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Veröffentlicht: 12.06.2013, 08:50 Uhr

Syrien Waffenlager in der Kirche

Qusair ist verwüstet. Als Assads Armee und die Hizbullah den Grenzort einnahmen, zerstörten Islamisten die Häuser. Von der Revolution wollen die wenigen Rückkehrer nichts mehr wissen.

von , Qusair
© REUTERS Frontstadt eines Bürgerkriegs: Nach der Rückeroberung Qusairs durch die Armee begutachten Einwohner die Schäden rund um die Kirche.

Elia steht in der Tür seines Hauses und zieht langsam an seiner Zigarette. Er ist einer der wenigen, die nach Qusair zurückgekehrt sind. Vor einer Woche erst meldete die syrische Armee von Präsident Baschar al Assad die Rückeroberung des Orts an der Grenze zum Libanon. Der Christ Elia kann sich gut an den Tag erinnern, als der Albtraum in der Kleinstadt begann. Am 9. Februar 2012 hätten Angreifer, die er „ islamische Eiferer“ nennt, erstmals die Christenviertel mit Raketen beschossen und den Christen mit dem Tod gedroht, sollten sie Qusair nicht verlassen. Er habe sofort das Nötigste gepackt und sei mit seiner Familie zu Verwandten gezogen.

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Jetzt ist er zurück - sein Elektrowarengeschäft und sein Wohnhaus wurden geplündert. Wenigstens aber stehen die Gebäude noch, und so schläft er auf dem Boden. „Das sieht doch aus wie Somalia“, sagt er verbittert und blickt die mit Schutt übersäte Straße der Geisterstadt hinab. Gelegentlich fährt eine Militärpatrouille vorbei. Es sei richtig gewesen, Qusair gleich zu verlassen, sagt der Mann, der sich schon einige Tagen nicht rasiert hat. Die Islamisten hätten drei Mitglieder der Familie aus einem Haus gegenüber entführt und zu Tode gefoltert. Dann hätten auch die anderen die Stadt verlassen.

Das Regime hat Qusair vorige Woche mit Hilfe der libanesischen Hizbullah eingenommen. Für Assads Truppen war es ein großer Erfolg: Der Ort hatte der bewaffneten Opposition als Lager für Waffen gedient, die aus dem Libanon nach Syrien geschmuggelt wurden. „Vor mehr als einem Jahr“, berichtet ein Offizier in Tarnuniform, „sind die meisten Zivilisten gegangen und haben die Stadt mehr als 10.000 Bewaffneten überlassen.“ In Häusern, in der Kirche und in Tunnels habe man große Mengen tragbarer Waffen aller Art gefunden. Seinen Namen will der Offizier nicht nennen.

Die meisten Waffen stammen offenbar aus Libyen. Dorthin hatte sie Qatar vor rund zwei Jahren gebracht, um der Rebellion gegen den Diktator Gaddafi zum Sieg zu verhelfen. Nun wurden sie mit dem Schiff in die libanesische Hafenstadt Tripoli gebracht, von dort gelangten sie über die von Sunniten bewohnten Grenzstädte Arsal und Wadi Khalid nach Qusair. Der Offizier bezichtigt führende sunnitische Politiker des Libanons, diesen Schmuggel organisiert zu haben, allen voran einen Abgeordneten namens Khalid al Daher. Auf der syrischen Seite soll Mufaa Abu Sus, bekannt als Pate der Schmuggler von Qusair, die Fäden gezogen haben. Der sunnitische Muslim hatte am Uhrenplatz ein Geschäft für geschmuggelte Zigaretten betrieben. Aus seinen radikal-islamistischen Ansichten habe er nie einen Hehl gemacht, sagen Leute in Qusair, die Assad für die Rückeroberung dankbar sind.

Golfstaaten brachten Waffen und Geld für die Rebellen

Als der Aufstand gegen das Regime begann, stieg Abu Sus demnach zum Führer der Miliz „Kataib Bashair al Nasr“ auf - und damit zum militärischen Führer der bewaffneten Rebellen der Stadt. Erst habe die Freie Syrische Armee die Stadt kontrolliert, vor acht Monaten habe die Al-Nusra-Front die Herrschaft übernommen, sagt der Offizier. Viele der Dschihadisten wurden bei den Kämpfen getötet, andere setzten sich in den Libanon ab, Verwundete konnte das Roten Kreuz in den Libanon bringen. Von Abu Sus fehlt jede Spur. Als die Assad-Gegner ihren Rückzug antraten, zerstörten sie mit ferngezündeten Bomben nahezu jedes Haus.

Vor dem Krieg hatten in Qusair 25.000 Menschen gelebt. Von ihnen waren 60 Prozent Sunniten und 35 Prozent Christen; nur jeder zwanzigste Einwohner war Alawit wie Assad oder Schiit wie die Kämpfer der Hizbullah. Qusair war Knotenpunkt in einem Schmugglernetz. Nun, im Krieg, brachten die Golfstaaten Waffen und Banknoten für Assads Gegner ins Land. Dann wurde Qusair gleichsam ein islamischer Staat. In den Graffiti auf den Hauswänden kommt immer wieder der Name des radikalen syrischen Predigers Adnan Aruur vor, der im saudischen Exil lebt. Er gab der Al-Nusra-Front die Fatwas, die sie brauchten: Er rechtfertigte Morde und Vergewaltigungen. Er versprach jedem, der Vertreter des Regimes tötete, einen Platz im Paradies.

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