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Nicaragua : Zahl der Toten bei Protesten auf 100 gestiegen

  • Aktualisiert am

Ein Regierungsgegner in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, am Donnerstag Bild: AFP

In Nicaragua stehen die Zeichen weiterhin auf Konflikt: Präsident Ortega will nicht zurücktreten. In der Hauptstadt und anderen Städten kommt es zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und Anhängern des Präsidenten.

          Die Zahl der Todesopfer bei den Massenprotesten in Nicaragua ist auf 100 gestiegen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag wurden mindestens 16 Menschen getötet, wie das nicaraguanische Menschenrechtszentrum (Cenidh) mitteilte. Seit Beginn der Demonstrationen Mitte April wurden nach Angaben von Polizei und Menschenrechtsaktivisten außerdem mehr als 900 Menschen verletzt.

          Dem Menschenrechtszentrum zufolge ereigneten sich die Zusammenstößen am Mittwoch in der Hauptstadt Managua sowie in Estelí, Masaya und León. Die Gewalt sei von der „repressiven Polizei“ und bewaffneten regierungsnahen Gruppen ausgegangen.

          Beerdigung eines 15 Jahre alten Jugendlichen am Freitag, der bei den Protesten in Nicaragua getötet wurde.

          Nicaraguas Präsident Daniel Ortega wies am Donnerstag Vorwürfe zurück, wonach paramilitärische Einheiten im Auftrag der Regierung gegen die Demonstranten vorgehen. Er beklagte eine „Verschwörung“ der Opposition. Vize-Polizeichef Francisco Díaz warf „kriminellen Gruppen“ vor, Regierungsanhänger in Managua mit Waffen und Granaten angegriffen und sieben Menschen getötet zu haben.

          Ortega lehnt Rücktritt ab

          Die Wut der Demonstranten hatte sich zunächst gegen Pläne für Rentenkürzungen gerichtet. Ortega zog sie angesichts des Widerstands dagegen schon bald wieder zurück. Der ehemalige Guerillakämpfer regiert Nicaragua seit elf Jahren. Sein jetziges Mandat endet im Januar 2022. Ortega lehnt einen Rücktritt und vorgezogene Präsidentenwahlen weiterhin ab. „Nicaragua gehört uns allen und wir bleiben alle hier“, sagte er am Mittwochabend vor mehreren tausend Anhängern in der Hauptstadt.

          Vergangene Woche war ein Vermittlungsversuch der katholischen Kirche zur Überwindung der innenpolitischen Krise gescheitert. Regierung und Opposition verständigten sich am Montag darauf, die Gespräche fortzusetzen. Die Bischofskonferenz erklärte am Donnerstag aber, sie lehne neue Verhandlungen ab, solange die Bevölkerung von regierungsnahen Gruppen „unterdrückt und getötet wird“. Auch die Vereinigten Staaten und die „Organisation Amerikanischer Staaten“ (OAS) verurteilten das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten.

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