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Veröffentlicht: 27.06.2016, 10:18 Uhr

Israel und Türkei Versöhnung zwischen Ankara und Jerusalem

Nach der Erstürmung eines Gaza-Hilfsschiffes durch die israelische Armee lagen die Beziehungen zur Türkei auf Eis. Nun haben sich die beiden Länder auf ein Normalisierungs-Abkommen verständigt.

© Reuters Die „Mavi Marmara“ war vor sechs Jahren von Israel erstürmt worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bestätigt, dass eine Vereinbarung mit der Türkei zur Normalisierung der Beziehungen erreicht worden ist. Das Abkommen werde „immense“ Auswirkungen auf die israelische Wirtschaft haben, sagte Netanjahu bei einem Treffen mit dem amerikanischen Außenminister John Kerry am Montag in Rom. „Ich denke, dies ist ein wichtiger Schritt, um die Beziehungen zu normalisieren.“ Er werde später Einzelheiten des Abkommens bekanntgeben.

Auch Kerry sprach von einem „positiven Schritt“. Türkische und israelische Regierungsvertreter hatten am Sonntag verkündet, dass eine Vereinbarung zur Normalisierung der Beziehungen erreicht worden sei. Auch die türkische Regierung will sich später am Montag zu der Vereinbarung äußern.

„Die Vereinbarung stellt einen diplomatischen Sieg für die Türkei dar“, sagte ein Regierungsvertreter in Ankara, der anonym bleiben wollte, in der Nacht zum Montag. „Die Türkei wird den Palästinenserstaat und das palästinensische Volk weiterhin unterstützen.“

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe die Vereinbarung am Sonntagabend in einem Gespräch mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan begrüßt, hieß es weiter aus Ankara. Auch die radikal-islamische Hamas habe bei den Verhandlungen ihre Unterstützung für die Türkei zum Ausdruck gebracht.

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Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, Angehörige von zehn Türken, die 2010 bei einem Einsatz der israelischen Marine auf der „Mavi Marmara“ getötet worden waren, sollten mit rund 20 Millionen Dollar entschädigt werden. Damit seien alle Klagen gegen Israel hinfällig. Der türkische Regierungsvertreter bestätigte, dass man sich auf eine Kompensation im Fall der „Mavi Marmara“ geeinigt habe.

Israelische Soldaten hatten das unter der Flagge des Inselstaates Komoren fahrende Schiff aus der Türkei vor dem Gazastreifen geentert. Pro-palästinensische Aktivisten hatten trotz Warnungen versucht, mit dem Hilfsschiff eine von Israel verhängte Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, beide Staaten wollten wieder Botschafter austauschen. Israelische Medien berichteten, die Türkei sei von ihrer Forderung nach einer Aufhebung der seit zehn Jahren andauernden Blockade des Gazastreifens abgerückt.

Der türkische Regierungsvertreter teilte mit, nach der Vereinbarung werde die Türkei humanitäre Hilfsgüter und andere nichtmilitärische Güter nach Gaza schicken. Außerdem werde die Türkei dort in die Infrastruktur investieren und ein Krankenhaus fertigbauen. Zudem werde die Türkei die Energie- und Wasserkrise in Gaza angehen.

Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur radikal-islamischen Hamas, die 2007 die Macht im Gazastreifen an sich gerissen hatte. Teil des Abkommens mit Israel sei es, dass die Hamas von türkischem Boden aus keine Angriffe auf den jüdischen Staat ausführen könne, schrieb die Zeitung „Haaretz“. Aus der türkischen Regierung hieß es dagegen: „Zur Hamas gibt es in der Vereinbarungen überhaupt keine Bezüge.“

Der türkische Präsident Erdogan erklärte sich israelischen Angaben zufolge bereit, in einem gesonderten Dokument die Frage von zwei israelischen Soldaten festzuhalten, die im Gazastreifen vermisst werden. Er habe alle türkischen Sicherheitsbehörden angewiesen, sich für eine Lösung einzusetzen. Die Eltern der Soldaten hatten gefordert, die Rückführung der Leichen zu einem Teil des Abkommens zu machen. Netanjahu war am Sonntag nach Rom gereist und hatte dort den amerikanischen Außenminister John Kerry getroffen.

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Von Nikolas Busse

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