04.06.2009 · Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il will vielleicht doch einen seiner Söhne als Nachfolger ernennen. Südkoreas Geheimdienste wollen erfahren haben, dass der Diktator plant, seinen jüngsten Sohn, Kim Jung-un, als dritten Herrscher der „Dynastie Kim“ einzusetzen.
Von Petra KolonkoWill Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il jetzt doch einen seiner Söhne als Nachfolger einsetzen und damit einen dritten Herrscher der „Dynastie Kim“ inthronisieren? Südkoreas Geheimdienste wollen erfahren haben, dass Kim Jong-ils jüngster Sohn, Kim Jong-un, für die Nachfolge als Führer des kommunistischen Staates vorgesehen ist. Und aus anderen Quellen heißt es, dass er bei den „Wahlen“ im April entgegen den ursprünglichen Berichten doch in Nordkoreas Oberste Volksversammlung gewählt wurde und damit auf die erste Stufe der Karriereleiter gesetzt worden ist.
Wenn diese Nachrichten stimmen, wäre das eine Sensation, denn die spärlichen Nachrichten, die es aus Nordkorea gibt, haben bis jetzt darauf hingedeutet, dass Kim Jong-il über die langen Jahre seiner unangefochtenen Herrschaft überhaupt nicht daran gedacht hat, seine Söhne in Führungspositionen zu bringen. Seine beiden jüngeren Söhne hat der heute 67 Jahre alte Machthaber auf eine private internationale Schule in Bern geschickt. Sie gaben dort nicht ihre wahren Namen an, man hielt sie angeblich für Söhne des Fahrers der nordkoreanischen Botschaft.
Ein unerfahrener, politisch unzuverlässiger junger Mann
In der Schweiz lernten sie Fremdsprachen und entwickelten Begeisterung für Sportarten wie Skifahren, Fußball und Basketball. Kim Jong-il muss gewusst haben, dass eine solche Erziehung seine Söhne nicht gerade für eine politische Laufbahn in Nordkorea empfiehlt. In einem Staat, der nach außen abgeschlossen ist und stolz auf der „Juche-Ideologie“ der Selbständigkeit beharrt, ist eine Schulbildung im Ausland ein Makel, der alle Funktionäre und Ideologen zu Hause misstrauisch macht. Dass Kim Jong-il seine Söhne ins Ausland schickte, deutet eher darauf hin, dass er sie nicht für eine politische Laufbahn vorgesehen hat.
Kim Jong-un wurde wahrscheinlich 1984 geboren. Seine Mutter war die Schauspielerin Ko Yong-hui, die - auch darüber wird nur spekuliert - wahrscheinlich nicht mit Kim Jong-il verheiratet, sondern nur eine seiner Konkubinen war. Sie starb vor einigen Jahren an Krebs. Die wenigen Informationen, die das Ausland über den jüngsten Kim hat, stammen von einem japanischen Sushi-Koch, der für Kim Jong-il gearbeitet hat. Er gab zu Protokoll, dass von den drei Söhnen Kim Jong-un seinem Vater am ähnlichsten sieht und der Favorit Kim Jong-ils war.
Kim Jong-un ist 25 Jahre alt und damit für eine Führungsposition in Nordkorea sehr jung. Wenn der junge Kim wirklich für die Nachfolge vorbereitet werden soll, wird dies nicht ohne Schwierigkeiten durchzusetzen sein. Auch in einem diktatorischen Regime wie Nordkorea muss sich der Machthaber an gewisse Regeln halten. Seine Führungsmannschaft und besonders das Militär, auf das sich seine Macht stützt, werden sich nicht einfach damit abfinden, dass ihnen ein unerfahrener, politisch unzuverlässiger junger Mann vorgesetzt wird, auch wenn er der Sohn des „Lieben Führers“ ist. Bis zum Jahr 2012 will Kim Jong-il Nordkorea zu einer großen Nation machen. Bis dahin, so nimmt man an, soll auch die Nachfolge geregelt sein.