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Israel setzt Gaza-Offensive fort : Hamas verstärkt Raketenbeschuss - Luftalarm in Tel Aviv

Bild: AFP

Nach der gezielten Tötung eines Hamas-Kommandeurs setzt Israel Luftschläge und Beschuss im Gazastreifen fort. Anscheinend schlug eine Rakete der Palästinenser auch nahe Tel Aviv ein. Die israelische Regierung billigt die EInberefung von Reservisten.

          Die israelische Armee hat nach der gezielten Tötung des Hamas-Führers Ahmed al Dschabari am Mittwoch ihre Angriffe auf Gaza in unverminderter Härte fortgesetzt. Luftwaffe, Marine und Artillerie griffen bis zum Donnerstagabend mehr als hundert Ziele an, wie die Armee mitteilte. Sie konzentrierten sich demnach auf Raketen- und Munitionsdepots sowie auf Abschussvorrichtungen für Raketen. Aus Gaza wurden 13 Tote und mehr als hundert Verletzte gemeldet.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Im Süden Israels gingen seit Mittwochnachmittag rund 250 Raketen und Granaten nieder. Das Abwehrsystem „Iron Dome“ stoppte nach Armeeangaben gut 50 Raketen. Die Menschen in Südisrael verbrachten auch am Donnerstag die meiste Zeit in Schutzräumen. Immer wieder ertönte Raketenalarm. Die unmittelbare Umgebung des Gazastreifens war abgeriegelt. Am Morgen hatte eine Rakete ein vierstöckiges Wohnhaus in Kirijat Malachi getroffen. Drei Israelis kamen dabei ums Leben.

          Auch in Tel Aviv gab es am Abend erstmals seit 1991 Luftalarm. Zwei Raketen wurden nach Angaben der israelischen Armee aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv abgefeuert worden. Ein Militärsprecher sagte, es habe aber keine Einschläge auf dem Boden und keine Opfer gegeben. Das israelische Fernsehen berichtete, zwei Geschosse seien auf freiem Feld niedergegangen.

          Letztes Geleit für den getöteten Hamas-Führer Ahmed al Dschabari Bilderstrecke
          Letztes Geleit für den getöteten Hamas-Führer Ahmed al Dschabari :

          In Gaza-Stadt wurde am Vormittag Ahmed al Dschabari beigesetzt. Tausende nahmen an dem Trauerzug in die Al-Omari-Moschee teil. Ranghohe Hamas-Mitglieder blieben aus Sorge um ihre Sicherheit dem Begräbnis. Dschabaris bisheriger Stellvertreter Marwan Issa wurde zum neuen Militärchef der Hamas ernannt.

          „Offener Krieg gegen unser Volk“

          Die Hamas hinderte am Donnerstag ausländische Diplomaten und Journalisten an der Ausreise aus dem Gazastreifen, wie von dort berichtet wurde. Israelische Flugzeuge warfen Flugblätter ab, welche die Bewohner des Gazastreifens aufforderten, sich von Hamas-Kämpfern und Einrichtungen der Organisation fernzuhalten.

          Die Führung der Hamas schloss eine Feuerpause mit Israel zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. „Wir werden uns nicht weiteren Tricks der Besatzung aussetzen“, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Gaza-Stadt. „Wir betrachten Gespräche über eine Feuerpause derzeit als Versuch, mehr Deckung für die Fortsetzung der Eskalation im Gazastreifen zu erhalten.“ Suhri warf Israel vor, „einen offenen Krieg gegen unser Volk und unseren Widerstand im Gazastreifen“ begonnen zu haben.

          Verteidigungsminister Ehud Barak lobte die ersten Erfolge gegen das Arsenal weiterreichender Raketen in Gaza. Die „Fajar“-Raketen seien zum großen Teil „gelähmt“. Es werde aber noch „eine Weile dauern“, bis alle militärischen Ziele erreicht seien. Zuvor hatte das israelische Kabinett die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten genehmigt, sollte das nötig sein.

          Ziel der Militäraktion mit dem Namen „Säule der Verteidigung“ sei, die Zivilbevölkerung im Süden vor weiterem Raketenbeschuss zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Hamas und ihre Verbündeten die Angriffe auf Israel nicht fortsetzen können, sagten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Barak in einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Nacht zum Donnerstag.

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