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Niederlande-Wahl : Der Gegen-Wilders

Wilders ist für Steuer auf Kopftücher, Klaver für mehr Zuwanderung. Bild: AFP

Mehr Flüchtlinge, mehr Windräder: Spitzenkandidat Jesse Klaver könnte des Ergebnis der Grünen in Holland vervierfachen. Er ist selbst Kind von Einwanderereltern und wird von den jungen, gebildeten Niederländern gefeiert.

          Die Afas Hall ist eine der großen Veranstaltungshallen in Amsterdam. 6000 Menschen passen hinein, im April treten Bob Dylan und Sting auf. Die niederländischen Grünen, GroenLinks, luden vor ein paar Tagen ihre Anhänger zu einem ihrer „Meet Ups“ in das Gebäude. Ein bekannter DJ spielte zum „Aufwärmen“, dann kam der Spitzenkandidat Jesse Klaver auf die Bühne. Begrüßt wurde er wie ein Popstar. Lauter Jubel brach im vornehmlich jungen Publikum aus. Eine junge Frau sagte später im niederländischen Fernsehen, sie sei „tief beeindruckt“ und „inspiriert“ von Klaver. Ein Student ist nur wegen Klaver in die Partei eingetreten.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Medien nennen ihn den „Jessias“ der niederländischen Grünen. Dem 30 Jahre alte Familienvater könnte an diesem Mittwoch bei der Parlamentswahl in den Niederlanden ein kleines Wunder gelingen: Demoskopen gehen davon aus, dass GroenLinks ein vier Mal so hohes Ergebnis wie 2012 erzielt. Statt vier Sitzen könnte die Partei 15 bis 16 in der Zweiten Kammer gewinnen, das entspricht 12 Prozent. Träfen die Prognosen zu, bestünde der Abstand zum Erstplatzierten nur bei fünf bis sechs Prozent.

          Dabei spricht auf den ersten Blick vieles gegen GroenLinks. Angesichts des Erfolgs der Partei von Geert Wilders (PVV) in den Umfragen des vergangenen Jahres, sind die meisten Parteien programmatisch nach rechts gerückt; sie haben sich gegen Einwanderung und für schärfere Regeln bei der Integration ausgesprochen. Die Sozialdemokraten fordern einen „progressiven Patriotismus“ für die Niederländer, der Ministerpräsident und Parteichef der Liberalen (VVD), Mark Rutte, sagte an Migranten gerichtet: „Benehmt euch oder geht.“ Die Sozialistische Partei ist für stärkeren Schutz der Grenzen. Noch vor fünf Jahren gab es im linksliberalen Holland solche Töne nur vom Rechtspopulisten Wilders.

          Sie nennen ihn den niederländischen Justin Trudeau: Jesse Klaver beim Wahlkampftermin in Leiden.

          „Wenn wir jetzt nichts tun, dann verändert sich nichts“

          Durch das Wahlprogramm von GroenLinks dagegen weht das alte Image des Landes: liberal und weltoffen. Mehr Windräder, mehr Einwanderung und weg mit den Kohlekraftwerken, zählt zu den Kernforderungen. Dazu das Versprechen, stärker zu sparen und die Sozialprogramme deutlich auszubauen. Thematisch ist das nicht neu, es fand sich auch vor Klavers Antritt im Amt als Parteichef in den Programmen. Seit er aber 2015 die Führung in Fraktion und Parteizentrale übernahm, drehte sich der Wind. Klaver hat die Biografie eines politischen Senkrechtstarters: 2009 wurde er das jüngste Mitglied des einflussreichen sozialwissenschaftlichen Rats, der Regierung und Parlament berät. 2010 kam er ins Parlament, 2012 koordinierte er die Kampagne der Grünen und 2015 setzte er sich im Führungsstreit durch.

          Die Kampagne von GroenLinks ist abgestimmt auf die jungen Wähler, die beim Brexit-Referendum und der amerikanischen Präsidentschaftswahl zuhause geblieben sind. Der Wahlkampfspot zeigt den Blick auf die Erde aus dem Weltall, in schneller Abfolge fliegen Worte ins Bild: „Du hast das Gefühl, dass du nichts tun musst?“ Danach Bilder: Trump, der den Daumen hebt, ein grinsender Geert Wilders, Schweinehälften in einem Schlachthaus, ein toter Junge am Strand, abbrechende Polarkappen und ein grinsender Mark Rutte. „Wenn wir jetzt nichts tun, dann verändert sich auch nichts“, steht da zum Schluss.

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