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Kampf um Aleppo : Syrische Führung lehnt Waffenruhe ab

  • Aktualisiert am

Eine Straße in der umkämpften Altstadt von Aleppo Bild: Reuters

Die syrische Armee hat Aleppos Altstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Die Rebellen fordern eine Waffenruhe. Doch Assads Truppen wollen weiterkämpfen, wenn die oppositionellen Milizen nicht abziehen.

          Syriens Führung lehnt eine neue Feuerpause für die schwer umkämpfte Stadt Aleppo ab. „Wir werden keine Waffenruhe akzeptieren“, sagte der syrische Parlamentsabgeordnete aus Aleppo, Fares Schehabi, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Rebellen müssten zuerst abziehen. „Wenn sie nicht abziehen, werden wir unsere Angriffe fortsetzen.“

          Die oppositionellen Milizen in Aleppo hatten zuvor eine neue fünftägige Waffenruhe vorgeschlagen. Sie solle dazu dienen, unter Aufsicht der Vereinten Nationen Verletzte und Zivilisten aus der Stadt zu bringen, hieß es in einer Erklärung. Anschließend könne über die Zukunft Aleppos gesprochen werden.

          Schehabi bezeichnete die Rebellen als einen „Haufen Lügner“, die die Waffenruhe nutzen wollten, um ihre Stellungen zu verstärken. Syriens Regierungstruppen haben seit Beginn einer Offensive im November rund zwei Drittel des bisherigen Rebellengebietes in Aleppo erobert.

          Ein russischer Militärberater der Regierungstruppen wurde unterdessen bei dem Beschuss im Westen Aleppos getötet. Der Offizier sei bei Artilleriefeuer auf ein Wohnviertel schwer verletzt worden und später gestorben, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Tass zufolge am Mittwoch mit. Ärzte hätten mehrere Tage um sein Leben gekämpft. Erst am Montag waren bei Beschuss eines Feldlazaretts in Aleppo eine russische Ärztin und eine Helferin getötet worden.

          Am Mittwochvormittag hatte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gemeldet, Regierungstruppen hätten die gesamte Altstadt Aleppos unter Kontrolle gebracht. Die letzten Rebellen seien abgezogen, nachdem die Armee die Nachbarbezirke Bab al Hadid und Akjul eingenommen habe, teilten die Aktivisten mit. Die in Großbritannien ansässige Organisation ist in Syrien breit vernetzt, ihre Angaben können von unabhängiger Seite aber kaum überprüft werden.

          Resolution des UN-Sicherheitsrats von China und Russland blockiert

          Bereits am Dienstag hatten die Armee und ihre Verbündeten das strategisch wichtige Viertel Al Schaar eingenommen. Im Ostteil der einstigen Wirtschaftsmetropole hatten die Regierungstruppen Mitte November eine Großoffensive begonnen. Seitdem haben die Rebellen mehr als 70 Prozent ihres bislang kontrollierten Gebiets in Ost-Aleppo verloren. Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind seither mehr als 80.000 Zivilisten aus den östlichen Vierteln geflüchtet. Rund 170.000 Menschen sollen Schätzungen zufolge dort noch eingeschlossen sein.

          Russland hatte am Montag eine Resolution des UN-Sicherheitsrats für eine einwöchige Feuerpause in der schwer umkämpften Stadt blockiert. Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin nutzte bei einer Abstimmung zu einer entsprechenden Resolution in New York sein Veto-Recht. Auch China legte ein Veto ein. Venezuela stimmte gegen die Resolution, Angola enthielt sich, die elf anderen Ratsmitglieder befürworteten das Papier. Die von Ägypten, Spanien und Neuseeland vorgelegte Resolution hatte ein Ende aller Angriffe in Aleppo gefordert und sollte humanitären Helfern Zugang zur notleidenden Bevölkerung verschaffen.

          Assads Truppen rücken vor : Syrische Armee erobert Altstadt von Aleppo zurück

          Quelle: dpa/AFP

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