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Neue Anschuldigungen „Berlusconi zahlte für Damenbesuche“

 ·  Nach Spekulationen über die Begegnungen Silvio Berlusconis mit einer Achtzehnjährigen gibt es neue Anschuldigungen gegen den italienischen Ministerpräsidenten. Das Regierungslager spricht von einem Komplott.

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Nach der Veröffentlichung anzüglicher Fotos, die Geschehnisse in Silvio Berlusconis Villa auf Sardinien zeigen, und den Mutmaßungen über das Näheverhältnis des italienischen Ministerpräsidenten zu einer jungen Neapolitanerin wird nun spekuliert, dass Berlusconi mehrere Frauen für Besuche bei ihm bezahlt haben soll. Anders als die Geschichten über Berlusconis Begegnungen mit der 18 Jahre alten Noemi Letizia entstammen diese Berichte nicht dem Umfeld seiner politischen Gegner; dieses Mal war die bürgerliche Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ dabei führend.

Die 42 Jahre alte Patrizia D'Addario hatte in einem Zeitungsgespräch gesagt, sie sei von einem Unternehmer aus ihrer Heimatstadt Bari zu Festen in Berlusconis Privatwohnung in Romi gebracht worden. Man habe ihr Flug, Unterkunft und Chauffeurdienste geboten, zudem eine Bezahlung von 2000 Euro. Bei einem zweiten Besuch habe sie auch in Berlusconis Wohnung übernachtet. Während der Abende, bei denen die Süditalienerin Aufnahmen mit dem Mobiltelefon gemacht haben will, seien immer mehrere junge Italienerinnen dabei gewesen. Die Staatsanwaltschaft in Bari ermittelt nun gegen den Unternehmer wegen Förderung der Prostitution. Dessen Telefone wurden ohnehin abgehört, weil er Medienberichten zufolge unter Verdacht steht, für Aufträge des staatlichen Gesundheitswesens Bestechungsgelder bezahlt zu haben.

Listenplätze für eine politische Karriere

Frau D'Addario ist nach übereinstimmenden Zeitungsberichten in Bari bekannt dafür, dass sie Dienste als Begleiterin anbietet. Sie soll als Prostituierte gearbeitet und für erotische Kalender posiert haben. Sie gab allerdings an, dass sie Berlusconi bei ihrem ersten Zusammentreffen von unternehmerischen Plänen berichtet habe, die sie mit dem Bau eines Appartementhauses auf einem Acker ihrer Familie verwirklichen wollte. Dem Zeitungsgespräch der Italienerin ist zu entnehmen, dass die öffentliche Beschuldigung eine Rache dafür ist, dass Berlusconi sich nicht, wie angeblich versprochen, um ihr Projekt gekümmert habe und ihr keine Baugenehmigung verschafft habe. Vorgeblich als Ersatzlösung, womöglich aber auch über familiäre Kontakte soll der Italienerin allerdings ein Listenplatz für die Stadtratswahlen von Bari angeboten worden sein, auf einer bürgerlichen Liste zur Unterstützung des Kandidaten von Berlusconis Partei.

Für Berlusconis Gegner zeigt die Serie von Affären, wie unzuverlässig der Ministerpräsident sei und wie schamlos er seine Stellung als reicher Unternehmer und seine politische Macht nutze. In Italien fallen alle Spekulation in diese Richtung auf fruchtbaren Boden. Denn zum einen ist Berlusconis Vorliebe für Umgang mit Frauen bekannt. Zum anderen gibt es in Italien zahlreiche als attraktiv beschriebene Frauen, die ihre Karriere als sogenannte Nummerngirls in einer Fernsehsendung begonnen haben, nun als Fotomodell arbeiten und Lebensgefährtinnen von Fußballspielern oder reichen Unternehmern geworden sind, was als Aufstieg gewertet wird.

So hatte Mara Carfagna, die Ministerin für Jugend und Familie, einen ähnlichen Weg beschritten, ehe sie als Berlusconis Entdeckung in die Politik gelangte. Silvio Berlusconi wird als die Person angesehen, die zum einen, als Ministerpräsident, Listenplätze für eine politische Karriere, zum anderen, als Unternehmer, die gewünschten Fernsehauftritte vergeben kann.

Ein Regierungschef müsse das ganze Land ansprechen

Für die Opposition kommentierte der frühere Minister Paolo Gentiloni, Berlusconi müsse die Fragen der Medien beantworten, er müsse die Wahrheit sagen und dürfe sich nicht weiter mit allem möglichen befassen, das nichts mit dem Wohl Italiens zu tun habe. Aus dem Lager der Opposition heißt es, ein Ministerpräsident dürfe nicht erpressbar sein. Dagegen beschuldigt das Regierungslager die Oppositionsparteien, Berlusconi mit einem Komplott von Gerüchten und angedichteten Affären stürzen zu wollen; all die zwielichtigen Geschichten um das Privatleben des Ministerpräsidenten - auch die nun aufgekommene - seien Teil einer Strategie zum Sturz von Berlusconi. Diese wird in eine Reihe gestellt mit früheren Versuchen von meist links orientierten Staatsanwälten, Berlusconi mit Ermittlungen aus dem Amt zu jagen. Aus dieser Richtung wird erwidert, dass der Ministerpräsident viele Italiener treffe, auch zahlreiche Fanclubs besitze und diese Kontakte missbraucht werden könnten.

Am vergangenen Samstag hatte Berlusconi bei einem Unternehmerkongress beklagt, es gebe Umsturzbestrebungen, mit denen der gewählte Ministerpräsident durch eine nicht vom Volk gewählte Person ersetzt werden solle. Der frühere kommunistische Ministerpräsident und führende Oppositionspolitiker Massimo D'Alema sagte dagegen am Sonntag, die Opposition müsse bereit sein, weil weitere Turbulenzen zu erwarten seien. Das Regierungslager unterstellt D'Alema, der gute Verbindungen ausgerechnet in die Region um Bari hat, nun, er habe von den neuen Anschuldigungen gewusst.

Der Intellektuelle aus dem rechten politischen Spektrum Giuliano Ferrara, dessen Zeitung „Il Foglio“ pikanterweise von Berlusconis Frau mitfinanziert wird, sagte, Berlusconi bekomme nun die Quittung dafür, dass er sich mit vielen Höflingen ohne politisches Fingerspitzengefühl umgebe. Ein Ministerpräsident lasse sich „nicht durch geschwätzige Kommentare vertreten und navigiert nicht für Wochen zwischen Halbwahrheiten und Lügen, die Zweifel an seinem Verhalten nähren“. Ein Regierungschef müsse vielmehr das ganze Land ansprechen und sich mit den großen Fragen beschäftigen, auf die es ankomme.

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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