Die Luftwaffe des libyschen Diktators Gaddafi hat am Donnerstag erste Angriffe auf die Rebellen-Bastion Benghasi geflogen. Ausländische Fernsehsender berichteten, dabei sei unter anderem der etwas außerhalb gelegene Flughafen angegriffen worden. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte einen Sprecher der Rebellen mit den Worten, zwei der Kampfflugzeuge seien abgeschossen worden. Ein Oppositionssprecher sagte dem Sender Al Dschazira, das Bombardement des Flughafens habe zunächst keine Schäden angerichtet. Die Angriffe schienen eine „Warnung“ an die Rebellen und eine „Herausforderung der internationalen Gemeinschaft“ gewesen zu sein. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz verlegte seine ausländischen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen in die nahe der ägyptischen Grenze liegende Stadt Tobruk.
Am Donnerstag teilte staatliche Nachrichtenagentur Jana mit, die Armee werde in der Nacht zum Sonntag um Mitternacht ihre Angriffe aussetzen, um den Rebellen Zeit zu geben, sich zu ergeben. Aufständische könnten mit einer Amnestie rechnen, wenn sie die Waffen niederlegten. Schon am Montag hatte Militär angekündigt, Soldaten, die zu den Regimegegnern übergelaufen seien, würden straffrei bleiben, wenn sie sich den Regierungstruppen stellten. Die Führung in Tripolis versucht offenbar, die Regimegegner einzuschüchtern und sie zugleich mit Amnestieangeboten zur Aufgabe zu bewegen.
Flugverbotszone weiterhin umstritten
Der UN-Sicherheitsrat kam in New York zu abschließenden Beratungen über einen Resolutionsentwurf zur Lage in Libyen zusammen. In dem Entwurf, der von Frankreich, Großbritannien und dem Libanon eingebracht wurde, werden dem Vernehmen nach „alle notwendigen Maßnahmen“ zum Schutz von Zivilisten mit Ausnahme des Einsatzes von Bodentruppen autorisiert. An dem Text der Resolution wurden aber noch kurz vor Beginn der Sitzung Änderungen vorgenommen. Umstritten ist weiterhin die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen. Die amerikanische Regierung sprach sich in einer abrupten Kehrtwende ihrer Libyen-Politik am Donnerstag nicht nur für die Einrichtung einer Flugverbotszone aus, sondern forderte Maßnahmen zur Unterstützung der in ihrer Hochburg Benghasi bedrängten Rebellen auch am Boden.
In Brüssel bereitete die EU eine Ausweitung der Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime vor. Sie sollen schnell, möglichst bis zu einem EU-Gipfel Ende nächster Woche verhängt werden. Italien sträubt sich allerdings dagegen, auch gegen libysche Ölfirmen Sanktionen zu verhängen. Das träfe die Bevölkerung und komme angesichts der militärischen Lage ohnehin zu spät, lautet der Einwand aus Rom.
Die EU-Kommission teilte mit, dass unter den Flüchtlingen, die Libyen verließen, immer mehr Libyer selbst zu finden seien. Ihr Anteil sei zwar immer noch gering, weil weiterhin vor allem Gastarbeiter das Land verließen, die in ihre Heimat zurückwollten. In den 24 Stunden bis Donnerstagmittag seien aber deutlich mehr fliehende libysche Familien registriert worden, vor allem an der Grenze zu Ägypten. Insgesamt hätten bisher 280.000 Menschen wegen der Kampfhandlungen das Land verlassen.
Rebellen leisten noch Widerstand
Eine Eroberung Benghasis dürfte für die Truppen Gaddafis nur mit großen Verlusten möglich sein, weil die schweren Waffen, mit denen sie den Rebellen im Wüstengelände überlegen sind, in Straßen- und Häuserkämpfen kaum nutzen. Die Aufständischen haben sich zuletzt kämpferisch gegeben. Ein Vertreter der Rebellen sagte am Donnerstag, es würden jetzt zum Beispiel Sturmgewehre und Panzerfäuste benötigt. Solche Waffen eignen sich gut für Straßenkämpfe.
Noch stoßen die Truppen des Regimes indes in Adschdabija, der letzten Stadt vor Benghasi, offenbar weiter auf Widerstand. Aus der etwa 160 Kilometer von Benghasi entfernt liegenden Stadt wurden auch am Donnerstag wieder Kämpfe gemeldet. Die Rebellen seien mit Artillerie und Panzern beschossen worden, hieß es. Schwere Kämpfe mit Todesopfern gab es auch wieder in der westlibyschen Stadt Misrata. Gaddafi kündigte am Donnerstag im Staatsfernsehen eine „Entscheidungsschlacht“ um die Stadt an.
Flugverbotszone Libyen
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