Home
http://www.faz.net/-gq9-7ba91
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Mursi-Anhänger Wieder Tote bei Protesten in Ägypten

In Ägypten dauern die Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Mursi und Sicherheitskräften an. Bei den Protesten kamen in der Nacht zum Dienstag abermals mehrere Menschen ums Leben, hunderte wurden verletzt.

© REUTERS, reuters Vergrößern Krawalle bei Protesten in Ägypten

Die Stimmung in Ägypten bleibt aufgeheizt. Bei Protesten von Tausenden Anhängern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi wurden in der Nacht zum Dienstag in Kairo nach ersten Angaben sieben Menschen getötet und beinahe 300 verletzt. Am Montagabend hatten die Sicherheitskräfte Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten eingesetzt, die eine wichtige Nilbrücke blockierten und Steine auf vorrückende Polizisten warfen.

Die Auseinandersetzungen dauerten auch nach Mitternacht weiter an, berichteten die Zeitung „Al-Ahram“ online und der arabische Nachrichtensender Al Dschazira. Am frühen Dienstagmorgen wurde die Brücke geräumt und wieder für den Verkehr geöffnet. In Kairo waren noch Tausende Mursi-Anhänger auf der Straße. Auch aus anderen Städten Ägyptens wurden Pro-Mursi-Demonstrationen gemeldet.

Mehr zum Thema

Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, gab an, Dutzende seien verletzt worden, als Tränengas- und Gummigeschosse auf friedliche Protestierende auf dem Ramses-Platz in Kairo abgefeuert worden seien. Nach Angaben des Nachrichtensenders Al Dschazira gab es Dutzende Festnahmen. Die Demonstranten wollen ihre Proteste so lange fortsetzen, bis der gestürzte Präsident freigelassen wird und wieder im Amt ist.

Bei einem Besuch in Kairo rief der stellvertretende amerikanische Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige amerikanische und auch westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht.

Presidential handover aftermath © dpa Vergrößern Tausende protestierten am Montagabend in Kairo

„Wir werden nicht versuchen, irgendein Modell aufzuzwingen“, erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf „gewisse demokratische Prinzipien“.

Der amerikanische Nahost-Diplomat will bis Dienstag in der Nil-Metropole bleiben. Die Vereinigten Staaten verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Die Vereinigten Staaten unterstützen Ägypten mit jährlichen Hilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Davon sind 1,3 Milliarden Dollar für das Militär bestimmt. Diese Zahlungen müssten nach amerikanischer Rechtslage eingestellt werden, falls Washington den Umsturz als Militärputsch einstuft.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Terrorangriff in Ägypten IS-Ableger tötet mindestens 20 Menschen

Auf der Halbinsel Sinai haben IS-Sympathisanten mehrere Stützpunkte und ein Hotel angegriffen. Die Terroristen schossen mit Granaten und zündeten Autobomben. Mehr

30.01.2015, 07:34 Uhr | Politik
Polizei geht gewaltsam gegen Demonstranten vor

Die Proteste für mehr Demokratie in Hongkong gehen weiter. Wieder gingen tausende Menschen auf die Straße. Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray ein und nahmen Dutzende Anhänger der Protestbewegung fest. Mehr

15.10.2014, 08:26 Uhr | Politik
Ägypten Zurück in bleiernen Zeiten

Vier Jahre liegt der Beginn des Aufstands gegen Husni Mubarak zurück. Es folgten ein Intermezzo der Muslimbrüder und ein Putsch des Militärs. Doch die Aktivisten von damals geben nicht auf. Ein Besuch in der Revolutionshochburg Alexandria. Mehr Von Markus Bickel, Alexandria

25.01.2015, 12:32 Uhr | Politik
Demonstrationen und Krawalle nach Todesschuss

Seit dem Tod eines Achtzehnjährigen gibt es im amerikanischen Ferguson heftige Auseinandersetzungen. Die Demonstranten warfen mit Feuerwerkskörpern und Molotow-Cocktails. Die Polizei antwortete mit Tränengas. Mehr

15.08.2014, 09:26 Uhr | Politik
Ausschreitungen in Hannover Dutzende Verletzte und Festnahmen bei Anti-Hagida-Demo

Bei einer Demonstration gegen den Ableger der islamkritischen Pegida-Bewegung ist es in Hannover zu Ausschreitungen zwischen beiden Lagern gekommen. Dutzende Menschen wurden verletzt, es gab 42 Festnahmen. Mehr

27.01.2015, 09:49 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.07.2013, 12:20 Uhr

Das Großstadttrauma der CDU

Von Reiner Burger, Düsseldorf

Eine Großstadt nach der anderen geht für die CDU verloren, Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Aber nicht das fehlende Stadtgefühl der Konservativen ist das Problem. Mehr 4 10