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Nahostkonflikt Irans fünfte Kolonne in Afrika

21.04.2009 ·  Die Spannungen nehmen zu: Trotz der Gesprächangebote Präsident Barack Obamas an Mahmud Ahmadineschad gehen Amerikas Verbündete in der arabischen Welt auf Distanz zu Iran. In Marokko ebenso wie in Ägypten.

Von Markus Bickel
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Zurückgekehrt in seine Residenz in Rabat ist Wahid Ahmadi noch immer nicht. Anfang März war Irans Botschafter in Marokko mit einer iranischen Sondermaschine nach Teheran geflogen - als Reaktion auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die marokkanische Regierung.

Offizielle Begründung für diesen weit reichenden Schritt: das Erheben iranischer Gebietsansprüche auf Bahrein sowie schiitische Missionstätigkeit. Iran, so das Außenministerium in Rabat, habe versucht, durch Bekehrungsversuche der Bevölkerung die religiöse Einheit des vom sunnitischen Königshaus unter Mohammed VI. geführten Landes zu unterminieren. Laut Verfassung ist der malikitische König als „Führer der Gläubigen“ (Amir al-Muminin) „unverletzlich und heilig“. Zentrale Operationsbasis für die Missionstätigkeit soll die iranische Botschaft in Rabat gewesen sein.

Gespanntes Verhältnis seit 1979

Sieben Wochen später liegt das Verhältnis zwischen den beiden Staaten an den Rändern der islamischen Welt noch immer auf Eis. Im Unterschied zu Bahrein, das nur kurz nach dem Erheben territorialer Besitzansprüche durch Iran Anfang März sein Verhältnis zur neben Saudi-Arabien wichtigsten Mittelmacht der Region wieder klärte, ist eine Rückkehr zur Normalität im mehr als 5000 Kilometer westlich von Teheran gelegenen Rabat offenbar nicht gewünscht. Dutzende mutmaßliche schiitische Missionare wurden allein im März verhaftet, Bibliotheken, Stiftungen und öffentliche Einrichtungen nach inkriminierenden Schriften durchsucht.

Nach der islamischen Revolution 1979 in Iran hatte Rabat schon einmal die Verbindungen gekappt: König Hassan II. persönlich holte den entmachteten Schah Mohammed Reza Pahlewi am Flughafen ab. Kurze Zeit später erließ der marokkanische Rat der Ulemas eine Fatwa, die Irans neuen Führer Ajatollah Ruhollah Chomeini als „Apostaten“ und „gottlos“ bezeichnete.

Die ideologischen Unterschiede zwischen den beiden Regimen waren einfach zu groß: Wie der Schah hatte Hassan II. stets gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unterhalten, auch Marokkos Verhältnis zu Israel gestaltete er ähnlich Irans abgesetzter Führung unverkrampfter als die meisten anderen arabischen Staaten. Während des ersten Golf-Krieges dann unterstützte er Saddam Husseins Irak gegen Iran - Chomeini rächte sich, indem er für die Polisario in der von Marokko besetzten Westsahara Partei ergriff, Rabats Gegner.

Viele Schiiten in Westafrika

Von daher ist auch der aktuelle Konflikt nur vordergründig ein konfessioneller. Schon kurz nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 1991 hatten marokkanische Geheimdienste Hinweise auf iranische Missionstätigkeit im Land und unter Exilmarokkanern in Europa erlangt. Diese seien ab 2000 massiv ausgeweitet worden, berichten marokkanische Medien - inspiriert vom Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon.

Denn das Ende der israelischen Besatzung wurde in Teheran dem erfolgreichen Guerrillakrieg der von Iran gegründeten Hizbullah zugeschrieben. Seitdem nahmen Schiiten zunehmend die Rolle einer „fünften Kolonne“ ein, um Irans Einfluss in der Region auszuweiten.

