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Islamisten-Offensive im Irak : „Legt eure Gürtel an und macht euch bereit“

  • Aktualisiert am

Isis-Kämpfer in der Provinz Anwar Bild: AP

Die Terrorgruppe Isis hat angekündigt, auch Bagdad anzugreifen. Die irakische Armee und kurdische Kämpfer eroberten derweil die Städte Tikrit und Kirkuk zurück. Ministerpräsident Maliki bittet Amerika um Luftangriffe.

          Die aufständischen Dschihadisten im Irak sind am Donnerstag bis auf 90 Kilometer an die Hauptstadt Bagdad vorgerückt. Kämpfer der sunnitischen Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) eroberten die Stadt Dhuluijah nördlich von Bagdad, wie übereinstimmend ein Stadtrat, die Polizei und Augenzeugen berichteten.

          Isis-Sprecher Abu Mohammed al Adnani kündigte an, die Einheiten würden weiter auf Kerbela und nach Bagdad vorrücken. „Legt eure Gürtel an und macht euch bereit“, sagte er in einer Audiobotschaft, die über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurde.

          Medienberichten zufolge eroberten kurdische Kämpfer und die irakische Armee indes von Isis angegriffene Städte zurück. Das staatliche irakische Fernsehen meldete am Donnerstag, die Armee habe wieder die volle Kontrolle über die zentralirakische Stadt Tikrit. Auch die Nachrichtenseite „Al Sumaria News“ meldete unter Berufung auf die Polizei, die gesamte Stadt sei „nach gewalttätigen Auseinandersetzungen“ wieder unter Kontrolle der Armee. Ministerpräsident Nuri al Maliki habe zudem einen Luftangriff angeordnet.

          Einem Bericht des Nachrichtensenders Al Arabija zufolge übernahmen kurdische Kämpfer wieder die volle Kontrolle über die Stadt Kirkuk, nachdem die irakische Armee die Stadt angesichts der vorrückenden Islamisten fluchtartig verlassen hatte. „Keine Teile der irakischen Armee befinden sich mehr in Kirkuk“, äußerte ein Sprecher der Kurden.

          Flucht nach Erbil: Einwohner Mossuls, die sich in Sicherheit bringen konnten

          Derweil unterrichtete die Türkei in einer Sondersitzung des Nato-Rates ihre Verbündeten über die Lage nach der Entführung türkischer Bürger im Konsulat der irakischen Stadt Mossul. Nato-Diplomaten sagten am Donnerstag, bei dem Nato-Treffen habe es keine Wünsche Ankaras nach Unterstützung durch die Nato gegeben. Die Nato-Mitglieder verfolgten die Lage „sehr gründlich und mit großer Besorgnis“.

          Die etwa 30 Minuten dauernde Sitzung der Nato-Verbündeten sei auf Antrag der Türkei lediglich zur Information einberufen worden, hieß es. Die Türkei habe sich bei der Bitte um die Sondersitzung nicht auf Artikel vier des Nato-Vertrages gestützt. Dieser sieht Konsultationen vor, wenn nach Auffassung eines Nato-Mitglieds „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit“ eines Nato-Mitglieds bedroht ist.

          Der amerikanische Vizepräsident Joe Biden forderte die Dschihadisten auf, die 49 Geiseln bedingungslos und umgehend freizulassen. In einem Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan verlangte er „die sichere und sofortige Rückkehr“ der Konsulatsmitarbeiter und ihrer Angehörigen.

          Dieses Bild soll eine Kolonne der Isis-Kämpfer Anfang des Jahres in der irakischen Provinz Anbar zeigen

          In einer Blitzoffensive waren die Dschihadisten im Irak am Mittwoch weiter nach Süden vorgerückt und hatten nach der Millionenstadt Mossul auch Tikrit unter ihre  Kontrolle gebracht. In Samata, rund 130 Kilometer nördlich von Bagdad, wehrte die irakische Armee die Kämpfer dagegen ab, wie Augenzeugen berichteten. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen. Allein in Mossul flohen rund 500.000 Personen vor den Extremisten. Sie hätten ihre Wohnhäuser aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen verlassen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit. Durch die Kämpfe habe es in der Zivilbevölkerung „eine hohe Zahl von Opfern“ gegeben.

          Angesichts der Offensive kündigte Maliki an, den Notstand zu verhängen. Das irakische Parlament soll an diesem Donnerstag über die Ausrufung entscheiden. Damit bekäme der umstrittene schiitische Regierungschef mehr Befugnisse, um in den Konflikt einzugreifen.

          Unterdessen berichteten amerikanische Medien, dass Maliki Washington bereits im Mai gebeten habe, Luftangriffe auf die radikalislamischen Kämpfer zu erwägen. Die Regierung in Bagdad habe gehofft, dass mit amerikanischer Hilfe Sammelpunkte und Übungsgebiete der Aufständischen getroffen werden könnten, berichtete die Zeitung „New York Times“ am Mittwoch. Außerdem sollte verhindert werden, dass weitere sunnitische Kämpfer von Syrien aus in den Irak gelangten. Das Blatt beruft sich auf amerikanische Experten, die im Irak zu Besuch waren. Dem „Wall Street Journal“ nach signalisierte die irakische Regierung, dass sie amerikanische Angriffe auf Al-Qaida-Extremisten ermöglichen würde. Eine Regierungssprecherin nahm zu den Einzelheiten nicht Stellung. Sie sagte lediglich, die irakische Regierung begrüße amerikanische Hilfe. Der Beistand sei umfassend und werde noch größer.

          Im Sender CNN hieß es, die Vereinigten Staaten schätzten die Lage als äußerst akut ein und überlegten, welche zusätzliche Hilfe geleistet werden könnte. Der amerikanische Nachrichtendienst Now berichtete am Donnerstag, Washington befürchte, dass die irakischen Streitkräfte dem Ansturm nicht gewachsen sein könnten, und denke deshalb über Drohneneinsätze nach. Dies habe ein anonymer Beamter gegenüber der Agentur AFP bestätigt.

          Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki

          Der UN-Sicherheitsrat verurteilte Angriffe der Islamisten. Er will nach Diplomatenangaben an diesem Donnerstagmittag (Ortszeit) hinter verschlossenen Türen über die Lage im Irak beraten. Der UN-Gesandte Nickolay Mladenow solle das Gremium per Videoschaltung über die Entwicklung informieren. Auch die Nato habe eine Dringlichkeitssitzung einberufen, teilte ein Vertreter der Allianz am Mittwoch mit. Das Treffen hatte die Türkei beantragt.

          Reisewarnung des Auswärtigen Amts

          Das Auswärtige Amt in Berlin gab eine Reisewarnung für die Region heraus. Zur sofortigen Ausreise werde aus den Provinzen Ninive, Anwar und der Stadt Tikrit sowie deren Umgebung aufgerufen, hieß es am Donnerstag in einem Tweet des Außenamts. Die Lage sei dort „äußerst besorgniserregend“. Wie das Ministerium weiter mitteilte, sei „mit bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Terroristen, den irakischen Sicherheitskräften und Milizen sowie mit schweren Anschlägen zu rechnen.“ Es wurde auch vor weiteren Anschlägen in der Hauptstadt Bagdad gewarnt. Im gesamten Land bestehe ein hohes Risiko von Entführungen, schrieb das Amt weiter.

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