Home
http://www.faz.net/-gq9-7520j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Syrien Der Westen erwartet Assads Ende

Die Nato und die Vereinigten Staaten geben der syrischen Regierung keine lange Überlebenszeit mehr. Ähnlich lautende Aussagen eines russischen Spitzendiplomaten vom Vortag wurden aus Moskau indes dementiert.

© dapd Vergrößern Kämpfer der Freien Syrischen Armee tragen den Körper eines getöteten Kameraden durch die syrische Stadt Azaz

Angesichts der Rückschläge der Regierungstruppen in Syrien geht der Westen zunehmend von einem baldigen Zusammenbruch des Regimes von Präsident Baschar al Assad aus. „Ich denke, dass sich das Regime in Damaskus dem Kollaps nähert“, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstag in Brüssel. „Ich denke, es ist nur noch eine Frage der Zeit.“

Auch die Vereinigten Staaten erwarten ein baldiges Ende des syrischen Herrschers. „Wir glauben, dass die Tage von Assads Regime gezählt sind“, sagte Victoria Nuland, Sprecherin im amerikanischen Außenministerium. Zwar könne niemand die Zukunft voraussehen. Aber die Opposition habe in letzter Zeit entscheidende Erfolge erzielt. Das Regime in Damaskus greife in letzter Verzweiflung immer mehr zur Gewalt gegen das eigene Volk.

Die russische Regierung, bislang ein enger Verbündeter Syrien, hat indessen angebliche Aussagen eines ihrer Spitzendiplomaten über einen möglicherweise bevorstehenden Sieg der Rebellen dementiert. Vizeaußenminister Michail Bogdanow habe in jüngster Zeit keine Stellungnahmen oder Interviews zu Syrien gegeben, teilte das russische Außenministerium mit. Er habe in einer Ansprache am Donnerstag lediglich die Position der syrischen Rebellen zitiert. Mehrere russische Nachrichtenagenturen hatten Bogdanow am Donnerstag mit den Worten zitiert, Assad verliere die Kontrolle über sein Land, und die Rebellen in Syrien könnten den Bürgerkrieg gewinnen. Die Aussagen hatten im Westen Hoffnung geweckt, Moskaus könnte bei seiner Syrien-Politik einlenken. 

Gerüchte über Raketeneineinsatz

Nato-Generalsekretär Rasmussen kritisierte den Einsatz von Raketen gegen die syrische Bevölkerung. „Die Raketen wurden innerhalb Syriens abgefeuert und landeten auch innerhalb Syriens.“ Es gebe „einige Informationen“, dass es sich um Scud-Raketen handele. „Der Einsatz dieser Waffen zeigt eine völlige Missachtung des Lebens syrischer Bürger.“ Damaskus dementierte den Einsatz von Scud-Raketen.

Unterdessen wächst in Syrien die Kritik an der Entscheidung Washingtons, die Al-Nusra-Front zur Terrororganisation zu erklären. An diesem Freitag wollen die Revolutionsaktivisten unter dem Motto „Es gibt keinen Terror in Syrien außer dem Terror von Assad“ demonstrieren. Zuvor hatte sich bereits ein Mitglied der syrischen Muslimbruderschaft negativ über diese Entscheidung der Vereinigten Staaten geäußert.

Die islamistische Al-Nusra-Front kämpft gegen das Assad-Regime, zum Teil Seite an Seite mit anderen Rebellenbrigaden. Die Gruppe hat zudem zahlreiche Sprengstoff- und Selbstmordanschläge auf Soldaten und staatliche Einrichtungen verübt. Der Al-Nusra-Front gehören auch Kämpfer aus anderen islamischen Ländern an.

Zahlreiche Tote in Damaskus

Durch die Detonation einer Autobombe in Katana, einem Vorort von Damaskus, starben laut Berichten von Anwohnern 16 Menschen, 20 wurden verletzt. Die Attacke soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben. Ein Augenzeuge berichtete, in der Innenstadt sei das Ministerium für Soziales und Arbeit evakuiert worden. Experten hätten eine Autobombe in der Nähe des Gebäudes entschärft.

Die Syrische Soziale Nationale Partei (SSNP) teilte mit, der Parlamentarier Abdullah Kairus, ein Mitglied ihres Politbüros, sei bei dem Anschlag auf das Innenministerium am Vortag ums Leben gekommen. Hinter dem Gebäude waren nach Angaben regierungsnaher Medien zwei Sprengsätze detoniert. Nach inoffiziellen Angaben starben insgesamt neun Menschen.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter berichtete, landesweit habe es am Donnerstag 50 Todesopfer gegeben, darunter acht Angehörige der Regierungstruppen. Diese seien bei Gefechten in Aleppo getötet worden.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa, Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Einsatz über dem Irak Iran bestätigt Luftangriffe auf IS-Truppen

Erst hatte Iran dementiert, nun bestätigt es Luftangriffe auf Stellungen des Islamischen Staats - und kündigt eine Antiterrorkonferenz an. Kämpfer des IS greifen derweil nach einem strategisch wichtigen Militärflughafen in Ostsyrien. Mehr

06.12.2014, 11:28 Uhr | Politik
Ostukraine Heftige Angriffe auf Donezk

Bewohner der Stadt haben am Mittwoch berichtet, dass die ukrainische Luftwaffe bei ihren Angriffen Raketen abgefeuert habe. Die Regierungstruppen rückten im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben weiter gegen Stellungen von Rebellen vor. Mehr

11.11.2014, 13:24 Uhr | Politik
Syrien Drusen rufen zum Kampf gegen Assad auf

Der Drusenführer Walid Dschumblat im Libanon hält den Einsatz des Westens gegen den Islamischen Staat für verfehlt. Wenn sich Iran, Saudi-Arabien, die Türkei, Amerika und Russland nicht einigten, werde der Syrien-Krieg noch sehr lange dauern. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

05.12.2014, 16:08 Uhr | Politik
Kämpfe in Donezk werden heftiger

Rebellen und Regierungstruppen streben die Kontrolle über den Flughafen an. Mehr

04.10.2014, 12:57 Uhr | Politik
Naher Osten Syrien meldet Angriffe israelischer Kampfjets

Israelische Kampfflugzeuge sollen zwei Ziele in Syrien angegriffen haben. Getroffen wurden demnach Anlagen unter Kontrolle der Regierung nahe Damaskus und Dimas. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

07.12.2014, 17:28 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.12.2012, 21:50 Uhr

Kampf für den Westen

Von Berthold Kohler

Berlin betritt mit dem Beschluss, militärische Ausbilder in den Nordirak zu schicken, unsicheres Terrain. Doch man muss den Kurden im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ helfen, so gut es nur geht. Mehr 10 8