02.05.2009 · Ein portugiesisches Kriegsschiff hat vor Somalia einen Piraten-Angriff auf einen norwegischen Öltanker verhindert. Deutsche Medien berichten zudem, das Innenministerium habe einen Einsatz der GSG 9 zur Befreiung der „Hansa Stavanger“ abgebrochen.
Ein portugiesisches Kriegsschiff hat im Rahmen der Nato-Operation vor Somalia offenbar einen Angriff von Piraten auf einen norwegischen Öltanker verhindern können. Nach der Verfolgung eines Seeräuber-Schiffes wurden 19 Piraten in Gewahrsam genommen und später wieder freigelassen, sagte der Nato-Kapitänleutnant Alexandre Fernandes am Samstag. Auf dem Piraten-Schiff sei neben Gewehren erstmals auch Sprengstoff gefunden worden. Er gehe aber nicht davon aus, dass man nun auf einer neuen Stufe der Gewalt stehe, sagte Fernandes.
Der Öltanker „MV Kition“ hatte am Freitag nach Nato-Angaben im Golf von Aden per Funkt um Hilfe gebeten, nachdem sich ihm ein Boot genähert hatte. Die Männer an Bord dieses Bootes hätten Gewehre und Panzerfäuste in die Luft gehalten, woraufhin sich die Norweger bedroht gefühlt hätten. Die Nato-Begleitfregatte „Corte-Real“ habe den Funkspruch aufgefangen, sei aber 20 Seemeilen (knapp 40 Kilometer) entfernt gewesen. Daher sei zunächst ein Hubschrauber von Bord der „Corte-Real“ gestartet. Als die Piraten den Helikopter sahen, hätten sie beigedreht und seien zu ihrem Mutterschiff zurückgekehrt. Die Fregatte habe das Mutterschiff dann verfolgt, hieß es. Später hätten Spezialkräfte an Bord des Piratenschiffs gehen können. Schüsse seien nicht gefallen, und niemand sei verletzt worden.
Britisches Schiff vor Seychellen gekapert
An Bord des Piratenschiffs seien vier Sturmgewehre, ein Granatwerfer mit neun Granaten und 800 Gramm Sprengstoff gefunden worden. Mit dieser Menge hätte ein Schiff versenkt werden können, sagte Kapitänleutnant Fernandes. Die 19 Piraten hätten sich ergeben und seien zunächst festgesetzt worden. Nach Rücksprache mit den portugiesischen Behörden seien sie aber wieder freigelassen worden. Jedes vor Somalia eingesetzte Nato-Schiff muss beim Umgang mit den Piraten nach den Vorgaben aus seinem Heimatland handeln.
Derweil haben somalische Piraten am Samstag etwa 250 Seemeilen südwestlich der Seychellen einen britischen Frachter gekapert. Das berichtete der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf das Internationale Seefahrtszentrum. Die Mannschaft des mit Lebensmitteln beladenen Schiffes ist nach vorliegenden Informationen unversehrt.
Medien: Schäuble stoppte GSG-9-Einsatz
Unterdessen berichten deutsche Medien, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe eine geplante Befreiung des vor Somalia gekaperten deutschen Schiffes „Hansa Stavanger“ durch die Eliteeinheit GSG 9 gestoppt. Wegen zu hoher Risiken sei die Aktion zur Befreiung der 24 Besatzungsmitglieder - drunter fünf Deutsche - aus der Hand von Piraten abgesagt worden, berichteten die Magazine „Der Spiegel“ und „Focus“ am Samstag. Weder das Bundesinnenministerium noch das Auswärtigen Amt wollten zu den Berichten Stellung nehmen.
Nach Angaben des „Spiegel“ waren bereits mehr als 200 Mann einer GSG-9-Einheit vom amerikanischen Hubschrauberträger „USS Boxer“ in die Nähe der „Hansa Stavanger“ gebracht worden. Sie wurden aber am vergangenen Mittwoch zurückbeordert. In Berlin sei die Entscheidung zum Stopp der Aktion nach einer Sitzung des Krisenstabs gefallen, weil der Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten, James Jones, die notwendige Zustimmung für den Einsatz verweigert hatte. Für die Rettungsaktion hatte der Krisenstab die amerikanische Regierung um logistische Hilfe gebeten, berichtete das Magazin.
Das maritime Kommando der GSG 9 solle nun Anfang kommender Woche nach Deutschland zurückkehren, berichtete der „Focus“. Die Mannschaft, die von Kampfschwimmern unterstützt worden sei, habe vergeblich auf einen günstigen Moment für einen Überraschungsangriff gewartet. Das Risiko sei auch deswegen zu hoch gewesen, weil die Piraten die Zahl ihrer Wachen an Bord verdoppelt hätten.
Vor drei Wochen hatte die GSG 9 laut Medienberichten eine erste Befreiungsaktion versucht. Sie verlief aber erfolglos, weil die Seeräuber das Containerschiff zu schnell in ihren Schlupfwinkel in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste brachten. Das Containerschiff mit insgesamt 24 Besatzungsmitgliedern war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste gekapert worden. Es fährt für die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg. Das Schiff wurde 1997 gebaut, ist 170 Meter lang und kann 1550 Standardcontainer laden.
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