Stärker noch als in Marokko ist diese Strategie in westafrikanischen Staaten wie Sierra Leone, der Elfenbeinkünste, Senegal und Benin zu beobachten, die große schiitische Bevölkerungsgruppen beherbergen. In Sierra Leone, wo einer von Irans wichtigsten Verbündeten im Libanon, Parlamentspräsident Nabih Berri, geboren wurde, beherrschen schiitische Geschäftsleute zudem den profitablen Diamantenhandel - neben dem Rauschgiftschmuggel in der lateinamerikanischen Triple Frontier Region (TFR) im Dreiländereck zwischen Paraguay, Argentinien und Brasilien weltweit eine der wichtigsten Einnahmequellen für Irans Stellvertreterarmee an der Grenze zu Israel, die Hizbullah.

Spendengelder in Höhe von zwei Millionen Dollar

Als etwa im Dezember 2003 ein Flugzeug aus Benin auf dem Weg nach Beirut abstürzte, sollen für die Hizbullah bestimmte Spendengelder in Höhe von zwei Millionen Dollar verlorengegangen sein. Der Besuch des iranischen Außenministers Manucher Mottaki im an Marokko angrenzenden Mauretanien nur zwei Wochen nach dem Rückzug des iranischen Botschafters aus Rabat passt da ins Bild: Teherans Einfluss in Westafrika soll gewahrt bleiben.

Hinweise darauf, dass Marokkos Schritt nur der erste eines koordinierten gesamtarabischen Vorgehens sein könnte, um Irans Expansionsstreben einzudämmen, sieht Anthony Cordesman vom amerikanischen Center for International and Strategic Studies. „Arabische Staaten sind bereit, eine sehr viel härtere Haltung gegenüber Iran einzunehmen“, sagte er nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Anfang März.

Anfang April dann verschärfte auch Ägypten seine Rhetorik gegenüber Teheran - und gab bekannt, schon im November 2008 Dutzende Männer verhaftet zu haben, die angeblich im Auftrag der Hizbullah Anschläge geplant hätten. Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah bestätigte die Aktivitäten am Karfreitag, in ägyptischen Medien wurde er daraufhin als „iranischer Agent“ bezeichnet. Drahtzieher sollen zwei bei einem iranischen Fernsehsender in Kairo angestellte Iraner gewesen sein, schreibt die ägyptische Tageszeitung „Al Ahram“ unter Berufung auf Regierungskreise.

Arabischer Abwehrkampf gegen Iran

Eine Anschuldigung auf der Liste des Generalstaatsanwalts freilich wies Nasrallah als „haltlos“ zurück: Zu keinem Zeitpunkt hätten sich die Hizbullah-Aktivisten der „Verbreitung schiitischer Ideologie“ schuldig gemacht. Bei der Operation am Rande des Gazastreifens habe es sich lediglich um eine „logistische Mission“ zur Unterstützung des „palästinensischen Widerstandes“ gehandelt.

Dass Kairo den Vorwurf der Missionstätigkeit erhebt, überrascht jedoch nicht: Wie Marokko hatte das mehrheitlich sunnitische Land seine diplomatischen Beziehungen zu Iran nach der islamischen Revolution 1979 abgebrochen. Und was sein Verhältnis zu Israel anbelangt, ist es durch den im selben Jahr geschlossenen Friedensvertrag mit Jerusalem sogar noch weiter als Marokko.

Auch der amerikanische Thinktank Stratfor sieht Marokkos Vorgehen daher als Teil eines arabischen Abwehrkampfes gegen Iran: „Die Araber haben - unter Führung Saudi-Arabiens - eine diplomatische Offensive begonnen, um Irans Unverfrorenheit zu begegnen.“ Angesichts des guten Verhältnisses zwischen Riad und Rabat - im marokkanischen Atlantik-Ort Agadir unterhalten viele saudi-arabische Prinzen Ferienresidenzen - sei es wahrscheinlich, dass Saudi-Arabien Marokko zu diesem Schritt ermuntert habe.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Politik.

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