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Syrien Schwere Gefechte bei Rebellenoffensive in Aleppo

 ·  Die Kämpfe um Aleppo sollen mittlerweile auch die Altstadt erreicht haben. In einem Außenbezirk soll ein Gefängnisaufstand niedergeschlagen worden sein. Das Assad-Regime will dem Ausland derweil nicht mit dem Einsatz von Chemiewaffen gedroht haben.

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© AFP Angriff auf das Wirtschaftszentrum: Rebellenkämpfer in Aleppo im Gefecht mit Scharfschützen des Regimes

Aleppo ist am Dienstag von heftigen Gefechten erschüttert worden. Nach Berichten ausländischer Fernsehsender und Nachrichtenagenturen rückten Rebellenkämpfer in die syrische Millionenstadt vor, die als das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes gilt. Die Kämpfe sollen sogar die Altstadt erreicht haben. Demnach setzte die Armee schwere Waffen und Hubschrauber ein, um die Aufständischen zurückzuschlagen.

Die Staatspresse meldete, den Rebellen seien schwere Verluste zugefügt worden. Der Sender BBC berichtete aus der Stadt, die Truppen des Assad-Regimes dürften ihren Gegnern an Feuerkraft und Mannschaftsstärke weit überlegen sein. Aktivisten der Opposition, die sich auf Angaben von Gefangenen beriefen, berichteten am Dienstag, das Regime habe in der Nacht eine Meuterei in einem Gefängnis in einem Außenbezirk von Aleppo blutig niedergeschlagen. Dabei seien mindestens acht Gefangene getötet worden.

Der Syrische Nationalrat, die wichtigste Oppositionsgruppe des Landes teilte mit, es seien scharfe Munition und Tränengas gegen einen „friedlichen Sitzstreik“ eingesetzt worden. Ähnliche Meldungen hatte es auch aus einem Gefängnis in der Rebellenhochburg Homs gegeben. Die Opposition fürchtet, es könnten Racheakte des Regimes an politischen Gefangenen verübt werden. Ein Brand habe nicht gelöscht werden können, weil das Gebäude mit Hubschraubern beschossen worden sei.

Sorge vor Einsatz chemischer Waffen

Aus der Hauptstadt Damaskus meldete das Staatsfernsehen, die Sicherheitskräfte hätten die Stadt wieder unter Kontrolle. Es zeigte Bilder von Soldaten in den Außenbezirken, die zuletzt mit schwerem Artilleriefeuer belegt worden waren. Der Sprecher des Außenamtes in Damaskus versuchte am Dienstag die heftige internationale Kritik auf seine Aussagen zum syrischen Chemiewaffenarsenal als Ergebnis einer böswilligen Medienkampagne des Auslands darzustellen. Dschihad Makdisi hatte indirekt mit dem Einsatz chemischer Waffen im Falle einer ausländischen Intervention gedroht. Der amerikanische Präsident Obama hatte das Assad-Regime daraufhin davor gewarnt, einen „tragischen Fehler“ zu begehen.

Damaskus werde „niemals chemische und biologische Waffen nutzen“, sagte Makdisi nach Angaben der Staatspresse. Seine Äußerungen seien nur Erläuterungen der „generellen Verteidigungspolitik“ Syriens gewesen, eine Antwort auf eine Medienkampagne die einen Militärschlag gegen sein Land rechtfertigen wolle; sie seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Berichten, nach denen die Militärführung in Damaskus ihr Arsenal chemischer Waffen in Regionen verlegt, die von den Aufstandsgebieten weiter entfernt sind trat er nicht entgegen. „Es ist nur natürlich, dass diese Waffen, insofern sie existieren, sicher gelagert werden“, wurde Makdisi am Dienstag zitiert.

In Israel gab es keine Bestätigung für Berichte syrischer Regierungsgegner, wonach die Armee Chemiewaffen an Flughäfen an der Grenze verlegt haben soll. Diese Behauptungen hätten mit der wirklichen Situation nichts zu tun, sagte der politische Direktor des Verteidigungsministeriums Amos Gilad am Dienstag im Rundfunk. Israel und das Ausland müssten wachsam bleiben, aber „alle nicht-konventionellen Waffen sind unter der Kontrolle des Regimes und die Armee gehorcht weiterhin den Befehlen von (Präsident) Assad“. Bei der jüngsten syrischen Drohung habe die Führung in Damaskus Israel nicht ausdrücklich erwähnt, sagte Gilad. Sie könne auch an die Türkei oder Amerika gerichtet gewesen sein. Weder die Hizbullah-Miliz noch Gruppen, die Al Qaida nahestehen, hätten bisher syrische Chemiewaffen erhalten. Er warnte vor „hysterischen Reaktionen“ angesichts der Krise im Nachbarland, für die Israel offenbar nur unzureichend gerüstet ist. Nach Informationen der Zeitung „Haaretz“ haben bisher nur 53 Prozent der Bevölkerung Gasmasken erhalten. Um die andere Hälfte schnell damit auszustatten, fehlten Geld und Produktionskapazitäten.

„Regime kann nicht mehr lange weitermachen“

Der israelische Generalstabschef Gantz warnte am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss vor den schwer kalkulierbaren Folgen eines Angriffs auf syrische Chemiewaffenlager. Wenn die Armee „punktuell“ vorgehe, bestehe die Gefahr, das Ziel zu verfehlen. Die Folge einer breiter angelegten Militäraktion könnte indes eine größere Auseinandersetzung sein.

Die Arabische Liga und die Türkei bekräftigten derweil ihre Forderung nach einem Rücktritt von Machthaber Baschar al Assad, der dem Aufstand nicht mehr lange standhalten könne. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al Arabi, sagte der Zeitung „Al Hayat“, er könne zwar nicht sagen, wann der Sturz Assads kommen werde. „Aber das Regime kann nicht mehr lange weitermachen.“ Es gehe in Syrien inzwischen nicht mehr um politische Reformen, sondern um einen Machtwechsel. Die türkische Nachrichtenagentur Anatolien zitierte Ministerpräsident Erdogan mit den Worten, das syrische Volk sei dem Sieg so nah wie noch nie.

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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