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Toyotas „Pick-ups“ : Die Kavallerie des kleinen Mannes

Libysche Rebellen bei Adschdabija nutzen den „Land Cruiser” Bild: (c) AP

Kriege werden mit Hochtechnologie gewonnen - und mit dem Toyota-Pritschenwagen. Ob im Tschad, in Afghanistan, im Irak und nun auch in Libyen, der „Pick-up“ verwandelt die Schlachtfelder asymmetrischer Kriegsführung in „Toyota-Kriege“.

          Er taucht in keiner Rüstungsbilanz und in keinem Verteidigungshaushalt auf, dafür auf beinahe jedem Schlachtfeld. Er verfügt weder über eine Panzerung noch Ketten und gilt doch als unverwüstlich. Er hat Panzer besiegt, die ein Vielfaches kosten, und Kriege entschieden. Als die Kämpfer des international anerkannten ivorischen Präsidenten Ouattara vergangene Woche Abidjan eroberten, fuhren sie: Toyota Pritschenwagen. Wenn die libyschen Rebellen aus ihren Stalinorgeln auf Gaddafis Truppen feuern, stehen die Geschütze auf: Toyota Pritschenwagen. Toyota könnte die tollsten Werbesprüche drechseln über seinen „Pick-up“. Doch das japanische Unternehmen schweigt und lässt lieber die Wirklichkeit sprechen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frank Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Der Geländewagen mit offener Ladefläche mag wirken wie ein Relikt aus dem vorigen Jahrhundert. Doch zu den bewaffneten Konflikten der Gegenwart gehört er wie das sowjetisch-russische Sturmgewehr, die Kalaschnikow, die noch ein wenig älter ist. Der Toyota Pritschenwagen ist die Kavallerie des kleinen Mannes. Und er ist ein Symbol für den asymmetrischen Krieg, in dem Rebellen mit einfachsten Mitteln westliche Hochtechnologie herausfordern.

          Denkwürdig ist die Szene, die Tommy Franks, 2003 Kommandeur der amerikanischen Intervention im Irak, in seiner Autobiographie schildert. Am dritten Tag stößt eine lange Kolonne aus Abrams-Kampfpanzern und Bradley-Schützenpanzern durch den schiitisch geprägten Süden Richtung Bagdad. Franks verfolgt in seinem Hauptquartier in Doha Bilder einer Aufklärungsdrohne. Nirgendwo sind Panzer oder Stellungen Saddam Husseins zu sehen. Doch dann fällt dem General etwas ins Auge: Auf seinem Bildschirm erscheinen „fünf staubige weiße Toyota Pick-up Trucks, jeder mit einem schweren Maschinengewehr bewaffnet und vollgestopft mit Männern in zivilen Kleidern, die mit Kalaschnikows und Panzerfäusten bewaffnet sind“.

          Somalia 2011
          Somalia 2011 : Bild: AFP

          Der „Toyota-Krieg“

          Die Pritschenwagen rasen über eine Staubpiste auf den Konvoi zu und eröffnen das Feuer - der erste irakische Überraschungsangriff des Krieges. Nach Franks Schilderung haben die angreifenden Milizen Saddams keine Chance, nach zehn Minuten Gefecht sind sie geschlagen. Doch anderen Fedaijin-Kämpfern gelingt es mit ihren Pritschenwagen in den folgenden Tagen, den Nachschub der schnell vorrückenden Einheiten zu unterbrechen. Mindestens vier Abrams-Panzer schalten sie mit Panzerfäusten aus.

          Im Irak kamen die Amerikaner mit dem Schrecken und einigen Verlusten davon. Ganz anders war es der libyschen Armee 1987 im Krieg mit dem Tschad ergangen. Sie war militärisch klar überlegen, bis Frankreich seinem Verbündeten Tschad 400 Toyota Pritschenwagen lieferte. Besondere Zusatzausstattung: Panzerabwehrraketen des Typs Milan, eine hocheffiziente deutsch-französische Entwicklung. Binnen weniger Wochen wendete sich das Blatt. Libyen verlor 800 Kampf- und Schützenpanzer und fügte sich notgedrungen einem Waffenstillstand. Der Konflikt ging als „Toyota-Krieg“ in die Geschichte ein und begründete den sagenhaften Ruf des japanischen Pritschenwagens in Afrika und darüber hinaus.

          Unter Militärs heißt der Toyota Pick-up schlicht „Technical“. Dieser Name geht zurück auf den somalischen Bürgerkrieg. Als Helfer der Vereinten Nationen und von Nichtregierungsorganisationen Anfang der neunziger Jahre in das Land strömten, durften sie kein Wachpersonal mitbringen. Stattdessen gaben die Organisationen ihren Mitarbeitern „technical assistance grants“, zu Deutsch: Geld, um einen Wagen samt Fahrer lokal anzumieten. Am Anfang waren die Wagen noch unbewaffnet, doch als die Kämpfe eskalierten, tauchten schnell die ersten Maschinengewehre auf der Ladefläche der „Technicals“ auf.

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