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Neue Studie : Deutsche denken immer schlechter über Amerika 

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Harmonie auf höchster Ebene, aber bei den Deutschen insgesamt ist das Vertrauen in Amerika getrübt: Kanzlerin Merkel mit Präsident Obama beim G-7-Gipfel auf Schloss Elmau Bild: AP

Das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Welt ist relativ hoch. Nicht so in Deutschland. Eine neue Studie zeigt: Nur in einem anderen Nato-Staat hält die Bevölkerung noch weniger von Amerika.

          In der Welt ist das Ansehen der Vereinigten Staaten vergleichsweise gut, in Deutschland ist es weitaus schlechter: Nur fünfzig Prozent der Deutschen haben ein gutes Bild von Amerika, immerhin 45 Prozent haben ein schlechtes. Das geht aus einer neuen Umfrage des renommierten Pew Research Centers in Washington hervor. Demnach fällt das Urteil über die Vereinigten Staaten unter deren Verbündeten nur in der Türkei noch schlechter aus als in Deutschland, wo sich das Amerika-Bild zu Beginn der Amtszeit Präsident Barack Obamas im Jahr 2009 spürbar aufgehellt hatte, sich seit 2011 aber wieder eingetrübt hat. Die Zahlen bestätigen den allgemeinen Eindruck eines wachsenden Antimerikanismus und bilden auch den Stimmmungshintergrund für die Ablehnung des geplanten europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommens TTIP.

          Mit Ausnahme der arabisch-muslimischen Welt und Russlands, wo es in Folge der Ukraine-Krise zusammengebrochen ist, genießen die Vereinigten Staaten weltweit hohes Ansehen. Es ist besonders hoch in Afrika; überraschend günstig fällt das Urteil auch in Asien und Lateinamerika aus, in Indien (70 Prozent günstig), in Vietnam (78), in Brasilien (73) und in Mexiko (66) zum Beispiel.

          Kritisch beurteilen vor allem die Europäer die Praktiken der amerikanischen Regierung hinsichtlich der Einhaltung der Bürgerrechte: Nur 43 Prozent der Deutschen sind der Meinung, die amerikanische Regierung schütze die Bürgerrechte. Etwas höher sind die Werte für Spanien (50), Frankreich (52) und das Vereinigte Königreich (57), deutlich höher ist das Vertrauen in Italien (71). Offenkundig haben die NSA-Ausspäkaktivitäten sich in Deutschland besonders negativ niedergeschlagen. Hier wie in Frankreich und im Vereinigten Königreich glauben heute übrigens weniger Menschen, die amerikanische Regierung respektiere die Bürgerrechte, als 2008 zum Ende der Regierung George W. Bushs, die in Europa besonders unbeliebt war.

          Die Einstellung zur Folter unterscheidet Amerikaner von Nichtamerikanern. Noch immer unter dem Eindruck von „9/11“ stehend, halten 58 Prozent der Amerikaner den Einsatz von Folter zur Abwehr terroristischer Gefahren für gerechtfertigt, während es weltweit vierzig Prozent sind. Deutschland gehört zu den Ländern, wo die Ablehnung von Folter mit 68 Prozent besonders hoch ist.

          Gleichzeitig sind wieder mehr Europäer von der wirtschaftlichen Stärke der Vereinigen Staaten beeindruckt. Während auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise China eindeutig als die global führende Wirtschaftsnation gesehen wurde, schwenkt seit 2012 das Pendel wieder in die andere Richtung: In der jüngsten Umfrage halten 41 Prozent der Befragten in fünf europäischen Ländern – Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen und Spanien – China für die führende Wirtschaftsmacht der Welt und nur 39 Prozent die Vereinigten Staaten.

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