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Libyen : Botschafter Amerikas in Libyen getötet

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Das amerikanische Konsulat in Benghasi steht nach der Attacke radikaler Islamisten in Flammen (September 2012) Bild: REUTERS

Bei der Erstürmung des amerikanischen Konsulats im libyschen Benghasi sind der Botschafter und drei seiner Mitarbeiter getötet worden. Auch in Kairo wurde die amerikanische Botschaft angegriffen. Das Pentagon entsandte eine Anti-Terror-Einheit nach Libyen.

          Nach dem Tod des amerikanischen Botschafters in Libyen, Christopher Stevens, und drei seiner Mitarbeiter in der ostlibyschen Stadt Benghasi hat Präsident Barack Obama die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Missionen der Vereinigten Staaten in aller Welt angeordnet.

          Das Pentagon schickte eine Pentagon eine Anti-Terror-Einheit des Marinekorps in das nordafrikanische Land. Die Einheit umfasst rund 50 Soldaten und soll die diplomatischen Vertretungen Washingtons in Libyen schützen helfen.Einem Bericht der Nachrichtenagentur DAPD zufolge ermitteln die Vereinigten Staaten zudem, ob der Angriff auf das Konsulat in Bengasi ein anlässlich des Jahrestags von 9/11 geplanter Terroranschlag war.

          Präsident Obama verurteilte den Mord an den Regierungsmitarbeitern „aufs Schärfste“, sprach den Angehörigen der Toten sein Mitgefühl aus und lobte den Einsatz der getöteten Diplomaten „für Freiheit, Gerechtigkeit uns Partnerschaft“. Weiter hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses: „Zwar verurteilen die Vereinigten Staaten Handlungen, welche die religiösen Gefühle anderer verletzen, doch müssen wir alle unzweideutig dieser sinnlosen Gewalt entgegentreten, die zum Tod dieser Beamten geführt hat.“ In einer Stellungnahme des Außenministeriums hieß es, bei dem Angriff auf das Konsulat in Benghasi sei neben Botschafter Stevens der Informatiker Sean Smith getötet worden. Die Namen der beiden weiteren Beamten wurden zunächst nicht genannt, weil deren Angehörige noch nicht benachrichtigt werden konnten.

          Romney kritisiert Obama

          Über die Umstände des Todes der Diplomaten gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Nach Medienberichten wurde der Wagen des Botschafters mit Panzerabwehrwaffen und Sturmgewehren angegriffen, als die Diplomaten das von radikalen Islamisten angegriffene Konsulatsgebäude verließen, um sich in Sicherheit zu bringen. Zunächst hatte es geheißen, der Botschafter und seine Mitarbeiter seien in dem in Brand gesteckten Gebäude einer Rauchvergiftung erlegen. Der libysche Übergangspräsident Muhammad Magaryaf kündigte in Tripolis an, die Verantwortlichen für den „feigen Angriff“ zur Rechenschaft zu ziehen. Libyen werde weiter enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten pflegen, bekräftigte er. „Wir entschuldigen uns bei Amerika, dem amerikanischen Volk und der ganzen Welt“, sagte Magaryaf.

          Der getötete Botschafter Christopher Stevens im vergangenen Jahr in Benghasi
          Der getötete Botschafter Christopher Stevens im vergangenen Jahr in Benghasi : Bild: dapd

          Botschafter Stevens war ein Karrierediplomat, der seit 21 Jahren im Dienst des amerikanischen Außenministeriums stand. Er sprach fließend Arabisch und Französisch und war Libyen und dem libyschen Volk eng verbunden. Ehe er im Mai als neuer Botschafter vereidigt wurde, hatte er als Vertreter Washingtons die Arbeit des Nationalen Übergangsrates nach dem Sturz des Diktators Muammar al Gaddafi beobachtet. Während des Konflikts in Libyen war Christopher Stevens einer der ersten Amerikaner, der sich in die befreite Stadt Benghasi begab. „Er riskierte sein eigenes Leben, um dem libyschen Volk dabei zu helfen, den Grundstein für eine neue, freie Nation zu legen“, heißt es in einer Mitteilung von Außenministerin Hillary Clinton. „Seither hat er sich jeden Tag dafür eingesetzt, das damals begonnene Werk zu vollenden.“

          Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte sich, noch bevor der Mord an Botschafter Stevens bekannt wurde, erzürnt über die Angriffe in Benghasi und Kairo geäußert: „Es ist schändlich, dass die erste Reaktion der Obama-Regierung keine Verurteilung der Angriffe auf unsere diplomatischen Vertretungen war, sondern ein Ausdruck der Sympathie mit denen, die für die Angriffe verantwortlich sind.“ Der Sprecher des Wahlkampfstabs von Präsident Obama sagte, der „tragische Tod unserer Diplomaten darf nicht zum Anlass für politische Angriffe werden“.

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