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Waffenruhe im Gaza-Konflikt : Hamas sieht sich als Sieger

Hamas-Führer Mahmud Zahar zeigt sich erstmals wieder in der Öffentlichkeit und spricht von einem Sieg Bild: REUTERS

Die Hamas brüstet sich, sie habe „den Mythos zerstört“, die israelische Armee sei unbesiegbar. In Israel ist dagegen von einer schweren Niederlage der palästinensischen Islamisten die Rede.

          Hamas und Islamischer Dschihad vertrauen der neuen Waffenruhe. Kaum war sie am Dienstagabend verkündet, verließen der frühere Außenminister Mahmud Zahar und der Dschihad-Führer Mohammed al Hindi ihre Bunker und nahmen in Gaza-Stadt an der nächtlichen Feier teil. „Wir werden unseren See- und unseren Flughafen bauen“, verkündete Zahar trotzig vor der jubelnden Menge, obwohl darüber erst in einem Monat verhandelt werden soll.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Hamas habe „den Mythos der unbesiegbaren (israelischen) Armee zerstört, den Luftraum der Zionisten geschlossen und sie gezwungen, sich zu verstecken“, brüstete sich ihr Sprecher Sami abu Zuhri. Stundenlang seien am Abend die Menschen auf den Straßen gewesen, berichtete am Mittwoch der Politikwissenschaftler Usama Antar aus Gaza-Stadt. „Sie feierten, dass es Israel nicht schaffte, seine Kriegsziele zu erreichen. Mindestens zwei Drittel der Palästinenser betrachten sich als Sieger“, schätzt Antar.

          In Ramallah (Wetsjordanland) feiern die Palästinenser die Waffenruhe als einen Sieg über Israel

          Nach 50 Tagen Krieg mit 2143 palästinensischen Toten sind die Einwohner des Gazastreifens aber vor allem erleichtert darüber, dass jetzt die Waffen für längere Zeit schweigen könnten. Mehr als ein halbes Dutzend Feuerpausen waren seit dem 8. Juli nach kurzer Zeit gescheitert.

          Skepsis in Israel

          In Israel riefen die Nachrichten über die Waffenruhe keine begeisterten Reaktionen hervor. Noch wenige Minuten, bevor sie verkündet worden war, kamen im Kibbuz Nirim zwei Israelis um; damit wurden im Krieg 64 Soldaten und sechs Zivilisten getötet. Am Mittwoch forderten die Behörden die Bewohner des Grenzgebiets auf, mit der Rückkehr in ihre Häuser noch ein oder zwei Tage zu warten - zu oft hatten sich in den vergangenen sieben Wochen die Feuerpausen als kurzlebig erwiesen.

          Der Bürgermeister der Hafenstadt Aschkelon Itamar Schimoni machte aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis: Israel habe den „Terroristen“ aus Gaza nachgegeben, der nächste bewaffnete Konflikt sei „nur eine Frage der Zeit“, sagte der Bürgermeister der Stadt im Rundfunk, die nur wenige Kilometer von Gaza entfernt liegt. Ähnlich äußerten sich auch andere israelische Politiker.

          „Ruhe um jeden Preis“?

          Israel habe den fatalen Eindruck erweckt, es habe „Ruhe um jeden Preis“ gewollt, kritisierte Tourismusminister Uzi Landau. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verzichtete am Dienstagabend auf eine Abstimmung im Sicherheitskabinett. Außenminister Avigdor Lieberman, Wirtschaftsminister Naftali Bennett, Sicherheitsminister Itzhak Aharonovitch und Kommunikationsminister Gilad Erdan, der Netanjahus Likud-Partei angehört, hatten mitgeteilt, dass sie gegen die von Ägypten vermittelte Waffenruhe stimmen würden. In anderen Ländern würde Regierungschef nach einem Krieg mit ähnlich dürftigen Erfolgen zurücktreten, kommentierte die Zeitung „Jediot Ahronot“ am Mittwoch. Amos Gilad, der Chef der politischen Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums, warnte jedoch davor, sich vom Jubel der Hamas beeindrucken zu lassen.

          Die palästinensischen Islamisten hätten eine schwere Niederlage erlitten und wüssten, wie geschwächt sie in Wirklichkeit seien, sagte Gilad, Verhandlungsdelegation in Kairo angehört. Das sei auch den Menschen in Gaza bewusst, die wüssten, welchen großen Kraftakt der Wiederaufbau bedeute.

          Streitfragen vertagt

          Große Erfolge können beide Seiten nicht von den indirekten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt zurückbringen. Letztlich gaben sie sich mit den Eckpunkten der Vereinbarung zufrieden, die im November 2012 den Gaza-Konflikt beendete – und dann nur gut eineinhalb Jahre für Ruhe sorgte. Israel wird mehr Hilfsgüter und Baumaterial über den Warenübergang in Kerem Schalom nach Gaza lassen. Zudem wird die Fischereizone von drei auf sechs Seemeilen ausgeweitet.

          Wann wieder mehr Palästinenser den ägyptischen Grenzübergang in Rafah überqueren dürfen und wann dort Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde die Kontrolle übernehmen, war am Mittwoch noch unklar.  Die schwierigsten Streitfragen vertagten die ägyptischen Vermittler um einen Monat.

          Dann soll in Kairo über die palästinensische Forderung nach einem See- und einem Flughafen entschieden werden. Das gilt auch für die Freilassung palästinensischer Gefangener im Austausch für die sterblichen Überreste zweier israelischer Soldaten. Von einer vollständigen Aufhebung der Blockade, wie sie die Palästinenser verlangen, und der von Israel geforderten Entwaffnung der Hamas war schon am Mittwoch keine Rede mehr.

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