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Reaktionen auf IAEA-Bericht Netanjahu: Iran steuert auf „rote Linie“ zu

Israel und Amerika sprechen nach dem jüngsten IAEA-Bericht angesichts der Urananreicherung in Iran von einer möglichen Provokation. Teheran hingegen will den Bericht als Beweis für friedliche Atomnutzung verstanden wissen.

© dpa Vergrößern Neue Zentrifugen für Natans: Die iranische Atomanlage auf einem Archivbild aus dem Jahr 2005.

Die Fortschritte Irans bei der Urananreicherung verstärken international die Sorge vor einer möglichen atomaren Bewaffnung des Landes. Die amerikanische Regierung sieht in der Installation verbesserter Zentrifugen eine weitere Verletzung der Anforderungen des Weltsicherheitsrats. Nach Ansicht des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist Teheran der Möglichkeit zum Bau einer Atombombe näher denn je. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Iran neue effizientere Zentrifugen für die Urananreicherung in einer Atomanlage in Natans installiere.

„Es wäre eine weitere Provokation“, sagte eine  Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums. „Wir haben es bereits früher erlebt, dass das Land kurz vor diplomatischen Gesprächen neue Aktivitäten ankündigt.“

Die sogenannte 5+1-Gruppe aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland will am kommenden Donnerstag in Kasachstan neue Gespräche mit Iran über sein umstrittenes Atomprogramm aufnehmen. Dabei wollen sie Teheran auch ein neues Angebot unterbreiten.

Netanjahu verweist auf „rote Linie“

Netanjahu bezeichnete den IAEA-Bericht als „sehr ernst“. Iran steuere mit seiner Urananreicherung rasch auf eine „rote Linie“ zu, hieß es in einer von seinem Büro verbreiteten Erklärung. Gemeint ist die „rote Linie“, die Netanjahu bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung im September 2012 aufgezeigt hat. Sie markiert den Zeitpunkt, ab dem Iran nach Ansicht Netanjahus notfalls gewaltsam vom Bau der Atombombe abgehalten werden müsse. Dies sei der Fall, wenn Iran die zweite Phase der Urananreicherung auf eine mittlere Konzentration von etwa 20 Prozent abgeschlossen habe, hatte er damals erklärt.

Viele Staaten verdächtigen das islamische Land seit Jahren, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an Nuklearwaffen zu arbeiten. Da Iran nicht ausreichend mit den IAEA-Inspektoren zusammenarbeitet, kann die Atombehörde dies auch nicht mehr ausschließen. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits mehrfach Strafsanktionen verhängt. Teheran bestreitet alle Vorwürfe.

„Iran hat eine Wahl. Wenn es dem Land nicht gelingt, die Bedenken der internationalen Gemeinschaft auszuräumen, wird es mehr Druck spüren und weiter isoliert werden“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. „Die Last der Sanktionen könnte verringert werden, aber Iran muss beweisen, dass die geäußerte Verhandlungsbereitschaft auch in konkreten Maßnahmen mündet.“ Hinsichtlich der Gespräche am kommenden Donnerstag seien Irans Verhandlungspartner sich einig und gut auf „ernste und substantielle“ Diskussionen vorbereitet, sagte Carney.

Man werde Teheran bei dem Treffen ein „aktualisiertes Angebot machen, das neue substantielle Elemente enthält“, bestätigte das französische Außenministerium. Zu Details gab es zunächst keine Angaben. Grundlage des Ansatzes blieben vertrauensbildende Maßnahmen. Das Angebot könnte die Lockerung bestimmter Sanktionen beinhalten, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Wien. Dafür müsse Teheran aber bestimmte Forderungen wie den Verzicht auf die 20-prozentige Urananreicherung und das Schließen der dafür notwendigen Anreicherungsanlage in Fordo erfüllen.

Iran bestreitet weiterhin Vorwürfe

Der IAEA-Bericht zeige nach Ansicht Irans, dass das Atomprogramm des Landes keine militärischen Zwecke erfüllt. „Nach zehn Jahren der Inspektionen hat der Bericht abermals bewiesen, dass es keine militärische Abzweigung gegeben hat“, sagte der iranische IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh am Freitag der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Der Report dokumentiere zudem, dass die Urananreicherung ohne jegliche Probleme und unter voller Aufsicht der IAEA verlaufe.

Aus dem IAEA-Bericht geht hervor, das Iran einen Teil seines höher angereicherten Urans inzwischen in Brennstoff für einen Forschungsreaktor umgewandelt hat. Damit ist es für die mögliche Verwendung in einer Atombombe unbrauchbar. Statt 280 Kilo besitze das Land nun nur noch 167 Kilo höher angereichertes Uran und liege so unter der Menge von 250 Kilo, die man für eine Bombe braucht, hieß es.

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Quelle: FAZ.NET

 
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