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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Israel setzt Gaza-Offensive fort Hamas verstärkt Raketenbeschuss - Luftalarm in Tel Aviv

 ·  Nach der gezielten Tötung eines Hamas-Kommandeurs setzt Israel Luftschläge und Beschuss im Gazastreifen fort. Anscheinend schlug eine Rakete der Palästinenser auch nahe Tel Aviv ein. Die israelische Regierung billigt die EInberefung von Reservisten.

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© AFP Raketen auf den Gazastreifen

Die israelische Armee hat nach der gezielten Tötung des Hamas-Führers Ahmed al Dschabari am Mittwoch ihre Angriffe auf Gaza in unverminderter Härte fortgesetzt. Luftwaffe, Marine und Artillerie griffen bis zum Donnerstagabend mehr als hundert Ziele an, wie die Armee mitteilte. Sie konzentrierten sich demnach auf Raketen- und Munitionsdepots sowie auf Abschussvorrichtungen für Raketen. Aus Gaza wurden 13 Tote und mehr als hundert Verletzte gemeldet.

Im Süden Israels gingen seit Mittwochnachmittag rund 250 Raketen und Granaten nieder. Das Abwehrsystem „Iron Dome“ stoppte nach Armeeangaben gut 50 Raketen. Die Menschen in Südisrael verbrachten auch am Donnerstag die meiste Zeit in Schutzräumen. Immer wieder ertönte Raketenalarm. Die unmittelbare Umgebung des Gazastreifens war abgeriegelt. Am Morgen hatte eine Rakete ein vierstöckiges Wohnhaus in Kirijat Malachi getroffen. Drei Israelis kamen dabei ums Leben.

Auch in Tel Aviv gab es am Abend erstmals seit 1991 Luftalarm. Zwei Raketen wurden nach Angaben der israelischen Armee aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv abgefeuert worden. Ein Militärsprecher sagte, es habe aber keine Einschläge auf dem Boden und keine Opfer gegeben. Das israelische Fernsehen berichtete, zwei Geschosse seien auf freiem Feld niedergegangen.

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Letztes Geleit für den getöteten Hamas-Führer Ahmed al Dschabari © dapd Letztes Geleit für den getöteten Hamas-Führer Ahmed al Dschabari

In Gaza-Stadt wurde am Vormittag Ahmed al Dschabari beigesetzt. Tausende nahmen an dem Trauerzug in die Al-Omari-Moschee teil. Ranghohe Hamas-Mitglieder blieben aus Sorge um ihre Sicherheit dem Begräbnis. Dschabaris bisheriger Stellvertreter Marwan Issa wurde zum neuen Militärchef der Hamas ernannt.

„Offener Krieg gegen unser Volk“

Die Hamas hinderte am Donnerstag ausländische Diplomaten und Journalisten an der Ausreise aus dem Gazastreifen, wie von dort berichtet wurde. Israelische Flugzeuge warfen Flugblätter ab, welche die Bewohner des Gazastreifens aufforderten, sich von Hamas-Kämpfern und Einrichtungen der Organisation fernzuhalten.

Die Führung der Hamas schloss eine Feuerpause mit Israel zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. „Wir werden uns nicht weiteren Tricks der Besatzung aussetzen“, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Gaza-Stadt. „Wir betrachten Gespräche über eine Feuerpause derzeit als Versuch, mehr Deckung für die Fortsetzung der Eskalation im Gazastreifen zu erhalten.“ Suhri warf Israel vor, „einen offenen Krieg gegen unser Volk und unseren Widerstand im Gazastreifen“ begonnen zu haben.

Verteidigungsminister Ehud Barak lobte die ersten Erfolge gegen das Arsenal weiterreichender Raketen in Gaza. Die „Fajar“-Raketen seien zum großen Teil „gelähmt“. Es werde aber noch „eine Weile dauern“, bis alle militärischen Ziele erreicht seien. Zuvor hatte das israelische Kabinett die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten genehmigt, sollte das nötig sein.

Ziel der Militäraktion mit dem Namen „Säule der Verteidigung“ sei, die Zivilbevölkerung im Süden vor weiterem Raketenbeschuss zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Hamas und ihre Verbündeten die Angriffe auf Israel nicht fortsetzen können, sagten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Barak in einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Nacht zum Donnerstag.

Obama äußert Verständnis für Militäraktion

Netanjahu telefonierte in der Nacht zum Donnerstag auch mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama, der Verständnis für die israelische Militäraktion äußerte. Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice billigte das israelische Vorgehen. Es gebe „keine Rechtfertigung“ für Gewaltakte der Hamas gegenüber Israel  und das Land habe wie jeder andere Staat auch das Recht, sich selbst zu verteidigen, sagte sie.

Obama sprach zudem mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi. Mursi hatte zuvor den ägyptischen Botschafter in Tel Aviv zu Konsultationen nach Kairo zurückgerufen. In Ägypten wächst derweil der Druck auf Mursi, eine stärkere Haltung gegenüber Israel einzunehmen. Am Donnerstag protestierten Hunderte in Kairo gegen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen; für Freitag rief die Muslimbruderschaft zu Massenprotesten nach dem Mittagsgebet auf.

Ägypten fordert Ende der israelischen „Aggression“

Mursi, der die israelische „Aggression“ verurteilte, warnte am Donnerstag davor, dass das Vorgehen zu „Instabilität in der Region führen“ könnte. In einem Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton forderte Ägyptens Außenminister Muhammad Kamal Amr die Vereinigten Staaten auf, „sofort zu intervenieren“, um ein Ende der israelischen „Aggression“ zu erreichen. Saad al Katatni, der Vorsitzende der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, die im vergangenen Jahr als politischer Arm der Muslimbruderschaft gegründet wurde, warf Israel vor, nicht begriffen zu haben, „dass das ägyptische Volk, das gegen Ungerechtigkeit rebelliert hat, die Aggression gegen Gaza nicht akzeptieren“ werde.

Die salafistische Nur-Partei kündigte an, Gaza finanziell und durch „Menschenkraft“ zu unterstützen, bis die Palästinenser ihre Rechte erlangt hätten. Aber auch liberale Politiker wie der frühere ägyptische Außenminister und Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, forderten „alle notwendigen Maßnahmen“, um das israelische Vorgehen zu beenden. Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei von der Verfassungspartei bezeichnete die israelischen Angriffe als „barbarisch“; sie bedeuteten einen „Bruch internationaler Abkommen“ und verstießen gegen „humanitäres Völkerrecht“.

Der UN-Sicherheitsrat beriet in einer Dringlichkeitssitzung über die Lage. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer „neuen Spirale der Gewalt“ und rief zur „Deeskalation“ auf. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin forderte beide Seiten auf, eine Eskalation zu vermeiden. Großbritannien erklärte die Hamas zum „Hauptverantwortlichen der Krise“.

Unterdessen wurde auf den Golanhöhen ein israelischer Soldat durch Schüsse aus Syrien leicht verletzt. Nach israelischer Einschätzung sollen die Schüsse versehentlich abgegeben worden sein. In den vergangenen Tagen hatte die israelische Armee zum ersten Mal zurückgeschossen, als Granaten aus Syrien auf israelisch kontrolliertem Gebiet niedergegangen waren.

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Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.

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