Home
http://www.faz.net/-gq9-78zxb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Syrische Analogie Russische Raketen für Assad

Nach den jüngsten israelischen Luftangriffen plant Moskau nun angeblich, das syrische Regime mit modernen Flugabwehrsystemen auszustatten. Damit würde Assad über ähnlich schlagkräftige Luftabwehreinheiten verfügen, wie sie die Nato in der Türkei stationiert hat.

© picture alliance / dpa Vergrößern Russische Raketenabwehreinheiten vom Typ S-300 rollen anlässlich einer Militärparade über den Roten Platz in Moskau

Die Geschichte, sagt man, wiederholt sich nicht. Das gilt auch für Kriege. Manchmal aber hält sie Ähnlichkeiten bereit; so nun auch in Syrien. Wenn stimmt, was israelische Geheimdienstquellen laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ erfahren haben wollen, wird Syriens Staatspräsident Baschar al Assad nun ähnliche Unterstützung zuteil wie seinem nördlichen Nachbarn.

Lorenz Hemicker Folgen:    

Ein knappes halbes Jahr ist es her, dass die Türkei in Folge syrischer Übergriffe die Nato-Bündnispartner um Flugabwehrsysteme zum Schutz vor syrischen Raketenangriffen gebeten hat. Inzwischen stehen amerikanische, holländische und deutsche „Patriot“-Einheiten in der Südtürkei. In Assads Fall ist es Russland, das knapp eine Woche nach den jüngsten israelischen Angriffen auf Syrien Flugabwehrraketensysteme an das taumelnde Regime, den langjährigen Verbündeten liefern will.

Syrien © REUTERS Vergrößern Zerrissen: Ein Plakat mit dem Konterfei von Baschar Al Assad in der syrischen Provinz Raqqa

Moskau soll bis zu sechs Raketenwerfer und 144 Lenkflugkörper des Flugabwehrraketensystems S-300 zu liefern beabsichtigen. Die erste Tranche, heißt es, könne binnen der kommenden drei Monate erfolgen. Russische Ausbilder für die syrischen Bedienmannschaften seien bereits auf dem Weg. Grundlage des Geschäfts soll eine
Vereinbarung zwischen Moskau und Damaskus aus dem Jahr 2010 sein.

Mit dem Flugabwehrraktensystem S-300 würde Assad über ein ähnlich leistungsfähiges Gerät wie das amerikanische Flugabwehrraketensystem „Patriot“ verfügen. Beide Systeme sind dazu in der Lage, Kampfflugzeuge - und je nach Konfiguration auch anfliegende Raketen - zu bekämpfen. Sollte das Assad-Regime in Besitz dieser Waffen gelangen, würden israelische Luftangriffe wie auch die Einrichtung einer von amerikanischen Senatoren immer wieder geforderten Flugverbotszone deutlich riskanter, wenn auch nicht unmöglich. Einen hundertprozentigen Schutz bieten die jüngsten Flugabwehrsysteme nicht, und sie sind auch nicht unzerstörbar.

Kerry © AFP Vergrößern Ende eines Moskaubesuchs: Amerikas Außenminister am Mittwoch nach Gesprächen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu Syrien

Ob die Lieferung tatsächlich erfolgt, ist indes nicht absehbar. Zwar hat Russland laut Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri mehrfach Einheiten des S-300-Systems exportiert, unter anderem nach China, Algerien und  in diverse Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Allerdings hatte Moskau im Falle Irans und Zyperns nach internationalem Druck auch schon Abstand von beschlossenen Exporten genommen.

Sollte Russland den Export der Raketenabwehrsysteme trotz westlicher Proteste vollziehen, würde damit nicht nur das Assad-Regime Dank der „russische Patriots“ militärisch gestärkt. Auch die Fronten zwischen Amerika und Russland, die noch in diesem Monat eine gemeinsame Konferenz zum syrischen Bürgerkrieg einberufen wollen, dürfte sich weiter verhärten.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kampf um Kobane Syrische Regierung: Wir unterstützen die Kurden

Die syrische Regierung in Damaskus behauptet, den Kurden in Kobane in ihrem Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat militärisch beizustehen. Die Bewohner der Enklave seien Syrer und würden mit Munition und Waffen ausgestattet. Mehr Von Markus Bickel

22.10.2014, 15:27 Uhr | Politik
Syrische Kurden flüchten in die Türkei

Zehntausende Kurden verlassen Syrien, um in der Türkei Schutz vor der Extremistenmiliz Islamischer Staat zu suchen. Mehr

21.09.2014, 15:56 Uhr | Politik
Nato-Generalsekretär Stoltenberg: Russland aus Position der Stärke begegnen

In seiner ersten Grundsatzrede mahnt der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die Allianz müsse Russland aus einer Position der Stärke begegnen. Er fordert Moskau auf, die Ukraine nicht weiter zu destabilisieren. Mehr Von Michael Stabenow, Brüssel

28.10.2014, 15:48 Uhr | Politik
Waffen für die Kurden

Deutschland liefert den Kurden im Nordirak Panzerabwehr-Raketen des Typs Milan und Panzerfäuste, um sie im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. Mehr

31.08.2014, 23:05 Uhr | Politik
Kampf um Kobane Dschihadisten starten neue Offensive

Flammen und Rauch sind über Kobane zu sehen: Beobachter melden heftige Gefechte aus der syrischen Grenzstadt. IS-Kämpfer würden an allen Fronten angreifen. Mehr

21.10.2014, 07:21 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.05.2013, 12:38 Uhr

Fliegende Bären

Von Berthold Kohler

Russland und der Westen tauschen im Himmel über Europa mittels Kampfflugzeugen Botschaften aus. Die Kanzlerin reagiert richtig auf Moskaus Luftnummer. Sie lässt Putins militärisches Aufplustern wie die Tat eines Halbstarken aussehen. Mehr 9 143