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Namensstreit Aung San Suu Kyi nennt ihr Land weiter „Burma“

 ·  Auch in Asien ist Sprache politisch. Das gilt insbesondere für geographische Namen. In Burma spielt die Namensfrage jetzt auch in der Debatte über Reformen eine Rolle.

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Auch in Asien ist Sprache politisch. Das gilt insbesondere für geographische Namen. Was für den einen die Republik China ist, ist für den anderen Taiwan oder „Chinese Taipei“. Der eine nennt das Seegebiet vor seiner Tür das Südchinesische Meer, der andere nennt es lieber das „Westphilippinische Meer“. So ähnlich verhält es sich auch mit den Namen Burma, Birma oder Myanmar. Sie bezeichnen eigentlich dasselbe: ein Land, das am Golf von Bengalen neben Indien, China, Thailand, Laos und Bangladesch liegt.

Die jeweilige Auswahl des Begriffes sagt deshalb mehr über denjenigen aus, der sie trifft, als über das Gemeinte an sich. Die Entscheidung für einen der Begriffe kann dabei politisch sein, aber auch aus Gewohnheit oder Nostalgie geschehen. Im besten Fall ist sie das Ergebnis einer Diskussion, weshalb es eine einzige „richtige“ Bezeichnung eigentlich auch nicht geben kann.

Opposition: Umbenennung war illegitim

Nun hat die Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi am Dienstag eine Rüge der Regierung zurückgewiesen, die ihr vorwarf, auf ihrer ausgedehnten Europareise ihr Heimatland stets als Burma bezeichnet und nicht den offiziellen Namen „Myanmar“ gebraucht zu haben. Denn die damalige Militärregierung im Jahr 1989 hatte den Landesnamen in seiner englischen Übersetzung offiziell von „Union of Burma“ in „Union of Myanmar“ geändert. Damit sollte die Kolonialvergangenheit abgeschüttelt und ein „ursprünglicherer“ Begriff eingeführt werden, der im Vielvölkerstaat Burma alle ethnischen Gruppen einschließen sollte.

Jedoch sprachen Oppositionelle wie Aung San Suu Kyi der aus ihrer Sicht illegitimen Militärregierung das Recht ab, eine solche Entscheidung überhaupt zu treffen, ohne das Volk dazu zu befragen. Sie warfen der Junta außerdem vor, sich von dem Blutvergießen an den Demonstranten von 1988 reinwaschen zu wollen.

UN übernahmen Namensänderung

Dabei richtete sich ihre Kritik weniger gegen die Bezeichnung „Myanmar“ selbst, sondern vielmehr gegen den Vorgang der Umbenennung. Die Opposition blieb deshalb im Englischen bei Burma. Verschiedene Regierungen und Publikationen, darunter auch diese Zeitung, schlossen sich dem an. Dazu gehören neben der Regierung der Vereinigten Staaten auch Großbritannien und Australien, die bis heute den Namen Burma benutzen.

Die Nachrichtenagenturen in Deutschland einigten sich dagegen auf die eingedeutschte Version „Birma“. Bei der Presse dürfte dabei auch die Gewöhnung der Leser an diese Namen eine Rolle gespielt haben. Die Europäische Union benutzt dagegen die Kompromisslösungen „Burma/Myanmar“ und „Myanmar (Burma)“. Die Bundesregierung ist ebenso wie die Vereinten Nationen und andere Länder vollständig auf „Myanmar“ umgeschwenkt.

Gebrauch nach Bedarf

Die Namensfrage ist mit den ersten demokratischen Reformen in Burma nun jedoch wieder aktuell geworden. Die Militärregierung hat ihre Uniformen an den Nagel gehängt und zum ersten Mal freie Wahlen zugelassen (wenn auch bisher nur bei Nachwahlen). Wie am Dienstag verkündet wurde, sollen weitere 46 Gefangene freigelassen werden, darunter wohl auch einige politische Häftlinge. Wenn die Legitimität der Regierung in der Hauptstadt Naypidaw in den Augen der Außenwelt durch diese Entwicklung weiter steigt, könnten mehr Organisationen die offizielle Länderbezeichnung „Myanmar“ übernehmen.

Dabei dürfte aber eine wichtige Rolle spielen, ob auch Aung San Suu Kyi und andere Oppositionelle das tun. Die Politiker bemühen sich bei ihren Besuchen in Burma jedenfalls jetzt schon, es in der Namensfrage nicht zu Verstimmungen kommen zu lassen. So vermied Außenminister Westerwelle gegenüber Aung San Suu Kyi den Begriff „Myanmar“. Die Amerikaner verzichten dafür im Gespräch mit burmesischen Offiziellen weitgehend auf die von ihnen sonst nach wie vor benutzte Bezeichnung Burma.

„Burmesisch“ oder „myanmarisch“?

Beliebt sind bei offiziellen Terminen deshalb Ausweichformeln wie „ihr Land“, „dieses Land“ und „das Land, das sie Burma/Myanmar nennen“. Nach rein sprachlichen Gesichtspunkten dürfte es jedenfalls keinen großen Unterschied machen. Im Burmesischen ist die Bezeichnung „Myanma“ vor allem in der Schriftsprache etwa in der Formulierung „Myanma Naingngan“ („Das Land Myanmar“) geläufig. Aus „Myanma“ wird durch lautliche Veränderungen in der Aussprache das umgangssprachliche „Bama“, mit dem mittlerweile vor allem die größte ethnische Gruppe des Landes bezeichnet wird.

Beide Begriffe werden aber durchaus auch gleichbedeutend benutzt. Die Engländer machten daraus „Burma“, die Deutschen und andere „Birma“. Umstritten ist selbst unter Burmesen und Fachleuten, welcher Begriff stärker die ethnischen Minderheiten des Landes einbezieht. Da sich „Bamar“ schon für eine Gruppe durchgesetzt hat, sehen manche „Myanmar“ als stärker integrierenden Namen an. Auch aus diesem Grund könnte er sich weiter verbreiten. Die entsprechende Einwohnerbezeichnung ist laut Duden im Deutschen „Myanmare“, das Adjektiv „myanmarisch“.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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