Die libysche Regierung bemüht sich um eine friedliche Lösung des Konflikts um das von Milizionären belagerte Bani Walid. Einen Tag nach dem Angriff auf die 170 Kilometer südlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Stadt sagte Ahmed Langhi, ein Abgeordneter des Nationalkongresses, der Zeitung „Libya Herald“, Parlamentspräsident Muhammad Magaryaf arbeite daran, vor Beginn des muslimischen Opferfestes nächste Woche einen Kompromiss zwischen den verfeindeten Milizen zu finden. Zugleich gestand er ein, dass die „jungen Männer“ der formal dem Verteidigungsministerium unterstellten Brigade „Libyscher Schild“ schwer zu kontrollieren sind.
Deren Kämpfer hatten Bani Walid am Mittwoch angegriffen, nachdem die Stadt zuvor von drei Seiten belagert worden war. Nach Angaben von Ärzten des örtlichen Krankenhauses sollen dabei mehr als zehn Menschen getötet und Dutzende verwundet worden sein. Ob es den Augenzeugen zufolge unter der Flagge der libyschen Armee operierenden Milizionären gelang, die Stadt einzunehmen, war am Donnerstag unklar.
Ein Racheakt
Der Angriff war ein Racheakt für die Folterung und Tötung des aus Misrata stammenden Omran Ben Shabaan statt. Er war im Oktober 2011 an der Gefangennahme des kurz danach getöteten Machthabers Muammar al Gaddafi beteiligt. Der 22 Jahre alte Mann stammte aus Misrata, einer der Hochburgen der Rebellion gegen Gaddafi, die während des Aufstands monatelang von den Truppen des Diktators belagert und mit Artillerie beschossen worden war. Bani Walid war eine Hochburg Gaddafis. Nach der Tötung Shabaans verlangte der libysche Nationalkongress, die dafür Verantwortlichen müssten, „wenn nötig, mit Gewalt“, ausfindig gemacht werden. Sie werden in Bani Walid vermutet.
Ob der Angriff am Mittwoch mit Genehmigung der Armeeführung stattfand, ist weiter offen. Armeesprecher Ali al Sheikhi bestritt, dass ein Befehl zum Einnehmen der Stadt gegeben worden sei. Stabschef Yusuf Mangusch hingegen sagte in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Lana zitierten Stellungnahme, staatliche Kräfte stünden bereit, in Bani Walid einzumarschieren. Nach den worten des Abgeordneten Langhi operierten die Kämpfer des „Libyschen Schildes“ außerhalb der Kontrolle des Militärs. In den vergangenen Wochen gab es zunehmend Spannungen zwischen den Städten Bani Walid und Misrata. Sie verschärften sich, nach der Entführung Shaabaans wurde.
Sondergesandter in Tripolis
Am vergangenen Wochenende hatten Regierungsvertreter ein Abkommen zwischen den verfeindeten Milizen vermittelt, das durch den Angriff auf die Stadt gebrochen wurde. Auch die Sondermission für Libyen der Vereinten Nationen (Unsmil) unterstützt die Vermittlungsbemühungen. Der neue Unsmil-Sondergesandte Tarek Mitri trat am Donnerstag sein Amt in Tripolis an.
Mitri versprach, den am Dienstag mit der Zusammenstellung eines Kabinetts betrauten designierten Regierungschef Ali Zaidan beim demokratischen Übergang des Landes zu unterstützen. Die größte Herausforderung der neuen Führung ist es, die zahlreichen Milizen des Landes unter Kontrolle des Staates zu stellen oder aufzulösen.
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