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Nordkorea : Ausländische Helfer nicht mehr erwünscht

  • -Aktualisiert am

Wer die Hungerhilfe vertreibt, schafft damit den Hunger nicht ab Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die nordkoreanische Führung erklärt die Not im Land mit Wirkung vom 1. Januar 2006 für beendet. Ausländische Hilfsorganisationen wurden aufgefordert, ihre Nahrungsmittelhilfen einzustellen und zur Jahreswende ihr Personal abzuziehen.

          Der heruntergekommenen Wirtschaft Nordkoreas scheint es ein wenig besser zu gehen - zumindest so gut, daß die Machthaber in Pjöngjang vorgeben, die eigene Bevölkerung selbst mit dem Nötigsten versorgen zu können. Nach amerikanischen und südkoreanischen Schätzungen hat die nordkoreanische Landwirtschaft die beste Ernte seit einem Jahrzehnt eingefahren, der Ertrag könnte fast vier Prozent höher sein als 2004.

          Trotzdem wurde zum Oktober 2005 eine noch nicht lange gewährte Freizügigkeit wieder aufgegeben, was eigentlich nicht auf eine Verbesserung der Lebensqualität hindeutet: Nordkorea ist nämlich wieder zu seinem Zuteilungs- und Rationierungssystem zurückgekehrt, auf den Bauernmärkten ist der freie Verkauf von Reis und anderen Hülsenfrüchten untersagt worden. Damit werden Grundnahrungsmittel theoretisch wieder vollständig unter staatlicher Kontrolle an die Bevölkerung ausgegeben. Dies gilt um so mehr, als jetzt auch - wie schon länger angekündigt - ausländische Hilfsorganisationen aufgefordert werden, ihre Nahrungsmittelhilfen einzustellen und zur Jahreswende ihr Personal abzuziehen.

          „Das muß man akzeptieren“

          „Die Regierung hat beschlossen, daß sie keine Nothilfe mehr benötigt“, sagte der Direktor des Welternährungsprogramms (WFP) der UN, James Morris, Mitte Dezember in Peking, nachdem er vergeblich versucht hatte, auf die Verhandlungspartner in Pjöngjang einzuwirken. Anstelle von Nahrungsmittelhilfe wünsche Pjöngjang künftig Entwicklungshilfe. Grundsätzlich sei der Übergang zur Entwicklungshilfe - zum Beispiel die Unterstützung der lokalen Landwirtschaft - sinnvoll, hieß es vom WFP, das den sofortigen Stopp der Lebensmittelhilfe allerdings für riskant und verfrüht hält. Im vergangenen Jahrzehnt hat das Welternährungsprogramm Nahrungsmittel für mehr als 1,7 Milliarden Dollar nach Nordkorea gebracht.

          Ein wohlgenährter Nordkoreaner: Diktator Kim Jong-il
          Ein wohlgenährter Nordkoreaner: Diktator Kim Jong-il : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Die UN-Organisation ist nicht die einzige, die von Pjöngjang hinauskomplimentiert wird. Ein Dutzend Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind weitgehend dabei, ihre Projekte abzuwickeln. Auch der Caritas war schon seit September 2004 signalisiert worden, daß Nordkorea in Zukunft eine andere Art Unterstützung wünsche und die Zahl der ausländischen NGO-Mitarbeiter im Land drastisch reduzieren wolle. Die erste Reislieferung der Caritas erreichte Nordkorea im November 1995, nach den schweren Überflutungen, denen eine Hungersnot mit Zigtausenden Todesopfern folgte - und auf den Appell aus Pjöngjang. Hilfsleistungen im Wert von insgesamt 32 Millionen Dollar - zuletzt etwa zwei Millionen im Jahr - hat Caritas seither in das Land gebracht.

          „Ging es von 1995 bis 1998 noch darum, Leben zu retten, humanitäre Hilfe zu leisten, so muß man heute sagen: Die Ernten haben sich stabilisiert oder verbessert, es kommt massiv Hilfe aus Südkorea und China“, urteilt Käthi Zellweger, die von Hongkong aus die Caritas-Hilfen für Nordkorea koordiniert. Zellweger, die in den vergangenen zehn Jahren 49 Mal in Nordkorea war, weist außerdem darauf hin, daß das Land in jüngster Zeit von Naturkatastrophen, Dürren oder Taifunen, verschont blieb, „was nicht heißt, daß die Situation gut ist, das Eis ist noch dünn. Wenn Nordkorea aber sagt, wir brauchen keine Lebensmittelhilfe, wir brauchen die Nichtregierungsorganisationen nicht mehr, dann muß man das akzeptieren und andere Wege finden, das Engagement weiterzuführen. Wir sind ja Gast im Land“, meint Zellweger, die bereits für Februar die nächste Pjöngjang-Reise plant. Bei einem Besuch in Seoul beschreibt sie die Lage im Norden derzeit als völlig unklar, erkennt nordkoreanisches Interesse an Ausbildungshilfe und weiß andererseits nicht, ob Pjöngjang weiter Medikamentenlieferungen akzeptiert.

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