In Syrien sind die Kämpfe zwischen der Armee und Rebellen bereits vor dem offiziellen Ende der Waffenruhe am Montagabend wieder eskaliert. Bei einem Autobombenanschlag in der Hauptstadt Damaskus wurden mindestens zehn Menschen getötet, 41 weitere verletzt. Die Autobombe detonierte in dem Vorort Dscharamana, wo überwiegend Drusen und Christen wohnen. Die rund 300.000 Einwohner des Viertels hatten sich lange gegen ein Übergreifen des Bürgerkrieges auf ihre Wohngegend gewehrt.
Bei der Frage, wer die Waffenruhe unterbrochen habe, weisen sich Armee und Rebellen gegenseitig die Schuld zu. Die syrischen Streitkräfte beschuldigten in einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung die Rebellen, das Land zu „zerstören“. Es gebe genügend Beweise, dass die Regimegegner „unverhohlen“ gegen die Feuerpause verstoßen hätten. Um Syrien zu retten, müsse gegen diese „Terroristen“ mit eiserner Faust vorgegangen werden.
Aktivisten verwiesen hingegen auf tödliche Luftschläge der Regierungstruppen. Am vierten und letzten Tag der Waffenruhe berichteten die oppositionellen Menschenrechtsbeobachter in London abermals über Einsätze von Kampfflugzeugen im Umland von Damaskus und in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze. Gekämpft wurde demnach auch weiter in Aleppo, Homs, Daraa und Hama. Seit Freitagmorgen starben nach Angaben von Aktivisten mindestens 500 Menschen.
Türkisches Militär feuerte umgehend zurück
UN-Vermittler Lakhdar Brahimi zeigte sich trotz des Bruchs der Waffenruhe optimistisch. Der algerische Diplomat sagte nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau der Agentur Interfax zufolge, er bedauere, dass die Waffenruhe gebrochen worden sei und beschrieb die Situation als „sehr, sehr gefährlich“. Das beeinträchtige aber nicht seine Bemühungen für einen Ausweg aus der Krise. Ein Blauhelmeinsatz werde nicht erwogen. Lawrow bekräftigte, dass Russland eine Rückkehr von Militärbeobachtern nach Syrien unterstütze, sobald die Gewalt beendet sei. Moskau gehört zu den wichtigsten Verbündeten der Regierung von Baschar al Assad in Damaskus.
Die Gewalt griff abermals auch auf die Türkei über. Nachdem ein syrisches Artilleriegeschoss auf einem Feld in der Nähe des türkischen Dorfes Besaslan etwa 300 Meter von der Grenze entfernt eingeschlagen war, feuerte das türkische Militär umgehend zurück.
Bei dem Granateneinschlag wurde nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu niemand verletzt. Die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus sind angespannt, weil seit einigen Wochen immer wieder aus Syrien abgefeuerte Granaten auf türkischem Territorium einschlagen. Es gab bereits mehrere Tote.
Wer allerdings genau hinter den Angriffen steckt, ist nach wie vor unklar. Die Türkei befürchtet, dass auch die PKK den Konflikt nutzt, um von Kurden bewohnte Gebiete in Nordsyrien dauerhaft unter ihre Kontrolle zu bringen und einen Kurdenstaat zu errichten. Auch die Vereinigten Staaten haben Zweifel an der Herkunft der Granaten. „Wir sind nicht sicher, ob diese Granaten von der syrischen Armee, von Rebellen, die die Türkei in den Konflikt ziehen wollen, oder von der PKK stammen“, erklärte der Oberbefehlshaber der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa, Generalleutnant Mark P. Hartlin, am Sonntag im türkischen Nachrichtensender NTW. Die PKK wird von der Türkei als Terrororganisation eingestuft.
