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Kampf um Kobane : Unwirksame Luftangriffe

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Auf dem Weg in den Krieg gegen IS: Eine amerikanische F/A-18C Hornet startet vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush Bild: AFP

Die Luftangriffe auf die Terrormiliz IS stellen sich im Kampf um das syrische Kobane als weitgehend wirkungslos heraus. Auch der türkische Präsident Erdogan kritisierte die amerikanische Strategie: „Nur durch Luftangriffe können sie dem Terror kein Ende setzen.“ Die Türkei selbst greift allerdings nicht in den Krieg ein.

          Dass es den Amerikanern und ihren Verbündeten über Tage hinweg nicht gelungen ist, den Vormarsch des „Islamischen Staats“ (IS) auf Kobane mit ihren Luftangriffen zu stoppen, hat offenbar mit dem eingesetzten Gerät zu tun. Schon vor Tagen sagte der Sprecher des Pentagons, dass die islamistischen Kämpfer nach Beginn der Luftangriffe ihre Taktik geändert hätten und ihre Stellungen besser tarnten.

          Die kurdischen Verteidiger der Stadt berichteten, die IS-Kämpfer verteilten und versteckten sich jedes Mal, wenn ein Kampfflugzeug im Anflug sei. Es könne nicht jeder einzelne Angreifer aus der Luft bekämpft werden. Die Kommandeure scheinen auf das Problem mit dem Einsatz von Kampfhubschraubern zu reagieren. Am Montag teilte das zuständige Zentralkommando erstmals mit, dass Hubschrauber eingesetzt worden seien, aber zunächst nur im Irak.

          Hubschrauber gelten als besser geeignet, um bewegliche Ziele wie Truppen, Mannschaftswagen oder Panzer zu treffen. Die Kampfflugzeuge und Drohnen, welche die Amerikaner als Erstes einsetzten, wurden vor allem zur Zerstörung unbeweglicher Ziele wie Gebäude, Lager oder Befehlstände benutzt. Ohne Aufklärungspersonal am Boden, das die Zielauswahl vornehmen kann, könnten sie aber nur schlecht gegen vorrückende Einheiten eingesetzt werden, sagten amerikanische Fachleute. Der Rückgriff auf Hubschrauber, den die amerikanische Regierung schon vor längerem angekündigt hatte, birgt das Risiko größerer Verluste. Die IS-Kämpfer sollen schultergestützte Flugabwehrraketen erbeutet haben, mit denen sich Hubschrauber abschießen lassen.

          Türkische Panzer unweit von Kobane

          Unterdessen hat der türkische Präsident Tayyip Erdogan vor einer unmittelbar bevorstehenden Eroberung der kurdischen Stadt Kobane im Norden Syriens durch den IS gewarnt. „Kobane steht vor dem Fall“, sagte Erdogan am Dienstag in der türkischen Grenzprovinz Gaziantep. Die von der Regierungspartei AKP kontrollierte Nachrichtenagentur Anadolu berichtete weiter, Erdogan habe die amerikanische Strategie einer Schwächung des IS durch Luftangriffe kritisiert: „Nur durch Luftangriffe können sie diesem Terror kein Ende setzen“, sagte Erdogan. Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Yalcin Akdogan forderte dem Fernsehsender „A Haber“ zufolge die Vereinigten Staaten zu verstärkten Luftangriffen auf, um einen Fall Kobanes zu verhindern.

          Türkische Armee wartet weiter ab

          Nach übereinstimmenden Angaben kurdischer und türkischer Quellen waren die Kämpfer des IS am Dienstag zunächst weiter auf das Zentrum Kobanes vorgerückt. Laut telefonischen Berichten aus Kobane kontrollierte der IS bis zum Mittag Teile im Osten der Stadt. Nach anderen Angaben hatte der IS nur einen Hügel im Osten erobert, der weitere Angriffe erleichtern wird. Kurdische Kämpfer bereiteten die Rückeroberung des Hügels vor. Der IS habe mehr als 2000 Kämpfer ins Gefecht geschickt, hieß es aus Kobane. Von der türkischen Seite der Grenze waren viele Explosionen und Schüsse zu hören.

          Kobane - fotografiert von der Türkei aus

          In der türkischen Grenzstadt Suruc wurden zwei Personen verletzt, als eine von syrischem Territorium aus abgefeuerte Granate in ihr Haus einschlug. Türkische Armeeeinheiten wurden an der Grenze zusammengezogen, griffen bisher aber nicht in die Kämpfe um Kobane ein. Laut Angaben der amerikanischen Streitkräfte bombardierte die amerikanische Luftwaffe in den vergangenen beiden Tagen insgesamt 14 Stellungen des IS in Syrien und im Irak. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte Ankara am Montagabend im Fall eines Angriffs aus Syrien die Unterstützung des Bündnisses zu.

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