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Palästina Boykott, Sanktionen und Desinvestition

Junge Palästinenser rufen zum Boykott Israels auf, um sich gegen die Besatzung zu wehren. Auch prominente Ausländer sind der Aufforderung schon gefolgt.

© picture alliance / landov Vergrößern Campieren verboten: Israelische Soldaten entfernen ein Zelt, das Palästinenser am Wochenende während der Konferenz der Initiative „Boykott, Desinvestition und Sanktionen“ nahe der Siedlung Bat Ayin errichtet hatten

Stephen Hawking war noch nie in den Palästinensergebieten. Trotzdem ist der britische Physiker dort für viele ein Held. Das liegt weniger an Hawkings Forschungen über die Schwarzen Löcher. Der an den Rollstuhl gefesselte Astrophysiker hat seine Teilnahme an der „Präsidentenkonferenz“ in Jerusalem abgesagt, auf der am 18. Juni der 90. Geburtstag des israelischen Staatsoberhauptes Schimon Peres gefeiert wird. Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton und die Schauspielerin Barbra Streisand werden kommen. Nicht weniger stolz waren die israelischen Veranstalter auf die Zusage des britischen Wissenschaftlers, der es sich dann anders überlegt hat: Palästinensische Akademiker, die zu einem Boykott Israels aufrufen, hätten ihn davon überzeugt, dass es derzeit nicht richtig sei, nach Israel zu reisen, schrieb Hawking in seinem Absagebrief, in dem er vor den „katastrophalen“ Folgen der israelischen Politik in den besetzten Gebieten warnte.

Gewaltloser Widerstand

Hawking ist nicht der erste prominente Ausländer, der Israel meidet. Vor ihm haben schon Künstler wie Elvis Costello und Carlos Santana auf geplante Konzerte in dem Land verzichtet. Mit ihren Absagen enttäuschen sie zwar ihre israelischen Fans. Aber unter Palästinensern gewinnen sie dafür neue Anhänger hinzu: Immer mehr Bewohner der Autonomiegebiete wollen nichts mehr mit ihren israelischen Nachbarn zu tun haben, solange die Armee das Westjordanland besetzt hält. Und sie hoffen, dass die ausbleibenden Besucher aus dem Ausland den Israelis deutlich machen, wie isoliert sie mit ihrer Politik sind.

Seit Wochen bemüht sich der amerikanische Außenminister John Kerry die vor 20 Jahren in Oslo begonnenen Friedensgespräche wieder in Gang zu bringen und Israelis und Palästinenser an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Nicht nur die palästinensische Führung ist skeptisch, dass das gelingt. „Die Oslo-Abkommen sind gescheitert. Es ist Zeit zu handeln“, verlangt Omar Barghouti. Damit meint der junge Palästinenser, der in New York Ingenieurwissenschaften studiert hat, keine neue Intifada, sondern eine andere Art gewaltlosen Widerstands.

Ausschließlich gegen die Besatzung

„Wir sind gegen die israelische Besatzung und verlangen, dass das Völkerrecht durchgesetzt wird, so wie es die internationale Gemeinschaft mit Südafrika getan hat, als dort Apartheid herrschte“, erläutert Barghouti, der zu den wichtigsten palästinensischen Köpfen hinter der BDS-Initiative gehört. „BDS“ steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ (Boykott, Desinvestition und Sanktionen) und ist zugleich das Programm der Kampagne, die im Jahr 2005 nach einem entsprechenden Aufruf von mehr als 170 palästinensischen Organisationen gegründet wurde.

24766650 © AFP Vergrößern Der Protest geht weiter: Ein Palästinenser protestiert gegen israelische Kriegsverbrechen

„Wir sind dagegen, Juden zu boykottieren, weil sie Juden sind, oder Firmen, weil sie in jüdischem Besitz sind. Wir sind nur gegen die israelische Besatzung“, erwidert Omar Barghouti, wenn seine Kampagne in die Nähe des Boykotts gerückt wird, den einst die Nazis gegen Juden organisiert hatten. „In Deutschland ist es besonders schwer, die ideologische Oberfläche zu durchdringen und eine rationale Debatte zu führen“, beklagt sich Barghouti, der schon deutschen Diplomaten seine Ideen erläuterte, die im Westjordanland und im Gazastreifen immer mehr Anhänger finden.

„Besetzer plündern das Land aus“

Die 500 Stühle in der größten Halle der Universität von Bethlehem reichten vor wenigen Tagen nicht aus, als dort die „Vierte nationale BDS-Konferenz“ tagte. Omar Barghouti schätzt die Teilnehmerzahl auf mindestens 700. „Das ist bei weitem die größte und erfolgreichste Konferenz“, meint er zufrieden. Nach der palästinensischen Nationalhymne versicherten in Bethlehem der frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu und der Sänger Roger Waters von der Gruppe Pink Floyd ihre Unterstützung. „Wir sind Zeugen der Wiedergeburt der palästinensischen Nationalbewegung. Wir brauchen eine neue Strategie. Die Israelis haben schon längst der neuen Initiative des amerikanischen Außenministers Kerry den Garaus gemacht“, sagt der frühere palästinensische Präsidentschaftskandidat Mustafa Barghouti.

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