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IS auf dem Sinai : Der Kampf kommt näher

Ein ägyptischer Panzer kontrolliert auf der Sinai-Halbinsel die Grenze zu Israel. Bild: AP

Mit Drohnen beobachtet Israel die Kämpfe der Ägypter gegen den „Islamischen Staat“ auf dem Sinai. Ministerpräsident Netanjahu warnt: „Der IS steht an unseren Toren.“

          Die Rauchwolken waren bis nach Israel zu sehen, und der Gefechtslärm aus Rafah war in der Nacht zum Donnerstag in Gaza-Stadt zu hören. Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel drängte die Armee die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zurück, die am Mittwoch 15 Militärposten angegriffen hatte. Nach Angaben des ägyptischen Militärs ist die Lage wieder zu „hundert Prozent unter Kontrolle“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Seit Mittwoch seien in Gefechten mehr als 120 Terroristen und 17 Soldaten umgekommen. In anderen Quellen ist von mehr als 60 getöteten Soldaten die Rede. „Der IS steht an unseren Toren“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnend. Israel schloss am Mittwoch den Grenzübergang nach Ägypten in Nitzana und den Gaza-Warenübergang in Kerem Schalom, der in Sichtweite Ägyptens liegt.

          Man sei für alle Möglichkeiten gerüstet, sagte ein Armeesprecher am Donnerstag. Der israelische Rundfunk berichtete, dass unbemannte Flugzeuge von Israel aus die Kämpfe auf ägyptischer Seite beobachteten.

          Ägypten soll Lage unter Kontrolle bringen

          In Israel wächst die Sorge, dass die Kämpfe nicht an der Grenze haltmachen. Islamistische Terroristen waren in den vergangenen Jahren mehrfach auf israelisches Gebiet vorgedrungen. Im Sommer 2012 waren Salafisten mit bei einem Terroranschlag eroberten ägyptischen Militärfahrzeugen mehrere Kilometer weit nach Israel vorgerückt.

          Auch am Mittwoch eroberten IS-Kämpfer angeblich militärisches Gerät, das sie für ähnliche Angriffe einsetzen könnten. Die bewaffneten Dschihadisten hätten sich von einer Terrorgruppe zu einer Armee weiterentwickelt, die mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen könne, sagten israelische Armeevertreter der Zeitung „Jediot Ahronot“.

          Auf der Sinai-Halbinsel vertraut die israelische Regierung jedoch weiterhin darauf, dass das Militärregime von Präsident Abd al Fattah al Sisi die Lage wieder unter Kontrolle bekommt. Seit dem Sturz des Muslimbruders Muhammad Mursi haben sich die Beziehungen Israels nach Kairo deutlich verbessert.

          Erst vor wenigen Tagen war der neue Generaldirektor des israelischen Außenministeriums in Kairo. Obwohl die Sinai-Halbinsel seit dem Friedensvertrag mit Israel weitgehend entmilitarisiert ist, erlaubte die Regierung in Jerusalem Ägypten, dort seine Truppen zu verstärken sowie Panzer und Kampfflugzeuge zu stationieren. Angeblich wird das ägyptische Militär auch mit israelischen Geheimdiensterkenntnissen versorgt.

          Auf israelische Billigung stieß auch das harte ägyptische Vorgehen gegen die Hamas, die durch die militärische Eskalation auf der Sinai-Halbinsel wieder stärker in Bedrängnis geraten ist. Wegen der engen Beziehungen zu den Muslimbrüdern misstraut das Militärregime in Kairo den palästinensischen Islamisten, denen in der Vergangenheit immer wieder vorgehalten worden war, mit den Dschihadisten auf dem Sinai gemeinsame Sache zu machen.

          „Das ist Unsinn“

          Nach Informationen der Zeitung „Haaretz“ unterhält der bewaffnete Arm der Hamas Kontakte zu der Terrorgruppe „Wilajat Sinai“, die hinter den Angriffen am Donnerstag stecken soll. Ihr Vorläufer „Ansar Bait al Maqdis“ hatte sich dem IS angeschlossen und sich in „Provinz Sinai des IS“ umbenannt. Nach diesen Informationen erlaubt die Gruppe den Qassam-Brigaden, auf dem Sinai Waffen zu lagern und nach Gaza zu schmuggeln.

          Die politische Führung der Hamas sei jedoch damit nicht einverstanden. Israelische Berichte, wonach die Hamas erlaubt haben soll, Verletzte in Krankenhäusern im Gazastreifen zu behandeln, wurden dort jedoch nicht bestätigt: „Das ist Unsinn“, sagt der Politikwissenschaftler Usama Antar in Gaza-Stadt. Die Hamas-Führung bemühe sich vielmehr, die jüngste Verbesserung der Beziehungen zu Kairo nicht zu gefährden. Auf saudischen Druck hin durften zuletzt wieder Tausende Palästinenser über den zuvor monatelang geschlossenen ägyptischen Grenzübergang in Rafah ein- und ausreisen.

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