Der syrische Präsident Baschar al Assad ist am Mittwoch im Zentrum von Damaskus vor Tausenden Anhängern aufgetreten. Wieder sprach Assad, der sich erst am Dienstag an die Öffentlichkeit gewandt hatte, von einer „Verschwörung“, mit der sein Land konfrontiert sei, und von „Terrorismus“, den es zu bekämpfen gelte. Er forderte sein Volk ferner auf, sich der Verwestlichung entgegenzustellen. „Ich fühle die gleiche Liebe für euch, die ihr für mich empfindet“, rief er den Syrern zu. Er wünsche, Gott hätte ihm „ein größeres Herz geschenkt“, damit er seinem großartigen Volk mehr Freundschaft und Liebe geben könne.
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in Syrien seit März mehr als 5000 Menschen getötet worden, seit der Ankunft der Beobachter der Arabischen Liga zu Monatsbeginn waren es demnach rund 400. Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice sagte, die Opferzahlen seien mit etwa 40 Toten pro Tag noch höher als vor der Ankunft der Beobachter.
Französischer Journalist getötet
In der Protesthochburg Homs wurde am Mittwoch erstmals seit Beginn der Proteste ein westlicher Journalist getötet. Der Sender France 2 bestätigte am Mittwoch den Tod des Reporters Gilles Jacquier. Der langjährige Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France 2 gehörte zu einer Gruppe von ausländischen Reportern, die auf Einladung der Regierung an einer Demonstration von Regimeanhängern teilgenommen hatte. Der Demonstrationszug wurde nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mit Mörsergranaten beschossen. Dabei sind der Franzose sowie acht Syrer getötet worden, wie Sana weiter berichtete.
Bei den Tätern handele es sich um „bewaffnete Terroristen“. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Außenminister Alain Juppé verurteilten die Tat. Juppé verlangte eine Aufklärung der Todesumstände. In einer Erklärung forderte er die syrische Führung zudem auf, für die Sicherheit ausländischer Journalisten zu sorgen und die Pressefreiheit zu schützen. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, ein weiterer westlicher Reporter sei verletzt worden. Nach Angaben des internationalen Presseinstituts IPI handelt es sich um einen Belgier. In anderen Berichten war von einem Niederländer die Rede.
Der algerische Beobachter Anwar Malek trat derweil empört von seinem Posten zurück. Die Mission der Arabischen Liga, die das Blutvergießen in Syrien beenden soll, bezeichnete er gegenüber dem Sender Al Dschazira als „Farce“. „Ich hatte das Gefühl, dass meine Arbeit dem Regime dient“, sagte Malek. Er sprach von Scharfschützen, die auf Zivilisten schössen, von Folter und verängstigten Kindern, die ausgehungert würden. Assads Sicherheitskräfte hätten ihre Panzer nicht abgezogen sondern lediglich versteckt und nach der Abreise der Beobachter wieder vorrücken lassen. Oberst Akram Mohammed Hussein, der Bürochef des Leiters der Beobachtermission der Liga in Damaskus, sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur, Anwar Malek habe aus gesundheitlichen Gründen um seine Entlassung gebeten.
Unterdessen darf ein offenbar mit Waffen für das Assad-Regime beladenes Schiff, das zwischenzeitlich von den Behörden Zyperns am Auslaufen aus dem Hafen von Limassol gehindert worden war, seine Fahrt nach Angaben aus der Hauptstadt Nikosia nun fortsetzen. Der Kapitän habe zugesagt, nicht den Bestimmungsort Syrien anzusteuern, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch nach Angaben zyprischer Medien. Es handelt sich demnach um ein russisches, unter der Flagge des Inselstaates St. Vincent fahrendes Schiff, das im Dezember von Petersburg aus in See gestochen war und bis zu 60 Tonnen Munition an Bord haben soll. Eine rauhe See zwang das Schiff, unplanmäßig den Hafen von Limassol anzusteuern. Angaben zur Fracht des Schiffes oder zu dem angeblich anzusteuernden neuen Hafen verweigerte der Regierungssprecher. In einer Stellungnahme des Außenministeriums hieß es, es sei festgestellt worden, dass keine Verletzung der Syrien betreffenden europäischen „Einschränkungen“ vorlägen.
Waffenlieferung in der Türkei abgefangen
Zuvor war in der Türkei offenbar ebenfalls eine Waffenlieferung an Damaskus abgefangen worden. Der türkische Zoll beschlagnahmte nach offiziellen Angaben vier Lastwagen in der Provinz Kilis, die direkt an der Grenze zu Syrien liegt. Bei der Fracht handelte es sich nach ersten Berichten um Waffen aus Iran. Der Vorfall werde untersucht, hieß es. Die Türkei hat im vergangenen November eigene Sanktionen gegen Syrien verhängt. Nach anfänglichem Zögern unterstützt inzwischen auch Ankara die syrische Opposition und unterhält in ihren Grenzprovinzen zu Syrien Zeltlager für Flüchtlinge.
In Zypern erregte die russische Waffenlieferung auch deshalb Aufsehen, weil eine Explosion von Munition im vergangenen Juli 13 Menschenleben gefordert und immensen Sachschaden angerichtet hatte. Damals handelte es sich nach vorherrschender Darstellung um aus Iran stammende Rüstungsgüter, die ebenfalls für Syrien bestimmt, aber von zyprischen Behörden beschlagnahmt worden waren.