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Israelischer Angriff in Syrien : Direkt betroffen

Was hat Israel dazu bewogen, in die chaotische Situation in Syrien militärisch einzugreifen? Dafür gibt es nur eine plausible Erklärung: dass es tatsächlich Waffenlieferungen in den Libanon gegeben hat oder geben sollte.

          Der syrische Bürgerkrieg ist auch bisher nicht nur eine lokale Angelegenheit gewesen; er hat fast von Beginn an eine internationale Dimension. Zahlreiche Akteure mischen mit; Russland, zum Beispiel, unterstützt nach wie vor massiv das Regime Assad, Saudi-Arabien und Qatar unterstützen die Aufständischen. Unter denen befinden sich mehr und mehr Dschihadisten, was die Frage nach deren Finanziers aufwirft. Doch der israelische Angriff gegen Ziele in Syrien - ob es sich um eine militärische Forschungseinrichtung handelt oder um einen mit Luftabwehrraketen beladenen Konvoi, ist unklar - verdeutlicht auf dramatische Weise, dass dieser Konflikt die syrischen Grenzen immer weiter überspringt.

          Dass Russland den israelischen Angriff als Verletzung der Souveränität und der UN-Charta brandmarken würde, war zu erwarten. Auch die antiisraelischen Drohungen Irans und die Erregung der libanesischen Hizbullah sind quasi logische Reaktionen. Sie sind offen Parteigänger Assads oder, wie im Falle der Hizbullah, direkt von der Stabilität seines Regimes abhängig. Ohne Assad kann Iran seinen regionalen Einfluss nicht annähernd so geltend machen wie bisher, geschweige denn ausweiten. Dennoch hat der Angriff eine neue Qualität.

          Gefahr eines Zwei-Fronten-Krieges

          Weil das so ist, muss man sich fragen, warum Israel, das in der Vergangenheit an der Härte des syrischen Regimes wenig auszusetzen hatte, weil es Stabilität garantierte, sich in einer höchst aufgeladenen, chaotischen Situation militärisch zu handeln entschlossen hat. Die plausible Erklärung ist allein die, dass es tatsächlich Waffenlieferungen in den Libanon gegeben hat oder geben sollte; dass das Regime implodiert und die Unwägbarkeiten hinsichtlich des Verbleibs der syrischen Massenvernichtungswaffen zugenommen haben. Klar ist, dass Israel verhindern will, dass die Hizbullah irgendeinen militärischen Nutzen aus dem Chaos im Nachbarland zieht oder dass gar ein Zwei-Fronten-Krieg eröffnet wird. Von den Vorgängen im Norden ist Israels Sicherheit direkt betroffen.

          Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass die Hizbullah ihre Waffenbestände, vor allem das Raketenarsenal, wieder kräftig aufgefüllt hat - trotz einer UN-Mission, die nach letzten Libanon-Krieg genau das verhindern sollte. Den Waffenzufluss über Land, also über Syrien, hat sie nicht verhindert - nicht verhindern können oder nicht verhindern wollen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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