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Medienberichte über Truppenbewegungen : Türkische Luftwaffe drängt syrischen Hubschrauber ab

  • -Aktualisiert am

Türkische Panzer am Freitag nahe der syrischen Grenze in Sanliurfa Bild: AFP

Die türkischen Streitkräfte verstärken offenbar ihre Präsenz im Grenzgebiet zu Syrien. Nach einem Medienbericht verlegt die Türkei Kampfjets und Panzer in den Süden des Landes. Ein syrischer Hubschrauber wurde daran gehindert, sich der türkischen Grenze zu nähern.

          Im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei ist es am Freitag offenbar zu einer neuerlichen Eskalation des Konflikts beider Staaten gekommen. Laut offiziell zunächst nicht bestätigten Angaben aus Ankara drängte ein türkisches Kampfflugzeug einen syrischen Hubschrauber ab, der den von Freischärlern gehaltenen grenznahen syrischen Ort Asmarin habe angreifen wollen. Zuvor hatte die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die Luftwaffe habe 15 Kampfflugzeuge aus anderen Landesteilen ins südostanatolische Diyarbakir verlegt. Zudem sei die Zahl der Panzer im Grenzgebiet um noch einmal 60 auf jetzt 250 erhöht worden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Außenminister Westerwelle will wegen der wachsenden Spannung an diesem Samstag auf der Rückreise aus China nach Deutschland in der Türkei einen ursprünglich nicht geplanten Zwischenstopp einlegen. Er wolle der Türkei durch sein Treffen mit dem türkischen Außenminister Davutoglu ein Zeichen der Solidarität geben, sagte Westerwelle am Freitag in China. Übergriffe von Syrien seien nicht akzeptabel. Zu dem von der Türkei am Donnerstag wegen mutmaßlicher Waffenlieferungen zur Landung gezwungenen syrischen Passagierflugzeug sagte Westerwelle, der Sachverhalt müsse noch geklärt werden, es sei aber nicht akzeptabel, dass Waffen an das syrische Regime geliefert werden.

          Ein türkischer F-16-Kampfjet über der Luftwaffenbasis Incirlik in der Südtürkei

          Die Vereinigten Staaten sprachen der türkischen Regierung Unterstützung zu: „Wir unterstützen die Entscheidung der türkischen Regierung, das Flugzeug zu untersuchen“, teilte eine Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums mit. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte am Donnerstagabend gesagt, an Bord des aus Moskau kommenden syrischen Flugzeugs seien militärische Ausrüstungsgegenstände und Munition für das Verteidigungsministerium Syriens sichergestellt worden. Die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“ berichtete von zwölf Raketenteilen, die an Bord gefunden worden seien. In Russland seien die militärischen Güter auf dem Luftwaffenstützpunkt Tula, 200 Kilometer von Moskau entfernt, geladen worden. Erst danach habe die Maschine in Moskau Passagiere an Bord genommen, hieß es. Die türkische Regierung will nun Nato-Fachleute zur Untersuchung der Ladung hinzuziehen.

          Ein Sprecher des Außenministeriums in Damaskus wies die türkische Darstellung zurück und verurteilte die „feindselige Politik“ der Türkei. Auch Russland bestreitet, dass sich an Bord des syrischen Flugzeugs, das von der türkischen Luftwaffe am Mittwoch in Ankara zur Landung gezwungen worden war, Munition für Präsident Assads Militär befunden habe. Ein russischer Geheimdienstler sagte der Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Freitag, wenn die Türken militärisches Material sichergestellt hätten, würden sie das mit Sicherheit von morgens bis abends auf sämtlichen Fernsehkanälen zeigen.

          Wahrscheinlich sei die ganze Angelegenheit Teil eines Informationskriegs der Türkei und einiger anderer Länder gegen Syrien, der von amerikanischen Geheimdiensten gesteuert werde. Die russische Zeitung „Kommersant“ hatte zuvor unter Hinweis auf anonyme Gewährsleute mit guten Kontakten zur Behörde für militärisch-technische Zusammenarbeit berichtet, in dem syrischen Flugzeug seien Teile für die von den Syrern benutzten Radarsysteme zur Luftabwehr und technische Anleitungen transportiert worden.

          Türkische Soldaten und Panzer vor der Gecimili Militärbasis im Südosten des Landes. Das Bild stammt von Anfang August.

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