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Türkisch-syrischer Konflikt Wo kein Frieden ist

 ·  In Europa gehört Krieg der Vergangenheit an. Der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien zeigt aber, dass am östlichen Mittelmeer Frieden noch lange keine Selbstverständlichkeit ist.

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© REUTERS Vergrößern Türkische Soldaten patrouillieren an der Grenze zu Syrien: Die türkische Armee ist in Alarmbereitschaft versetzt

Als politisches Friedensprojekt hat sich die EU den Nobelpreis verdient – ein Blick an die türkisch-syrische Grenze zeigt, was man an ihr hat. Seit dem Einschlag einer syrischen Granate in einer türkischen Stadt vor einer Woche schwillt das Kriegsgeschrei an und gefällt sich die Türkei im Säbelrasseln. Als stolze Nation werde die Türkei mit Wucht zurückschlagen, sollte sich das wiederholen, drohten Politiker und Militärs. Die Armee ist in Alarmbereitschaft versetzt.

Dazu hat sie bereits 250 Panzer an der Grenze zusammengezogen. Türkische Kampfflugzeuge werden an die Stützpunkte entlang der Grenze verlegt. 55 stehen schon zum Einsatz bereit – unter anderem auf der Luftwaffenbasis Incirlik, die auch von der Nato benutzt wird. Ein Funke genügt, und ein Krieg könnte beginnen, in den dann auch die Nato verwickelt wäre. Als am Freitag die syrische Armee einen Ort beschoss, der nur wenige Hundert Meter von der Grenze zur Türkei entfernt liegt, donnerten zur Demonstration der Stärke zwei türkische Kampfflugzeuge auf der anderen Seite der Grenze auf und ab.

In der türkischen Bevölkerung wäre ein Krieg unpopulär

Getrieben wird Erdogan von der Wut darüber, dass Assad noch immer im Amt ist, obwohl der türkische Ministerpräsident, politisch nicht sonderlich klug, doch sein ganzes Ansehen an den baldigen Sturz des einstigen Freundes geknüpft hat. Er hat sich damit weit aus dem Fenster gelehnt, hat Erwartungen aufgebaut, die er nun kaum erfüllen kann. Für eine Mitgliedschaft in der EU qualifiziert sich die Türkei damit nicht. Unabhängig davon hat die EU-Kommission vor wenigen Tagen ihren 15. Fortschrittsbericht zur Türkei vorgelegt; wenige der früheren Berichte waren kritischer.

Populär wäre ein Krieg, in den Ministerpräsident Erdogan sein Land zu führen droht, in der eigenen Bevölkerung nicht. Einen Ausweg könnte sich Erdogan bahnen, indem er vorgibt, die Armee werde über die Grenze geschickt, um eine Pufferzone einzurichten und so den Sympathisanten der PKK in Syrien nachzusetzen. Eben erst hat das Parlament in Ankara die Erlaubnis zu grenzüberschreitenden Operationen in den Nordirak abermals um ein Jahr verlängert; einer solche Ermächtigung gegenüber Syrien haben die Abgeordneten bereits zugestimmt. In Europa gehört Krieg der Vergangenheit an. Am östlichen Mittelmeer ist Frieden aber noch lange keine Selbstverständlichkeit.

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12.10.2012, 15:46 Uhr

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