Home
http://www.faz.net/-gq9-78zd1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kerry in Moskau Russland und Amerika planen Syrien-Konferenz

Die Ankündigung Russlands und Amerikas, noch in diesem Monat eine internationale Konferenz zum Syrien-Krieg einzuberufen, ist international auf große Zustimmung gestoßen.

© REUTERS Vergrößern Treffen in Moskau: Amerikas Außenminister Kerry (links) und sein russischer Kollege Lawrow

Der gemeinsame Plan der Vereinigten Staaten und Russlands für eine baldige internationale Syrien-Konferenz hat starke Zustimmung hervorgerufen. „Dies ist die erste hoffnunggebende Nachricht in dieser Angelegenheit seit sehr langer Zeit“, erklärte der Sondergesandte von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Lakhdar Brahimi, am Mittwoch in Kairo. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Ankündigung „ein hoffnungsvolles Signal“.

Der amerikanische Außenminister John Kerry und der russische Außenminister Sergej Lawrow vereinbarten am Dienstag in Moskau, noch im Mai eine internationale Syrien-Konferenz einzuberufen, um das Blutvergießen in dem Land zu beenden. Moskau und Washington wollten die syrische Regierung und die Opposition in dem Land gemeinsam dazu drängen, eine politische Lösung des Konflikts zu suchen, sagte Lawrow. Nach Angaben von Lawrow sollen zu der Konferenz alle an dem Konflikt beteiligten Gruppen kommen.

Grundlage der Konferenz soll eine im Juni 2012 in Genf erzielte Vereinbarung sein. Damals einigten sich die UN-Vetomächte sowie die Türkei und mehrere arabische Staaten auf Grundzüge eines politischen Übergangs für Syrien. Die sechs Punkte umfassende Genfer Vereinbarung solle die „Roadmap“ zur Beendigung der Gewalt sein, sagte Kerry.

Karte / Syrien Humanitäre Notlage und Flüchtlinge

Brahimi, früherer algerischer Außenminister, sprach von einem „sehr bedeutsamen ersten Schritt“, der aber „dennoch nur ein erster Schritt“ sei. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die Entwicklung. „Der gemeinsame Vorschlag von Amerikanern und Russen ist ein starkes Signal an alle für ein Ende der Gewalt“, erklärte Westerwelle. Die Bundesregierung werde „alles unterstützen, was in Richtung einer solchen Konferenz geht“, sagte Bundeskanzlerin Merkel. Westerwelle wird am Freitag in Warschau mit Lawrow zusammentreffen.

Syrisches Internet wieder offen

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem gemeinsamen Vorstoß beider Staaten. „Die EU heißt jeden Dialog willkommen, der beide Seiten an den Verhandlungstisch bringt“, erklärte ein Sprecher Ashtons in Brüssel. Die EU sei zur Unterstützung der Bemühungen bereit und hoffe, dass die Konferenz der Beginn eines Friedensprozesses sei. Der britische Außenminister David Cameron will am Freitag in Sotschi mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Lage in Syrien beraten.

In Syrien wurde unterdessen der seit zwei Tagen bestehende vollständige Ausfall des Internets überwunden. Das Internet funktioniere wieder, hieß es im staatlichen Rundfunk. Der Ausfall sei auf eine technische Panne zurückzuführen gewesen. Oppositionsnahe Aktivisten hatten die Führung in Damaskus für den Ausfall verantwortlich gemacht und erklärt, es könne sich um Vorbereitungen für eine bevorstehenden Militäroffensive handeln.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ukraine-Krise Putins kurze Beine

Der russische Präsident hilft den Separatisten in der Ukraine mit all seinen Mitteln. Dazu gehören Kämpfer, Panzer, Geld – und Lügen. Doch alle Scheinheiligkeiten haben auch für Russland ihren Preis. Mehr

27.07.2014, 19:00 Uhr | Politik
Ukraine Amerikas Beweise für russischen Raketenbeschuss

Amerika hat offenbar Beweise, dass Russland ukrainisches Gebiet mit Raketen beschossen hat. Nun fordert Außenminister Kerry einen Stopp der russischen Angriffe. Mehr

28.07.2014, 04:17 Uhr | Politik
Nach Kritik an Russland Putin verspricht „volle Kooperation“

Bei der Aufarbeitung des Absturzes will Russlands Präsident seinen Einfluss geltend machen. Washington geht fest davon aus, dass ukrainische Separatisten das Flugzeug mit einer russischen Rakete abgeschossen haben. Mehr

20.07.2014, 19:36 Uhr | Politik

Verklemmte Rüstungspolitik

Von Johannes Leithäuser

Für Waffenexporte will im politischen Berlin niemand zuständig sein. Die Regierung steht unter Rechtfertigungsdruck und die Opposition haut auf die Moralpauke. Es gibt einen angenehmen Ausweg. Mehr