In Aleppo hat am Wochenende die Gegenoffensive des Assad-Regimes begonnen. Die Rebellen konnten nach eigenen Angaben eine erste Angriffswelle von Bodentruppen abwehren. Von den Aufständischen kontrollierte Stadtteile seien seit Samstag mit schwerem Artilleriefeuer belegt worden, teilten Aktivisten und Augenzeugen mit. Das Regime setze auch Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge ein; Aleppo ist als Wirtschaftszentrum und Tor zum Norden des Landes, wo die aufständischen schon viele Dörfer kontrollieren, von großer strategischer Bedeutung.
Vor den Kämpfen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen innerhalb von 48 Stunden 200.000 Menschen geflohen. UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos forderte am Sonntag in New York freien Zugang nach Aleppo für Hilfsorganisationen.
Ein Offizier der oppositionellen Freien Syrischen Armee sagte nach Agenturberichten, die Rebellen hätten am Samstag und Sonntag Angriffe der Armee zurückgeschlagen und dabei auch mehrere Panzer zerstört. Der syrische Außenminister Walid Muallim sagte am Sonntag in Teheran auf einer Pressekonferenz mit dem iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi, die Armee werde die Schlacht um Aleppo „definitiv“ gewinnen. Die Gefechte konzentrierten sich am Wochenende offenbar auf das von den Regimegegnern eroberte Viertel Salah al Din im Südwesten der Stadt. Der französische Präsident Hollande rief am Samstag die UN-Vetomächte Russland und China dazu auf, im Syrien-Konflikt einzulenken.
Die Regierungen in Moskau und Peking sollten berücksichtigen, dass „Chaos und Bürgerkrieg herrschen werden“, wenn Baschar al Assad nicht gestoppt werde, sagte Hollande im Fernsehen. Mehrere westliche Regierungen hatten angesichts der Offensive große Sorge über ein befürchtetes Massaker an Aleppos Zivilbevölkerung geäußert. Dutzende Zivilisten sollen schon getötet worden sein. Nach Angaben von Einwohnern, die von Nachrichtenagenturen und ausländischen Fernsehsendern zitiert wurden, verschlimmert sich die Lage der Bevölkerung dramatisch. Geflohene Einwohner berichten von willkürlichem Beschuss durch die Armee. Oppositionshochburgen wie Homs waren wochenlang vom Regime mit Raketen und Artillerie beschossen worden, ganze Stadtteile wurden zerstört.
Moskau äußerte ebenfalls Sorge über eine drohende „Tragödie“ in Aleppo. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte aber zugleich, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnähmen. Moskau versuche, die syrische Führung zum Einlenken zu bewegen, sagte Lawrow. Moskau werde seine Kontakte zur syrischen Opposition aufrechterhalten und habe keinerlei Absicht, Assad Zuflucht zu gewähren, sagte er weiter.
Der Vorsitzende des Syrischen Nationalrats, Abdelbaset Seida, forderte das Ausland auf, Waffen an die Rebellen zu liefern. „Wir wollen Waffen, die Panzer und Kampfflugzeuge aufhalten können“, sagte der Chef des größten Dachverbandes der zersplitterten Opposition. Seida kündigte an, seine Organisation wolle mit Rebellengruppen vor Ort über die Bildung einer Übergangsregierung beraten. Derzeit werde über die Idee einer solchen Regierung nachgedacht, „und wir werden alle Truppen in Syrien kontaktieren“. Eine Übergangsregierung müsse von einer „patriotischen, ehrlichen“ Persönlichkeit geführt werden, die „seit Beginn der syrischen Revolution“ für diese eintrete. Er schloss ein „jemenitisches Szenario“ aus, wonach dem syrischen Machthaber im Gegenzug für einen Rückzug von der Macht Straffreiheit zugesichert wird.
Die Arabische Liga hatte zuletzt ein solches Angebot geäußert, was das Regime in Damaskus aber abgelehnt hatte. Die Liga will nun mit Hilfe einer Resolution in der UN-Vollversammlung die Einrichtung von Schutzzonen für die Zivilbevölkerung erwirken. Der UN-Sondergesandte Kofi Annan, der auch im Auftrag der Arabischen Liga im Syrien-Konflikt vermittelt, forderte beide Seiten auf, „Zurückhaltung zu üben und Blutvergießen zu vermeiden“. In den vergangenen Tagen hatte die Opposition täglich mehr als 150 Tote aus Syrien gemeldet.
