In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Oppositionsangaben Hunderte Leichen entdeckt worden. In der Stadt Daraja seien mehr als 200 Tote gefunden worden, berichteten die Lokalen Koordinierungskomitees in der Nacht zum Sonntag im Internet. Sie seien Opfer der Regierungstruppen geworden, hieß es. Die staatlichen Medien berichteten, die Armee habe Terror-Gruppen aus Daraja vertrieben. Eine Überprüfung der Angaben aus Syrien ist nicht möglich, da unabhängige Medien kaum Zugang haben.
Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter teilte mit, in der Nähe einer Moschee seien am Sonntag die Leichen von neun Männern entdeckt worden. Damit steige die Zahl der Opfer der fünftägigen Militäroperation in dem Vorort von Damaskus auf 320 Tote. Viele von ihnen seien durch die Angriffe der Armee mit schweren Waffen oder im Gefecht ums Leben gekommen. Eine große Anzahl Menschen sei aber auch „ohne Prozess exekutiert“ worden.
„Assads Armee hat in Daraja ein Massaker angerichtet“, sagte der Oppositionelle Abu Kinan der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Innerhalb einer Stunde seien dort 122 Leichen entdeckt
worden. Er habe miterlebt, wie ein achtjähriges Mädchen von einem Scharfschützen getroffen worden sei, als ihre Familie im Auto fliehen wollte. Sie sei in einem Behelfskrankenhaus gestorben.
Die Aufständischen verbreiteten Videoaufnahmen, auf denen zahlreiche Leichen von jungen Männern zu sehen sind, die auf dem Fußboden der Abu-Suleiman-al-Darani-Moschee lagen. Bei vielen sind
offenbar Schusswunden zu sehen. Eine männliche Stimme spricht von mehr als 150 Leichen. Ursprung und Zeitpunkt der Aufnahmen konnten nicht verifiziert werden.
Die staatliche syrische Nachrichtenagentur meldete: „Unsere heldenhaften Streitkräfte haben Daraja von den Resten der bewaffneten Terror-Gruppen gesäubert“. Diese hätten „Verbrechen gegen die Söhne der Stadt begangen und ihnen Furcht eingejagt“ sowie Sabotage begangen und öffentliches und privates Eigentum zerstört.
Die Armee hatte Daraja nach einer dreitägigen Offensive eingenommen. Auch in anderen sunnitischen Vororten von Damaskus wurde am Wochenende gekämpft. Die oppositionellen Örtlichen Koordinations-Komitees erklärten, am Samstag seien 440 Menschen im ganzen Land getötet worden. Die Aufständischen hatten Ende Juli Teile der Hauptstadt eingenommen, waren später jedoch vom Militär vertrieben worden. Seitdem sind die Rebellen offenbar wieder eingesickert, ohne jedoch das offene Gefecht mit der Armee zu suchen.
zweierlei
Tim Wilhelm (timwilhelm)
- 27.08.2012, 22:16 Uhr
" Viele von ihnen seien „ohne Prozess exekutiert“ worden"...
Anas Al-Malki (painschen)
- 27.08.2012, 18:37 Uhr
Assad ist nicht blöd.
Gerda Madra (Gerdalisa)
- 26.08.2012, 14:36 Uhr
Man muss die Faelle immer von beiden Seiten sehen
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 26.08.2012, 14:34 Uhr
Ausnahmezustand und Standrecht
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 26.08.2012, 14:07 Uhr
