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Veröffentlicht: 25.11.2016, 15:08 Uhr

Großbrände in Israel Palästinenser weisen Vorwurf der Brandstiftung zurück

Israelische Medien und Politiker haben Palästinenser für die heftigen Brände verantwortlich gemacht, die seit Tagen in Israel wüten. Ein PLO-Vertreter bezeichnet die Anschuldigungen als „grundlos und unzutreffend“.

© AFP In Haifa werden Löschflugzeuge zur Bekämpfung der Brände eingesetzt.

Die Palästinenser haben die Vorwürfe der Brandstiftung nach den verheerenden Großbränden in Israel zurückgewiesen. Wasel Abu Jussef, Mitglied des PLO-Exekutivkomitees, bezeichnete die Anschuldigungen als „grundlos und unzutreffend“. Der israelische Polizeichef Roni Alscheich hatte am Donnerstag gesagt: „Es ist davon auszugehen, dass die Fälle von Brandstiftung nationalistisch motiviert waren.“ Israelische Medien sprachen bereits von einer „Feuer-Intifada“ von Palästinensern. Die Polizei nahm bis Freitagmorgen zwölf Menschen fest.

„Israelische Offizielle versuchen damit, die israelische Öffentlichkeit gegen die Palästinenser aufzuhetzen und nicht mehr“, sagte der PLO-Vertreter. Sie würden alles Schlechte den Palästinensern zuschreiben. Das sei ein einfacher Weg, „um jegliche persönliche Verantwortung für die Geschehnisse zu vermeiden.“

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Seit mehreren Tagen wüten in Israel Brände. Rund 60.000 Menschen waren am Donnerstag in Haifa, der drittgrößten Stadt des Landes, vor den Feuern in Sicherheit gebracht worden. Hunderte Menschen mussten in der Nacht aus Beit Meir, einer Siedlung nahe Jerusalem, in Sicherheit gebracht werden. Am Freitagmorgen meldete die Polizei einen neuen Brandherd in Kirjat Gat südlich von Tel Aviv.

© AFP, afp Brände wüten nahe Jerusalem

Grund für die Feuer sind eine anhaltende Dürre und starke Winde. Die Polizei ermittelt aber auch wegen Brandstiftung. Der Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, hatte am Donnerstag politisch motivierte Brandstifter für die Feuersbrunst verantwortlich gemacht. Bildungsminister Naftali Bennett erklärte, die Feuer könnten nicht von Juden gelegt worden sein. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, jede Brandstiftung als „Terrorakt“ zu verfolgen.

Vertreter der israelischen Araber wiesen Unterstellungen, jemand aus ihrer Gemeinschaft habe gezündelt, dagegen als rassistisch zurück. Der israelische Oppositionschef Isaac Herzog warnte angesichts der Verdächtigungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk davor, „Öl ins Feuer zu gießen“.

Internationale Hilfe für israelische Feuerwehr

Im Kampf gegen dutzende heftige Brände in Israel kamen am Freitag erste ausländische Löschflugzeuge zum Einsatz. Die EU aktivierte auf Anfrage Israels ihren Zivilschutz. Danach wird Spanien vier Löschflugzeuge entsenden, Frankreich bot zwei weitere sowie einen Erkundungsflieger an. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, die EU stehe in engem Kontakt mit Israel, um weitere Hilfen zu mobilisieren, wenn dies notwendig werden sollte.

Zudem hatten unter anderem Russland, die Türkei sowie mehrere Mittelmeer-Anrainer wie Italien und Griechenland Löschflugzeuge zugesagt. Die ersten waren bereits am Freitagmorgen im Einsatz. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde schickte 41 Feuerwehrleute sowie acht Löschfahrzeuge nach Haifa im Norden sowie nach Beit Meir im Zentrum des Landes. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Emmanuel Nahschon, sprach der internationalen Gemeinschaft die „tiefe“ Dankbarkeit des Landes aus.

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