Radikale Islamisten unterstützen Aufständische
In Iran machten die Außenminister Muallim und Salehi wie schon früher Israel für den Bürgerkrieg verantwortlich. Syrien sei Opfer einer Verschwörung, deren Ziel der Sturz der Führung in Damaskus sei. Der iranische Außenminister warnte Qatar, Saudi-Arabien und die Türkei davor, sich einzumischen. „Die Länder sollten sich der gefährlichen Folgen einer solchen Politik für die gesamte Region bewusst sein.“ Sie sollten auch nicht naiv sein und glauben, dass ein Regimewechsel in Syrien einfach zu erreichen sei. Während das Regime in Teheran bestreitet, Assad militärisch zu unterstützen und in der vergangenen Woche Spekulationen über eine mögliche iranische Intervention zurückwies, sind nach Angaben der Opposition iranische Militärs in Syrien aktiv.
Unterdessen mehren sich die Berichte über radikale Islamisten, welche die Aufständischen gegen die Truppen des Assad-Regimes unterstützten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP vom Sonntag sind unter den Rebellen in Aleppo auch ausländische Kämpfer, die sich als Brigade der vereinigten Mudschahedin bezeichnen. Sie berichten, sie kämen aus Algerien, Frankreich, Schweden und Tschetschenien. Der syrisch-türkische Grenzübergang Bab al Hawa, der unlängst von Aufständischen besetzt wurde, soll ein Sammelpunkt für Dschihadisten sein, die das schiitische Assad-Regime stürzen und einen islamischen Staat errichten wollten.
Lehren aus Irak ziehen
Die amerikanische Regierung hat die syrischen Aufständischen davor gewarnt, nach einem Sturz des Diktators Baschar al Assad die regierende Baath-Partei sowie die Armee vollständig zu zerschlagen. Dies könnte zu einem Machtvakuum sowie zu Gewalt und Chaos wie im Irak nach dem Fall von Saddam Hussein 2003 führen, berichtete die Tageszeitung „Washington Post“ am Sonntag unter Berufung auf ranghohe Regierungsmitarbeiter. Washington habe den Oppositionsgruppen zudem eindringlich geraten, sich nach einem Sieg über das Regime nicht zu Vergeltungsmaßnahmen hinreißen zu lassen. Die Rebellengruppen sollten Lehren aus dem Irak ziehen, wo nach dem Fall Saddams blutige Gewalttaten und Anschläge das Land erschüttert hatten. Es dürfe in Syrien keine völlige Zerschlagung des Systems geben, zitiert das Blatt einen Beamten, „weil die Institutionen während eines politischen Übergangs gebraucht werden“.
Wie die Zeitung weiter schreibt, beschäftigt sich die Regierung in Washington „in zunehmend detaillierten Strategierunden“ mit der Frage des Übergangs in Damaskus. Washington lässt seit Tagen vermehrt offenbar gezielt Informationen durchsickern, wonach sie Pläne für die Zeit nach dem baldigen Ende des Assad-Regimes entwirft. Zugleich warnte Washington jüngst mehrfach vor einem Massaker in Aleppo. Maßgebliche Politiker der oppositionellen Republikaner haben der Regierung unter Präsident Obama wiederholt vorgeworfen, mit ihrer passiven und abwartenden Haltung für die bis zu 20000 Toten in dem seit fast anderthalb Jahren währenden Konflikt verantwortlich zu sein.
Kurden sind nicht das Problem
Annika Lenson (AnnieLen)
- 30.07.2012, 09:40 Uhr
Unrealistisch
Rico Kurschat (Ickerbocker)
- 29.07.2012, 20:19 Uhr
Diese russischen Panzer sind einfach nix. Kein Mensch kauft freiwillig
russiche Autos
klaus keller (klkeller)
- 29.07.2012, 16:16 Uhr
Assad-Regime: Kurden oder Iran !
Robert Hamacher (harohama)
- 29.07.2012, 14:24 Uhr
