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Carlos Alvarado Quesada : Neuer Präsident in Costa Rica ruft zur Versöhnung auf

Der bisherige Minister der Mitte-Links-Regierung, Carlos Alvarado Quesada, ist neuer Präsident Costa Ricas. Die Stichwahl fiel klarer aus als erwartet. Bild: AFP

In der Stichwahl setzt sich der Sozialdemokrat Carlos Alvarado Quesada gegen den Konservativen Fabricio Alvarado Muñoz durch. Die Stimmung während des Präsidentschaftswahlkampfes in Costa Rica war aufgeheizt.

          Die Stichwahl in Costa Rica ist klarer ausgefallen als erwartet. Lange lagen der bisherige Minister der Mitte-Links-Regierung, Carlos Alvarado Quesada, und der evangelikale Abgeordnete Fabricio Alvarado Muñoz in den Umfragen nahezu gleichauf. Am Sonntag entschieden sich schließlich rund 60 Prozent für den sozialdemokratischen Kandidaten. Das offizielle Endergebnis wird voraussichtlich am Dienstag bekanntgegeben.

          Die Stimmung während des Wahlkampfes war aufgeheizt. Das lag insbesondere an dem konservativen Kandidaten Alvarado Muñoz. Er ist Prediger und Sänger einer evangelikalen Freikirche. Den ersten Wahlgang hatte er überraschend gewonnen. Mit seiner bisher unbedeutenden Partei der „Nationalen Wiederherstellung“ hatte er Parlament 14 von 57 Sitzen errungen. Alvarado Muñoz baute seine Kampagne um die in der evangelikalen Kirche gepredigten christlichen Werte auf, die die traditionelle Familie ins Zentrum stellen. Es ging vor allem um ein Thema: die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe.

          Diese Themensetzung kam nicht von ungefähr, denn die Rechte für Homosexuelle hatten sich kurz vor dem ersten Wahlgang zum dominierenden Wahlkampfthema entwickelt in Costa Rica. Auslöser war ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Er hatte Januar entschieden, dass homosexuellen Paaren dieselben Rechte wie heterosexuellen zustehen. Das Urteil war eine Antwort auf eine Rechtsanfrage der Regierung von Costa Rica. Alvarado Muñoz versprach, im Falle eines Wahlsiegs das Urteil nicht umzusetzen.

          Für seine Gegner gilt Alvarado Muñoz als Schwulenhasser. Doch die vierzig Prozent, die am Sonntag für den evangelikalen Politiker gestimmt haben, zeigen, dass seine konservative Position in vielen gesellschaftlichen Fragen nicht die eines Außenseiters ist. Costa Rica ist ein konservatives Lnad. Die Stimmen für Alvarado Muñoz stammen nicht nur von den Anhängern der evangelikalen Freikirchen, denen mehr als zwanzig Prozent der Bevölkerung angehören, sondern auch von konservativen Katholiken.

          Unterstützer des siegreichen Präsidentschaftskandidaten Carlos Alvarado Quesada mit einer Regenbogenfahne, dem Zeichen LGBTQ-Bewegung. Die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe stellte ein wichtiges Thema von Quesadas Gegner Alvarado Muñoz dar.

          Religiöse Werte spielen in vielen Ländern Lateinamerikas eine immer wichtigere Rolle in der Politik. Dazu haben die evangelikalen Freikirchen wesentlich beigetragen, die sich großen Zulaufs erfreuen, gerade auch in den ärmeren Bevölkerungsschichten. Ihr Einfluss beschränkt sich längst nicht mehr nur auf ihre Anhänger. Die Evangelikalen streben nach politischer Macht, wobei ihnen allerdings weiterhin die parteilichen Strukturen und die Geschlossenheit fehlen. Dennoch gelingt es ihnen, sich für Politiker oder bestimmte Anliegen zu mobilisieren. Politiker aus traditionellen Parteien machen sich das zu Nutzen und gehen häufiger gezielt auf Stimmenfang in der wachsenden Wählerschicht der Evangelikalen. Sie nehmen dabei die in den Freikirchen gepredigten Werte in ihre Agenda auf. Wertvorstellungen, die von traditionellen Familienbild abweichen, haben deshalb einen schweren Stand in Lateinamerika. Themen wie die Rechte für Homosexuelle oder beispielsweise auch die Liberalisierung der Abtreibung werden äußerst kontrovers diskutiert.

          Möglicherweise war es sogar von Vorteil für Carlos Alvarado Quesada, gegen einen Kandidaten anzutreten, der derart polarisiert. Ein gemäßigter konservativer Kandidat mit größerer politischer Erfahrung hätte dem 38 Jahre alten früheren Arbeitsminister der sozialdemokratischen „Bürgeraktionspartei“ (PAC) wohl gefährlicher werden können. Denn die Regierung von Luis Guillermo Solís, der nun abtritt, war nicht nur von einem Korruptionsskandal gezeichnet. Sie kämpfte auch mit einem wachsenden Haushaltsdefizit von derzeit 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sparmaßnahmen im Bereich der Sicherheit und der Sozialausgaben haben der Regierung das Ansehen gekostet. Die Armut und die Kriminalität in Costa Rica haben zugenommen, wenngleich das Land im regionalen Vergleich immer noch sehr gut dasteht.

          Alvarado Quesada hat eine Steuerreform in Aussicht gestellt, um den Haushalt des Landes zu sanieren. Doch das neue Parlament, mit dem er es als Präsident zu tun bekommen wird, ist sehr fragmentiert, und seine PAC stellt nur die drittstärkste Fraktion. Carlos Alvarado Quesada rief zur Versöhnung und zum Zusammenhalt auf. Es gebe viel mehr, das sie vereine als teile, sagte er. Der unterlegene Alvarado Muñoz bot derweil seine Zusammenarbeit in den wichtigen Fragen an.

           

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