Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind seit dem verheerenden Anschlag auf die Spitze des Assad-Regimes bis zu 30.000 Syrer in den Libanon geflohen. Mit der Massenflucht wächst die Gefahr, dass der Konflikt in das kleine Nachbarland übergreift. Von 1976 bis 2005 waren Zehntausende syrische Soldaten im Libanon stationiert; in den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Gefechten entlang der Grenze.
In der Hafenstadt Sidon wurden am Mittwoch Gastarbeiter, die den Tod des syrischen Verteidigungsministers, seines Stellvertreters und eines ranghohen Sicherheitsberaters bejubelten, von Unbekannten zusammengeschlagen.
Walid Dschumblatt, der drusische Vorsitzende der Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP), forderte am Freitag die Bewaffnung der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA), um Syrien „vor mehr Zerstörung zu retten“. Der schiitischen Hizbullah warf er vor, mit ihrer Unterstützung für das Regime in Damaskus „einen eklatanten Fehler“ zu begehen, „auf ethischer wie auf politischer Ebene“.
Nasrallah bekräftigt Allianz mit Assad
Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah, der neben Irans Führung wichtigste Verbündete des syrischen Regimes, hatte nach dem Anschlag seine Allianz mit Präsident Baschar al Assad bekräftigt. Angesichts der engen Verflechtungen der libanesischen mit der syrischen Politik droht ein Konflikt wieder aufzuflammen, der den Libanon 2008 an den Rand eines Bürgerkrieges brachte. Die vom Westen unterstützte „14. März-Allianz“ hatten in den drei Jahren zuvor versucht, die schiitische Hizbullah zur Aufgabe ihres Waffenarsenals zu zwingen.
Sunnitische Kämpfer sollen in Jordanien militärisch ausgebildet worden sein, die Schutzmacht der libanesischen Sunniten, Saudi-Arabien, habe finanziell zur Stärkung der auch von den Vereinigten Staaten und der EU geförderten Anti-Hizbullah-Allianz beigetragen. Als die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Fuad Saniora im Mai 2008 die Zerschlagung eines von der Hizbullah illegal errichteten Telefonnetzes befahl, besetzten Hizbullah-Milizionäre Westbeirut; auch im Schuf-Gebirge und im nordlibanesischen Tripolis kam es zu Kämpfen mit mehr als hundert Toten.
Eine der Führungsfiguren der „14. März-Allianz“, der Parlamentsabgeordnete Butros Harb, bezichtigte am Freitag die Hizbullah, verantwortlich für ein im Juni gescheitertes Attentat auf ihn gewesen zu sein.
Gute Analyse
mary van de cremer (vandecremer)
- 20.07.2012, 19:39 Uhr