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Neuer Störfall in Forsmark Vattenfall prüft Sicherheit in Kernkraftwerken

09.02.2007 ·  Ein schwerer Störfall im Juli vergangenen Jahres, nun defekte Gummiabdichtungen: Vattenfall hat auf die jüngsten Vorfälle im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark reagiert. Ein Manager wurde entlassen, die Sicherheit liegt ab sofort in Händen des Energiekonzerns.

Von Siegfried Thielbeer
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In einer dramatischen Aktion hat der staatliche schwedische Energiekonzern Vattenfall am Donnerstagabend die direkte Kontrolle über das krisengeschüttelte Kernkraftwerk Forsmark, ein Tochterunternehmen, übernommen. Der Direktor von Forsmark wurde entlassen und durch ein Vorstandsmitglied von Vattenfall ersetzt. Außerdem wurde eine schärfere Kontrolle der Sicherheitsarbeit in dem Kernkraftwerk angekündigt.

Ein unabhängiger und international anerkannter Experte soll als Berater dem Unternehmen beistehen. Die gesamte Sicherheit soll gründlich überprüft werden. Der stellvertretende Konzernchef von Vattenfall, Hans von Uthman, wird neuer Chef von Forsmark. Ihm zur Seite stehen zwei weitere Direktoren, darunter der frühere Forsmark-Chef Göran Lundgren. Die Sicherheitsfunktionen in der Führung von Forsmark sollen sofort verstärkt werden und im Vorstand von Vattenfall ein besonderer Sicherheitsausschuss gebildet werden.

„Verfall der Sicherheitskultur“

Im Kernkraftwerk Forsmark waren im vergangenen Juli nach einer elektrischen Panne auch mehr als 20 Minuten lang die Notstromaggregate ausgefallen, so dass die Reaktoren nicht länger gekühlt werden konnten. Dies hätte nach Ansicht mehrerer Sicherheitsexperten zu einer Kernschmelze führen können.

Erst vor zwei Wochen waren interne Untersuchungsberichte bekannt geworden über die hohe Zahl von Unfällen, laxes Einhalten von Sicherheitsbestimmung sowie Trunkenheit und Drogenmissbrauch bei Mitarbeitern. Die Mitarbeiter hatten von einem „Verfall der Sicherheitskultur“ gesprochen, der durch wirtschaftliche Zwänge bedingt sei. Irgendwann müsse dies zu einer Katastrophe führen.

Zugleich hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen der Verzögerung einer Reaktorabschaltung gegen die Kraftwerksleitung eingeleitet. Am vergangenen Samstag mussten dann abermals zwei Forsmark-Reaktoren wegen Mängeln bei Gummiabdichtungen abgeschaltet werden, so dass zur Zeit vier von insgesamt zehn schwedischen Reaktoren außer Betrieb sind.

Kein Vertrauen nach Dichtungspanne

Der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall, Lars Josefsson, nannte den Informationsfluss zur Dichtungspanne in den vergangenen Tagen „völlig unakzeptabel“. Nach einem Treffen des Konzern-Vorstands trat Forsmark-Chef Lars Fagerberg zurück, weil er nicht mehr das Vertrauen der Vattenfall-Führung habe.

Während mehrere schwedische Abgeordnete des Reichstages weiter eine Sicherheitsüberprüfung sämtlicher schwedischer Nuklearanlagen durch die internationale Atomagentur IAEA forderten, zeigte sich am Freitagmorgen die Wirtschaftsministerin Maud Olofsson mit der Intervention der Vattenfall-Führung zufrieden.

Vattenfall will alle Kraftwerke überprüfen

Die Ministerin, die zuvor mit der Vattenfall-Führung zusammengetroffen war, sprach von „kraftvollen Maßnahmen“ zur Verbesserung der Sicherheit. Nun bleibe abzuwarten, ob dies ausreiche. Es habe Mängel im Sicherheitsdenken gegeben, Kernkraftwerke erforderten jedoch ein extremes Maß an Sicherheit.

Vattenfall habe zugesagt, dass man entsprechende Maßnahmen auch bei den anderen Kernkraftwerken einleite. Die Ministerin erinnerte daran, dass Schweden zu 50 Prozent von Kernenergie abhängig sei.

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