Einem optimalen Verlauf der Festwoche in Nordkorea steht nach offiziellen Angaben aus Pjöngjang nichts mehr im Weg. Die Vorbereitungen für den Start einer Rakete, die einen Erdbeobachtungssatelliten in den Weltraum bringen soll, seien abgeschlossen, heißt es.
Der Start wäre einer der Höhepunkte einer Woche, in der nicht nur der 100. Geburtstag des nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il-sung gefeiert wird, sondern auch eine weitere Beförderung des neuen Staatsführers Kim Jong-un erwartet wird. Die Startrampe nebst Rakete ist am Wochenende ausländischen Journalisten vorgeführt worden.
Trotz breiter internationaler Kritik an dem Vorhaben ist nicht zu erwarten, dass Pjöngjang den Start in letzter Minute noch absagt. Das Land verstieße mit dem Test gegen eine UN-Resolution, wie am Dienstag auch Russland anmerkte. Die Vereinigten Staaten, Japan und Südkorea halten den nordkoreanischen Schritt für einen Schritt in einem militärischen Projekt, mit dem die Westküste der Vereinigten Staaten direkt beschossen werden könnte.
Seit einiger Zeit stellen sich im Ausland viele die Frage, was die nordkoreanische Führung dazu bringt, die Rakete auf jeden Fall starten zu lassen. Die positive Interpretation lautet, dass die neue Führung unter Kim Jong-un mit den Vereinigten Staaten ins Gespräch kommen will. Substantielle Verhandlungen meint sie aber womöglich nur aus einer Position der Stärke führen zu können. Deshalb lasse sie jetzt als Demonstration der Stärke die Rakete starten und beginne auch mit Arbeiten, die auf einen bevorstehenden weiteren Atomtest hinweisen könnten.
Verzicht auf Atomtest?
Diesen Test ließe sich Pjöngjang möglicherweise gegen einen hohen Preis noch abhandeln, denn eine Nuklearexplosion ist im Gegensatz zum Raketenstart nicht öffentlich angekündigt worden. Ein Verzicht wäre demgemäß nicht mit einem Gesichtsverlust verbunden.
Die negative Interpretation der nordkoreanischen Politik meint, auch die neue Führung setze weiter auf Konfrontation mit der Außenwelt, weil alles, was irgendwie nach Entspannung aussieht, die Existenz des Systems gefährde.
Militärisch hat Nordkorea mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts zu fürchten. Erstens wollen weder die Vereinigten Staaten noch Südkorea den Norden angreifen. Zweitens kann ausgeschlossen werden, dass China einen Angriff zuließe.
Die Reaktion des Auslands auf die nordkoreanischen Ankündigungen war bislang wie erwartet. Die Vereinigten Staaten haben ihre Ankündigung zurückgezogen, Nordkorea mit Lebensmitteln zu versorgen. Weitere Reaktionen nach einem erfolgreichen Start sind nicht auszuschließen, wobei immer zu fragen ist, welche Möglichkeiten Amerika außer verbaler Empörung hat. Eine ernsthafte Gefährdung des Regimes durch scharfe Sanktionen wird China nicht zulassen.
Abschuss unwahrscheinlich
Japan und Südkorea haben angekündigt, sie würden die nordkoreanische Rakete abschießen, wenn diese ihren Luftraum verletze, wenn also eine Gefahr für die nationale Sicherheit bestehe. Die geplante Flugroute der Rakete führt aber von Korea aus nach Süden. Allenfalls am Rande die Volksrepublik China und die Philippinen könnten von Raketenteilen getroffen werden.
Insofern sind also die Ankündigungen aus Seoul und Tokio vor allem als Innenpolitik anzusehen. In Südkorea kommt hinzu, dass an diesem Mittwoch ein neues Parlament gewählt wird. Um nicht aus seiner Sicht unerwünschte Ergebnisse in Gestalt eine siegreichen konservativen Regierungspartei zu produzieren, dürfte Nordkorea mit dem Start der Rakete so lange warten, bis der Süden gewählt hat.
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