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Veröffentlicht: 28.04.2016, 15:50 Uhr

Krieg in Syrien Viele Tote bei Angriff auf Krankenhaus in Aleppo

Bei einem Luftangriff auf ein syrisches Krankenhaus in der Nähe von Aleppo sind 30 Menschen getötet und 50 verletzt worden. Die Friedensgespräche wurden aus Protest abgebrochen.

© Reuters Eine Waffenruhe, die keine ist: Trotzt des abgemachten Waffenstillstands ist das vom Roten Kreuz unterstützte Al-Qud Krankenhaus bombardiert worden.

Hilfsorganisationen haben die Zerstörung eines Krankenhauses in der nordsyrischen Großstadt Aleppo scharf verurteilt. Bei dem Luftangriff auf das Al-Kuds-Krankenhaus im Osten der Stadt habe es viele Tote und Verletzte gegeben, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag in Genf. Rettungshelfer sprechen von 30 Toten und 50 Verletzten.

Unterdessen richteten die Vereinten Nationen einen Appell an die Vereinigten Staaten und Russland, sich energisch für die Wiederherstellung der Feuerpause zwischen Assad-Truppen und Rebellen in Syrien einzusetzen. „Ärzte ohne Grenzen“ verurteilte den Angriff scharf.

Das Assad-Regime in Damaskus wies jede Verantwortung für die Luftangriffe auf das Krankenhaus in Aleppo zurück. Die syrische Luftwaffe habe nichts damit zu tun, berichtete das staatliche Fernsehen am Donnerstag.

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„Wir sind empört“, erklärte die medizinische Hilfsorganisation, die die Einrichtung seit mehreren Jahren unterstützt. „Die Lage der Klinik war bekannt. Krankenhäuser dürfen nicht angegriffen werden.“

Bei der Bombardierung sei einer der letzten Kinderärzte Aleppos getötet worden. Auch das Rote Kreuz engagierte sich für die Klinik. Nun seien viele Menschen von medizinischer Versorgung abgeschnitten. Die genaue Zahl der Opfer blieb zunächst unklar. Laut „Ärzte ohne Grenzen“ wurden mindestens drei Ärzte und 14 Patienten getötet.

Der Angriff auf das Krankenhaus ist laut dem Roten Kreuz Teil einer sich abzeichnenden humanitären Katastrophe in Aleppo. Die eskalierende Gewalt zwischen den Bürgerkriegsparteien bedrohe Millionen schutzloser Menschen, betonte das IKRK. Artilleriebeschuss, Granaten und Angriffe von Flugzeugen hätten Aleppo in ein Schlachtfeld verwandelt. Jeder Bewohner fürchte um sein Leben.

© AFP, reuters Dutzende Tote bei Luftangriff auf Klinik in Aleppo

Hilfkonvois können 250.000 Menschen nicht erreichen

Laut den Vereinten Nationen drohen die Kämpfe in Aleppo und anderen Teilen Syriens die Fortschritte bei der Versorgung von Menschen mit Lebensmitteln und anderen humanitären Gütern zunichte zu machen. Gewalt und Blockaden hielten die Hilfskonvois auf, betonte der humanitäre Berater der Vereinten Nationen für Syrien, Jan Egeland. Seit Januar hätten die UN und Partnerorganisationen erst 250.000 Menschen in belagerten Städten versorgen können. Weitere 250.000 Menschen könnten nicht erreicht werden.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, forderte von Russland und Amerika, die Feuerpause in dem Bürgerkriegsland wieder herzustellen. De Mistura betonte nach Abschluss der dritten Runde der Syrien-Gespräche in Genf, die massiven Verletzungen der im Februar vereinbarten Feuerpause gefährdeten die Fortsetzung der Konferenz zur politischen Lösung des Konflikts. De Mistura verlangte zudem eine neue Friedensinitiative der internationalen Syrien-Unterstützergruppe, in der unter anderem die fünf UN-Vetomächte, Nachbarländer Syriens und Deutschland zusammengeschlossen sind.

Erst wenn die Feuerpause wieder respektiert und die Unterstützergruppe aktiv werde, könnten die Syrien-Gespräche fortgesetzt werden, betonte der Sondergesandte. Das wichtigste Oppositionsbündnis HNC hatte seine Teilnahme an den indirekten Gesprächen mit dem Regime von Machthaber Baschar Al-Assad aus Protest gegen die andauernde Gewalt ausgesetzt. Seit Ende Januar versuchte de Mistura in mehreren Anläufen, die verfeindeten Parteien für eine Friedensregelung und einen politischen Neuanfang zu gewinnen.

Waffenruhe wird nur in 20 Prozent des Gebiets eingehalten

Nach Einschätzung der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird die Waffenruhe in gerade mal 20 Prozent des Gebiets befolgt, für das sie eigentlich gelten sollte. Erhebliche Verletzungen der Feuerpause habe es demnach um Damaskus, in den Provinzen Homs und Latakia und in und um Aleppo gegeben, sagt der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Aleppo, einstige Wirtschaftsmetropole im Norden des Landes, ist seit vier Jahren zwischen Rebellen und Regierungstruppen aufgeteilt. In den ersten Wochen nach der Ausrufung der Waffenruhe war es dort tatsächlich ruhiger. In den vergangenen Tagen kehrte die Gewalt jedoch zurück.

Der Konflikt in Syrien begann vor fünf Jahren. Das Assad-Regime, die bewaffnete Opposition und Terroristen kämpfen um die Macht. Nach Schätzungen wurden bislang 270.000 Menschen getötet. Millionen Syrer sind auf der Flucht.

Rote Blitze, rote Linien

Von Daniel Deckers

Während die Kirchen die Religionsfreiheit hochhalten und für eine offene Gesellschaft eintreten, will die AfD genau das Gegenteil. Kirchenleute und Rechtspopulisten sind sich trotzdem manchmal ähnlicher, als ihnen lieb sein kann. Mehr 71 36

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