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Syrien-Konflikt : Rebellen im Café

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Im Norden festgesetzt: Rebellenkämpfer posieren am 20. Juli am türkisch-syrischen Grenzübergang Bab al Hawa. Er war nach heftigen Gefechten mit den Truppen des Assad-Regimes erobert worden Bild: AFP

Der Aufstand gegen Assad hat auch im Grenzgebiet zur Türkei Spuren hinterlassen. Hier erholen sich Rebellenkämpfer, treffen sich mit Oppositionspolitikern. Sie glauben fest an den Sieg, wissen aber nicht, was danach kommen soll.

          Den Kampf für die Freiheit haben sie nur knapp überlebt. Nun kämpfen sie gegen Langeweile und Resignation. Untergebracht in den Räumen eines umfunktionierten Jugendzentrums in der südtürkischen Grenzstadt Reyhanli, bewacht von privaten Sicherheitskräften und geduldet von den lokalen Behörden, kurieren junge Männer aus dem Norden Syriens ihre Kriegsverletzungen aus. Im Moment sind es 35, doch es kommen jeden Tag neue dazu.

          Sie stammen aus Homs, Latakia oder Aleppo, liegen jetzt in spärlich eingerichteten, aber leuchtend bunt gestrichenen Zweibettzimmern. Sie haben Schusswunden, ihre Arme oder Beine sind von Granatsplittern zerfetzt und wieder zusammengeflickt worden. Junge Männer, die erschöpft und traumatisiert wirken und hier die Zeit totschlagen, während die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) sich für die entscheidenden Schlachten in Aleppo und Damaskus rüsten.

          In einem der Zimmer starren zwei der Verwundeten auf den Fernsehschirm. Ein Imam rezitiert Koranverse. Im Raum nebenan läuft ein arabischer Musiksender, während ein junger Mann mit einer Totenkopf-Tätowierung auf dem Oberarm und mehreren Verbänden an Bauch und Schulter matt und bewegungslos auf dem Bett liegt. Er sei aus Homs, sagt sein Zimmergenosse mit einem Blick auf seinen Nachbarn, und bei den Gefechten in seiner Stadt beinahe getötet worden. Ob sie denn auch gekämpft hätten gegen Assads Männer? Der Junge nickt, in seinen Augen blitzt kurz Stolz auf, aber er schweigt.

          Zwei Ärzte und vier Pfleger versorgen Verwundete

          Wassim Taha, den hier alle nur Abu Omar nennen, begleitet jeden Besucher und achtet darauf, dass die Patienten nicht zu viel von sich erzählen. Besonders ihre Namen sollen geheim bleiben. Aus Sicherheitsgründen, weil die meisten noch Familie auf der anderen Seite der Grenze haben. Zudem will Taha offensichtlich vermeiden, dass die von ihm geleitete Krankenstation als Sammelbecken für FSA-Kämpfer verstanden wird. Er spricht lieber von „verwundeten Flüchtlingen“.

          In seinem früheren Leben war er Modedesigner in der syrischen Hafenstadt Latakia, später arbeitete er bei einer Menschenrechtsorganisation und leitet jetzt die türkische Niederlassung der Föderation der Syrischen Medizinischen Hilfsorganisationen (UOSSM). Es ist ein Verein mit Sitz in Paris, der kurz nach Ausbruch der Unruhen gegründet wurde und Lazarette in syrischen Krisenregionen und den Grenzgebieten der Nachbarländer betreibt. Zwei Ärzte und vier Krankenpfleger kümmern sich in Reyhanli um Verwundete, die das Gröbste überstanden haben. Die Schwerverletzten, die über die Grenze nach Hatay kommen, werden zunächst im Krankenhaus der Provinzhauptstadt Antakya stabilisiert, dann werden sie zur weiteren Versorgung auf die Krankenstation der UOSSM gebracht.

          Syrische Ärzte dürfen in der Türkei nicht behandeln, und auch die Unterbringung verletzter Flüchtlinge außerhalb der offiziellen Zeltlager des Türkischen Roten Halbmondes ist nicht gern gesehen. Aber die Verantwortlichen drückten ein Auge zu, erzählt Wassim Taha, während er durch eine leerstehende Kellerwohnung in der Nähe der Krankenstation geht, in der sich das Medikamentenlager der Organisation befindet.

          Türkei schließt Grenzübergang von Cilvegözü

          In provisorischen Sperrholzregalen stapeln sich Verbandszeug, Injektionsflüssigkeit und fiebersenkende Medikamente neben Hustensaftflaschen und Cortisol-Tabletten. Drei freiwillige Helfer sitzen auf dem Fußboden und rollen haufenweise Mullbinden zu faustgroßen Kompressen zusammen, um damit Erste-Hilfe-Koffer zu bestücken. Diese werden regelmäßig von Aktivisten in die Feldlazarette auf der syrischen Seite geschafft. Heimlich, in lebensgefährlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen.

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