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Libanon Zeit der Kriegstreiber

Die Kämpfe in Syrien haben längst schon auf den Libanon übergegriffen. In der Kornkammer des Landes, der Bekaa-Ebene, schlagen immer wieder Granaten ein. In den Hochburgen der Sunniten wittern radikale Prediger Morgenluft.

© dpa Vergrößern Kampfgebiet: Libanesische Soldaten tragen im Februar einen Kameraden in dessen Heimatdorf in der Bekaa-Ebene zu Grabe. Er war bei einem Feuergefecht nahe der Grenze zu Syrien getötet worden

Die Rakete schlug am Ende der Welt ein. So erzählt es jedenfalls Manduh Nasr al Din. Dort, wo der Staat nur vorbeischaue, wenn er Rechnungen eintreiben müsse. Der 66 Jahre alte Mann steht im Garten seines Hauses und zeigt auf einen kleinen Krater und einen großen Erdhaufen. Hier sei das 107-Millimeter-Geschoss in den Boden eingedrungen. „Zum Glück war niemand daheim“, sagt der Bauer. In der Ferne sind Schüsse zu hören, die syrische Grenze liegt nur ein paar hundert Meter von dem kleinen Anwesen mit einer Handvoll Obstbäumen entfernt. Seine Felder am Rande Al Qasrs beackern könne er wegen der Kämpfe schon seit Wochen nicht mehr, sagt Nasr al Din.

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Sie liegen auf syrischem Boden - ein Erbe der französischen Mandatsmacht, die das frühere osmanische Territorium 1920 dem Libanon zuschlug. Wie Nasr al Din geht es vielen der armen, in der Landwirtschaft tätigen Bewohner im Nordosten des Landes: Der Krieg auf der anderen Seite der Grenze bringt sie nicht nur um ihre Lebensgrundlage, er greift mit jedem Tag mehr auf ihr Heimatland über. Mehrere Tote hat es seit März in Al Qasr gegeben. Selbst die Bezirkshauptstadt Hermel, rund zwanzig Kilometer Luftlinie von der nächsten größeren syrischen Stadt, Al Qusair, entfernt, wurde von Raketen getroffen.

„Als Nächstes schicken sie Autobomben“, fürchtet Nasr al Din. Seitdem die schiitische Hizbullah-Miliz in den Konflikt in Syrien eingegriffen hat, ist der Libanon selbst zum Kriegsgebiet geworden. Al Qasr liegt an vorderster Front. Nicht die Armee von Baschar al Assad, sondern sunnitische Aufständische der Freien Syrischen Armee sollen für den Raketenbeschuss der vergangenen Wochen verantwortlich sein. „Al Qaida kämpft auf der anderen Seite“, sagt Nasr al Din sicher. An der Wand im Wohnzimmer hängt ein Foto von Hizbullah-Generalsekretär Hassan Nasrallah.

Die fruchtbare Kornkammer des Libanons

Überall an den flachen Häusern entlang der Hauptstraße Al Qasrs sind Plakate der Organisation zu sehen, aber auch Bilder des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad und Bilder des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei. An der Ortseinfahrt hängt ein großes Bild des alawitischen syrischen Machthabers. Syrien habe „echte Freunde, die es nicht erlauben werden, dass das Land in die Hände der Vereinigten Staaten, Israels oder von Ungläubigen fällt“, sagte Nasrallah Ende April in einer Videobotschaft. Sollten schiitische Heiligtümer angegriffen werden, seien „Staaten, Widerstandsbewegungen und andere Kräfte dazu verpflichtet, auf effektive Weise in den Konflikt einzugreifen“, drohte er - das war vor den israelischen Angriffen auf syrische Waffendepots rund um Damaskus am Wochenende.

Infografik / Karte / Syrien (2013-05-07) © F.A.Z. Vergrößern

In der Region um Al Qusair hat der Konflikt die Grenzen längst überschritten. Die Gegend, die wie ein Keil in den Libanon hineinragt, liegt mitten auf der wichtigen Verbindungsstrecke von Damaskus über Homs nach Tartus und Latakia am Mittelmeer. Sollte die syrische Hauptstadt eines Tages in die Hände der Aufständischen fallen, bildete das Gebiet die Rückzugsschneise des Regimes in die alawitisch dominierten Gebiete an der Küste. „Solange Qatar und Saudi-Arabien die Kämpfer mit Waffen unterstützen, so lange wird der Krieg weitergehen“, sagt Nasr al Din. Besonders nachts sei der Gefechtslärm nicht auszuhalten, berichtet der Bauer und zeigt auf die Berge am Westrand der Gemeinde.

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