnen Kohle geladen und laut russischen Dokumenten mit Zielhafen Usan in Südkorea abgelegt.

          Die zweite Schmuggelroute läuft demnach über den Hafen Cholmsk auf der nördlich von Japan gelegen Insel Sachalin. Dort entluden im August und September mindestens zwei nordkoreanische Schiffe Kohle, die sie in den Häfen Wonsan und Taean aufgenommen hatten. Dies geht aus russischen Hafendokumenten und Daten der Schiffsverfolgung hervor. Die Kohle wurde wegen der UN-Sanktionen nicht nach Russland eingeführt, sondern am selben Kai in Schiffe umgeladen, die von chinesischen Reedern betrieben werden. In den Hafenpapieren wurde Nordkorea als Ziel angegeben. Satellitendaten belegten aber, dass die Schiffe mit der nordkoreanischen Kohle an Bord die südkoreanischen Häfen Pohang und Incheon angelaufen hätten.

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