03.09.2006 · Die neue Nato-Offensive gegen radikal-islamische Rebellen in der Unruheprovinz Kandahar hat mehr als 200 Menschen das Leben gekostet, darunter vier Soldaten der Schutztruppe Isaf. Tausende Zivilisten sind auf der Flucht.
Bei den schwersten Kämpfen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 sind in Südafghanistan nach Nato-Angaben mehr als 200 radikal-islamische Rebellen getötet worden. Die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf teilte am Sonntag abend mit, auch vier Isaf-Soldaten seien bei der „Operation Medusa“ seit Samstag ums Leben gekommen. Sieben Isaf-Soldaten seien verwundet worden. Ein Sprecher sagte, die Nato-geführte Isaf habe schwere Artillerie eingesetzt und Luftangriffe geflogen. Die Operation dauert an.
Mit der Operation „Medusa“ will die Isaf Rebellen aus Panjwayi vertreiben. Zu den Kämpfen kam es in Panjwayi und im Nachbardistrikt Zharai. In Panjwayi finden seit Mai immer wieder heftige Gefechte statt, nachdem dort Hunderte Taliban-Kämpfer einsickerten. Tausende Zivilisten sind vor den Gefechten geflohen.
Isaf: Absturz war Unfall
Beim Absturz eines Aufklärungsflugzeugs im Kampfgebiet wurden am Samstag 14 britische Soldaten getötet. Es ist der schwerste Verlust, den die britische Armee an einem einzelnen Tag seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes Ende 2001 erlitten hat.
Die Isaf und die britische Regierung betonten am Sonntag, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Sie wiesen Angaben der Taliban zurück, wonach die Rebellen das Flugzeug am Samstag abgeschossen hätten. Vor dem Absturz waren 22 britische Soldaten beim Einsatz in Afghanistan getötet worden, sieben davon seit Beginn der Isaf-Operationen in Südafghanistan Ende Juli.
Opium-Produktion auf Rekordhoch
Unterdessen wurde bekannt, daß Afghanistan in diesem Jahr so viel Rohopium wie nie zuvor produziert hat und inzwischen für fast die gesamte weltweite Produktion des Grundstoffes für Heroin verantwortlich ist. Die Anbaufläche von Schlafmohn habe im Vergleich zum vergangenen Jahr um 59 Prozent auf 165.000 Hektar zugenommen, teilte das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) am Samstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit. Daraus würden „erschütternde“ 6.100 Tonnen Rohopium gewonnen - 92 Prozent der weltweiten Produktion. „Das sind sehr alarmierende Zahlen“, sagte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa.
Verantwortlich für die Zunahme ist besonders der wachsende Mohnanbau in Südafghanistan, wo ein radikal-islamischer Aufstand tobt. Allein in Helmand, wo Taliban-Kämpfer ihre Angriffe verstärkt haben, habe der Anbau um 162 Prozent auf knapp 70.000 Hektar zugenommen, sagte Costa. Nur noch in sechs der 34 afghanischen Provinzen werde kein Opium produziert. An der „Opiumfront“ herrsche in manchen Provinzen der Ausnahmezustand. Mit den afghanischen Drogengeldern würden Aufständische und internationale Drogenkartelle finanziert. Die Drogen aus Afghanistan seien außerdem für jährlich 100.000 Todesfälle durch Überdosierung verantwortlich.
Fünf Jahre nach Beginn des Kampfes gegen den Terrorismus warf die afghanische Regierung der Internationalen Gemeinschaft Versäumnisse vor. Sie habe sich „viel zu sehr auf die militärische Komponente des Anti-Terror-Kampfes konzentriert“, sagte Außenminister Rangin Dadfar Spanta in Kabul. „Der Anti-Terror-Kampf ist nicht allein eine militärische, sondern gleichzeitig eine entwicklungspolitische, eine soziale Aufgabe.“
Die afghanische Regierung hat recht!
Servet Kizilkaya (Sergen)
- 03.09.2006, 22:05 Uhr